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Chickenfoot
Chickenfoot, earMUSIC, 2009
Sammy Hagar Lead Vocals
Joe Satriani Guitars, Banjo, Keyboards, Harp, Vocals
Michael Anthony Bass, Vocals
Chad Smith Drums, Percussions
Produziert von: Andy Johns Länge: 57 Min 51 Sek Medium: CD
1. Avenida Revolution7. Down The Drain
2. Soap On A Rope8. My Kinda Girl
3. Sexy Little Thing9. Learning To Fall
4. Oh Yeah10. Turnin' Left
5. Runnin' Out11. Future In The Past
6. Get It Up

So einen Medienterz um eine Veröffentlichung hat man lang nicht mehr gesehen, dabei geht es nur um die neue Band CHICKENFOOT.
Na ja, schon gut, Sammy Hagar, Joe Satriani, Michael Anthony und Chad Smith sind durchaus nennenswerte Namen, aber es gab schon so viele so genannte Supergroups, die außer lauwarmer Luft nichts hinterlassen haben, dass man unwillkürlich vor dem Hühnerbein zurückzuckt. Außerdem fragt man sich, warum die letzten Scheiben von Hagar hierzulande nicht mal einen vernünftigen Vertrieb hatten, von Promotion ganz geschwiegen, die waren nämlich wie (fast) alles vom ewigen Sunnyboy geil.
Satriani fiel zuletzt eher als Kläger gegen die vermeintlichen Plagiatoren COLDPLAY auf, seine letzte Solo-CD "Supercolossal" war 2006 natürlich wieder ein Beißring für alle Gitarrenschüler, aber für die bodenständigen Rocker mit Lust auf Groove statt auf Legato ist er mitsamt seinem Nebenprojekt G3 schon immer suspekt. Michael Anthony, der bei VAN HALEN verstoßene Bassist, leistet nach wie vor solide donnernde Arbeit und taucht bekanntlich auch immer mal wieder in Sammys Solo-Band auf. Am neugierigsten konnte man auf die Performance von Chad Smith sein, der bei seiner Stammband, natürlich den RED HOT CHILI PEPPERS, immer wieder für rhythmische Sensationen gesorgt hat. Leider avanciert Smith zur größten Enttäuschung des Albums, denn er beschränkt sich auf konventionelles Hard-Rock-Drumming in Möchtegern-Bonham-Manier plus ein paar Showeinlagen. Das hat bei seinen Einsätzen für Glenn Hughes gut gepasst, aber nach der percussiven Leichtigkeit der letzten Hagar-CDs wünscht man sich den guten alten David Lauser herbei. Nur in wenigen Nummern lässt es Smith grooven, dabei hat er doch auch schon für Jazzer getrommelt. Schade, das ist eine vergebene Chance, ein Chickenfoot sollte mehr swingen. Egal, entscheidend sind die Songs.

11 Songs, knapp 60 Minuten, davon ungefähr ein Drittel belanglos (von den Minuten, nicht von den Songs, denn 11 geteilt durch 3 ist blöd). Wären nicht Hagar und Anthony mit ihrer unstillbaren Lust auf Drive, wäre gleich die erste Nummer in die Hose gegangen. Ein geschraubtes Endlossolo ist irgendwie zu wenig für die Rock & Roll Satisfaktion. Aber es wird danach besser und viel besser. Soap On A Rope rockt und hebt zum Ende hin richtiggehend ab, es rollt perfekt und Satriani entschuldigt sich für sein vorhergehendes Genudel mit einem wunderschönen Solo. Sexy Little Thing klingt wie der Name ankündigt. Es gibt sogar eine richtige Rhythmusgitarre und nur ein ganz winziges aber effektives Solo.
Nicht alle Songs sind echte Körner, aber immerhin ist "Chickenfoot" durchgehend richtige Rockmusik mit deutlich mehr als einem Hühnerei - man kennt von Sammy Hagars letzter Supergroup (HSAS, mit Neal Schon, Kenny Aaronson und Michael Shrieve) wesentlich cholesterinärmere Kost. Aber die 80er sind glücklicherweise lange vorbei und AOR-Weichspülerei war in Sammys Karriere nur eine Randbemerkung. Die Ballade hier heißt Learning To Fall und ist ebenfalls nur eine Randbemerkung wert (wer spielt übrigens über beinahe die gesamte CD die Keyboards?).
Um dem armen Joe Satriani nicht zu sehr Unrecht anzutun sei gesagt, dass er sich in überraschend vielen Songs angenehm zurückhaltend benimmt, die Rhythmusarbeit kommt gut und in den Soli übertreibt er es nur selten. Wenn nicht jeder Song wie erhofft zündet, kann man ihm das nur zu 25% ankreiden, die ganze Band zeichnet schließlich für die Kompositionen verantwortlich. So kommt beispielsweise Get It Up nicht richtig aus der Hüfte, vor allem Smith klingt steif, da kann Hagar noch so beseelt "arriba, arriba" schreien. Der zweite Teil von Down The Drain und vor allem My Kinda Girl entschädigen überreichlich. Hier geht es gefühlsmäßig weit zurück in die Vergangenheit, bis etwa ins Jahr 1978/79, als es die legendären LPs "All Night Long" und "Street Machine" gab. My Kinda Girl ist ein echter Highwaysong.
Eher nicht für die Überlandfahrt geeignet ist Turnin' Left, ein ziemliches Brett für Menschen die sich auf keinen Fall nur mit 55 miles per hour fortbewegen wollen. Außerdem fühlt man sich nicht zum ersten Mal an drei Herren aus Texas erinnert, die vor vielen Jahren Arrested for driving while blind sangen.
Future In The Past ist der spannend aufgebaute Abschluss einer klassischen 2/3-CD. Die beiden guten Drittel sind famos, das schwächere ist Durchschnitt. Sehr guter Durchschnitt natürlich, wir haben es mit Großmeistern und nicht mit Anfängern zu tun.

Übrigens: die Vergleiche mit den Soloplatten, Stammbands und VAN HALEN soll jeder für sich anstellen, das hier ist CHICKENFOOT und ein eigenes Kapitel. Möglicherweise kein sehr langlebiges, aber unterm Strich ein wichtiges für die Sammlung.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 29.05.2009


 
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