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15 / Black Butterfly

(European Exclusive)
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15 / Black Butterfly (European Exclusive)
15 / Black Butterfly (European Exclusive), Eleven Seven Music, 2009
Josh Todd Vocals
Keith Nelson Electric-, Slide-, Acoustic- & Baritone Guitars, Backing Vocals
Stevie D. Guitars, Backing Vocals
Jimmy Ashhurst Bass Mandolin, Finger Cymbals, Backing Vocals
Xavier Muriel Drums, Percussion, Backing Vocals
Länge: 46 Min 40 Sek, 42 Min 55 Sek & 18 Min 29 Sek Medium: 3-CD-Set
"15":
1. So Far7. Crazy Bitch
2. Next 2 You8. Onset
3. Out Of Line9. Sunshine
4. Everything10. Brooklyn
5. Carousel11. Broken Glass
6. Sorry12. Brooklyn (Electric)
"Black Butterfly":
1. Rescue Me7. Don't Go Away
2. Tired Of You8. Fallout
3. Highway Star9. Rose
4. Dreams10. All Of Me
5. Talk To Me11. Imminent Bail Out
6. A Child Called It12. Cream
Bonus Disc:
1. Tired Of You (Live from Rockline)7. Nothing (Demo)
2. Don't Go Away (Live from Rockline)8. Stayin' High (Demo)
3. Sorry (Acoustic)

BUCKCHERRY ist eine amerikanische Hype-Band. Hype-Bands haben es im Home of Rock traditionell schwer, außer sie werden vom Home of Rock entdeckt und bis zur Besinnungslosigkeit gepriesen ;-)
In der Besprechung des BUCKCHERRY Split-Projekts BLACK ROBOT fiel die böse Bezeichnung "Armleuchterkapelle" im Zusammenhang mit BC. Der Verfasser darf dazu auch weiterhin stehen, denn im HoR gibt es keine Zensur. Ich stehe also dazu, und weil wir neben lauter Musik auch Fußball im Kopf haben (was war nur das andere... Sex? Alkohol? Ich weiß es nicht mehr), applaudiere ich Philipp Lahm für seine grandios ausformulierte Kritik am FC Bayern. Uli Hoeneß sollte endlich verstehen, dass auch er, der personifizierte Fußballsupermanager, Fehler macht und nicht immer nur mit Geld ausbügeln kann, was er mit seinen Bauchentscheidungen versemmelt hat. Und damit sind wir beim Punkt: Geld!

Die Band BUCKCHERRY hat in Europa bisher wenig Geld verdient. Woran immer es liegt, vielleicht nimmt man dem Fünfer schlicht die mit aller Plakativität hingezimmerte Authentizität nicht ab, weder BUCKCHERRY Mk. I (1995-2002) noch die reformierte und umbesetzte zweite Version (seit 2005) hat viel mehr als ein wenig Lob von ehemaligen HoR-Schreibern eingefahren. Nun durften auch diese Herrschaften selbstverständlich schreiben was sie wollten, bezeichnend ist allerdings, dass das Lob im Zusammenhang mit KISS fiel. Stanley und Simmons sicherten sich nämlich häufig, auch in so schwachen Phasen wie der sinnlosen "Psycho Circus" Tour, die Dienste der damals noch jugendlichen Kleinstädter aus dem Staat New York. AC/DC taten das auch, und wenn man ketzerisch wäre, dann würde man sagen, dass die Altrocker einfach eine halbwegs anständige Band im Vorprogramm haben wollten, die ihnen aber auf keinen Fall die Show stehlen sollte. Dieses Ziel wurde erreicht, allerdings kamen Josh Todd und Keith Nelson, die beiden Hauptsongwriter und Chefs von BUCKCHERRY, dadurch auf die irrige Idee, selbst ein Hauptact zu sein. Das ziemlich bittere Ergebnis kann man sich seit gut zwei Monaten auf der CD "Live & Loud 2009" anhören. Über eine Leistung wie der bei der sowieso blöden Ballade Everything würde Dieter Bohlen als Jurymitglied Dinge sagen, die unsereinem nicht mal vom Hörensagen bekannt sind. Katastrophalere Gitarren und miserableren Gesang hat man auf einer professionell aufgenommenen Live-CD selten gehört. Hochnotpeinlich ist das. Der Rest dieses durchaus lauten und bestimmt sehr live aufgenommenen Armutszeugnisses stutzt die Band BUCKCHERRY auf genau das zurecht was sie ist: eine zu ganz guten Songs befähigte Kapelle, die leider Posertum, Tattoos, Heroin-Chic und von GUNS N' ROSES vor 20 und den SEX PISTOLS vor mehr als 30 Jahren bis zum Erbrechen (des Publikums) durchgenudelte Ausfälle und Ausfallserscheinungen über die eigene künstlerische Qualität stellt. Es trifft sich insofern ganz gut, dass nun die beiden letzten Studio-CDs "15" (2006) und "Black Butterfly" (2008) zusammen mit einer 5-Track-EP als Dreierpack nochmals auf den europäischen Markt geworfen werden. Sonderlich bekannt ist das Zeug bei uns eh nicht, vielleicht erkennt der eine oder andere Musikfan, dass BUCKCHERRY mehr als eine zugedrogte Armleuchterkapelle sein könnte. Check it out.

Das Comeback nach dem vorläufigen Ende 2002 hieß, warum auch immer, "15" und passte tatsächlich gut ins Frühjahr 2006, denn just in dieser Zeit florierte die bis heute anhaltende Renaissance der klassischen Rockmusik, allerdings nicht wie früher von der Industrie gesteuert, sondern auf der sympathischen Selbstverwaltungsebene; miserable Verkaufszahlen inklusive. Die Werbung für "15" kam ein wenig zu laut und aufdringlich daher - der Vertrieb funktionierte dennoch nicht, obwohl hinter dem harmlos klingenden Labelnamen Eleven Seven sehr wohl die Großindustrie stand und steht. Eleven Seven Music hängt an Warner Music. Seit 2008 ist Nikki Sixx von MÖTLEY CRÜE neben dem Gründer und früheren Bankrotteur Allen Kovac "President" dieser Firma. Big Business also.
Wären auf "15" mehr so schöne Songs wie Carousel, das durchaus als Hommage an die FACES verstanden werden darf, käme niemand auf die Idee, dass BUCKCHERRY ein ferngesteuertes Kunstprodukt sein könnte. Aber das Lavieren zwischen Fuck'n'Roll und anständigen Songs mit wenigstens ein bisschen Seele gerät zeitweise arg bemüht. Keiner Band unter 40 würde normalerweise ein Schmachtfetzen wie Sorry einfallen. Den dann aber auch noch glatterdings mit Geigen aufzupeppen, wie es bei AEROSMITH vor eineinhalb Jahrzehnten überaus erfolgreich geklappt hat, ist irgendwie doof. Man hört sich dann doch lieber das Original an. Dafür geht eine Nummer wie Crazy Bitch unglaublich funky nach vorne los. Der Text ist natürlich grenzdebil, aber es rockt.
Gar nicht rocken die seltsamen Alternative- und U2-Lookalikes. Aber immer wenn es in Richtung Melodie'n'Roll geht, hat man Spaß. Die größte Überraschung ist sicher der Blues Brooklyn, der ernsthaft glaubwürdig klingt. Coole Nummer. Genau wie der Überfall-Hardrocker Broken Glass. Dass zum Schluss die rockige Version von Brooklyn deutlich mehr nach Sunset Strip als nach dem nüchternen Brooklyn klingt, ist auch schon wurst.

Zwei Jahre später haben sich die Protagonisten künstlerisch nicht großartig verändert. Oder doch? "Black Butterfly" kommt hart. Härter als "15". Jedenfalls anfangs. Als externer Songwriter ist wieder Marti Frederiksen dabei, der diesmal auch gleich selbst produzierte. Der passt grundsätzlich gut zu BUCKCHERRY, schließlich entstammt er ursprünglich der längst vergessenen Band OUTLAW BLOOD aus den frühen Neunzigern. Es gab eine CD mit ziemlich derbem Sleaze-Bluesrock, davor war Frederiksen mit Steve Jones, dem ehemaligen Gitarristen der SEX PISTOLS verbandelt. Für einen Song wie Dreams ist er allerdings nicht verantwortlich, diesen Schunkler haben Josh Todd und Keith Nelson ganz alleine zustande gebracht - und biedern sich damit einem SCORPIONS-Publikum an. Danach gibt es wieder AEROSMITH-Anwanzungen in Talk To Me. Alles härtere Schiene, keine üblen Nummern, aber der Eigenständigkeit nicht unbedingt förderlich. Außerdem wurde der flotte Funkrocker Too Drunk… (too fuck natürlich) zugunsten des PURPLE-Klassikers Highway Star vom Album verbannt. Auf die Idee zu kommen, dass man dann vielleicht die Tracklist ändern könnte, ist allerdings niemand gekommen. Too Drunk… war sogar eine recht erfolgreiche Single, umso unverständlicher, dass ausgerechnet dieser Song gekippt wurde.
Trotzdem ist "Black Butterfly" ein gut anhörbares Rock-Album ohne grobe Schnitzer, wenn man von der Ballade Rose absieht. Derlei konnten die Schminktöpfe von POISON einfach besser.
Für "Black Butterfly" gilt wie für "15": Die richtigen Knüller fehlen wieder bzw. sind viel zu dünn gesät. Wenn die Songschreiber bei BUCKCHERRY auf diesem Gebiet nicht nachlegen, wird es mit der ganz großen Karriere nichts, dafür ist die Konkurrenz in diesem Genre zu groß. Es wird auch keine weitere Hochglanzproduktion helfen, wenn der Inhalt zu schwachbrüstig ist und wenn live solche Aussetzer wie die oben erwähnten dem zahlenden Publikum vorgesetzt werden.

Als "European exclusive Bonus" gibt es noch eine EP mit fünf Tracks, die sich nahtlos ins Bild einfügen. Zwei davon wurden für eine Radioshow von Rockline Radio aufgenommen und sind technisch einwandfrei, dafür zur Hälfte gnadenlos langweilig. Das ohnehin unsägliche Sorry kommt als akustische Version gleich noch dröger als auf "15" und die beiden Demos Nothing und Stayin' High sind, nun ja, belanglos.
Aus den insgesamt 29 Nummern auf diesem Dreierpack könnte man ein richtig gutes Album machen, insofern lohnt sich die Anschaffung, denn bei einem Preis von deutlich unter 15 Euro kann man wenig falsch machen (und auf anständiges Coverartwork verzichten).

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.10.2009

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