|
|
| Big Jim Slade, Pacify The Herd & This Is Delicious, Eigenvertrieb, 2000, 2002 & 2008 |
| Jonathan Sirls |
Guitar, Vocals |
| Chris Belt |
Guitar, Vocals |
| Robert Sirls |
Bass, Vocals, Hammond Organ |
| Clay Fuqua |
Drums, Percussion & various noises |
| Gäste: |
|
| John Bondurant & Chris Greenup |
Group Vocals ("Big Jim Slade") |
| Produziert von: BJS |
Länge: 51 Min 32 Sek, 53 Min 58 Sek & 65 Min 28 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| "Big Jim Slade" (2000): | |
| 1. Still Walkin' | 8. 8 Days |
| 2. Power Of Changes | 9. Enemies |
| 3. Day In, Day Out | 10. Promises |
| 4. Free My Mind | 11. Come To This |
| 5. Set In Stone | 12. Blurred Truth |
| 6. Face To Face | 13. Spread Your Wings |
| 7. Always | |
| "Pacify The Herd" (2002): | |
| 1. You Better Shine | 8. The Cost |
| 2. Hoover | 9. The Damage Is... |
| 3. Find Your Dream | 10. All Falls Away |
| 4. Idiot | 11. End Love |
| 5. If I Saved You | 12. Throw Down |
| 6. They Lied | 13. Evil Side |
| 7. Cooler Now | 14. Suffer Long |
| "This Is Delicious" (2008): | |
| 1. Branded | 9. Tone Deaf Love |
| 2. Pressure | 10. Dream Out Loud |
| 3. No Wonder | 11. Haunting You |
| 4. I Am But One | 12. Hold |
| 5. Refused To Let It Die | 13. Remove |
| 6. Permagrin | 14. I've Been |
| 7. Face Of The Day | 15. I Will Always Come Back |
| 8. Forever Lost | |
 |
BIG JIM SLADE - der Name wurde von einem Spieler der Kansas City Chiefs entlehnt, der nicht zuletzt für seinen großen sexuellen Hunger bekannt war. Ist aber auch egal und hat mit der Musik nichts zu tun. BJS haben vier Alben veröffentlicht, von denen das zweite - "BJS" - jetzt in Deutschland (bei JFK) angeboten wird, und sind weitestgehend unbekannt.
Das werden wir ändern. Denn - der berühmte HoR Service - natürlich haben wir keine Mühen gescheut, mit der Band in Kontakt zu treten und Promo-Kopien der letzten drei Alben zu besorgen und anzuhören und - zu besprechen. Die Motivation, uns dieser herausfordernden Aufgabe zu stellen wurde erleichtert, nachdem wir die ersten Takte von "BJS" gehört hatten und wussten - da muss noch mehr her, denn: das ist gut!
Was ist das - es klingt zum Teil wie KINGS X mit ihren Breitwand-Moll-Akkorden und Harmony Vocals, dann aber wieder nicht. Es klingt wie Seagull von BAD COMPANY - aber dann auch wieder nicht wie die Rodgers-Truppe. Es klingt wie die ALLMAN BROTHERS - aber die Soli sind nicht so erschöpfend wie die der Brüder. Es klingt wie klassischer Blues Rock. Mit kurzen, knackigen Soli, dann aber… Was ist das?
Du da hinten! Genau, es sind die wundervollen BIG JIM SLADE. Und nun alle im Chor: Gimme a B… Offensichtlich kanntet ihr die Band schon, ich darf aber doch mal kurz zusammenfassen. Setzen Sie sich gerade hin und bewahren Sie Aufmerksamkeit!
"Big Jim Slade", die älteste der drei CDs, kommt mit einem Schock von richtig guten melodischen Songs, voll von sehr guten Gitarrensoli, wohl sortierten Slideattacken, dynamischem Drumming und treibendem Bass. Vor allem aber, Herrschaften: das sind richtig gute, im alten Schmalzohr bleibende Songs MIT guten Gitarrenlinien UND einer guten Rhythmussektion, soll heißen: It's the song, Stoopid, not the player! Ich garantiere euch: nachdem ihr die CD zweimal gehört habt, schälen sich diese Songs aus dem anfangs etwas zu breitflächig klingenden Soundwall heraus und werden zu euren Freunden - einschließlich Mitsingen und Lenkraddrumming, jawoll!
Vom Drums-Intro zum Boogie Still Walkin', der auch fast auf einer BAD CO. CD sein könnte, wenn die Riffs etwas weniger gedehnt werden, über das südstaatliche Slide-Spiel von Power Of Changes, vorbei an den Riesenchorussen von Day In, Day Out, dem weiteren Slideschleicher über Percussion Free My Mind, dem Blues Rocker heftig Set In Stone, dem an STEALERS WHEELs Stuck In The Middle With You erinnernden 8 Days - alles da, und was für ein Debüt.
Man sollte allerdings schon kein Feind der Breitwand Riffs à la KINGS X sein - dann wird es etwas schwer. Und vielleicht sind Enemies und Come To This überflüssig - die anderen treffen ins Ziel. Besonders auch der Akustikknaller Spread Your Wings, der aber auf einer späteren CD ein noch besseres Remake findet.
"Pacify The Herd" von 2002 geht einen Schritt weiter auf der Heftigkeitsskala. Die Songs werden knackiger, ohne an viel Melodiosität zu verlieren. Allerdings wiederholen sich die Strukturen und Muster von "BJS" doch schon sehr. Herausragend sind der orgelunterstützte Rocker Call Now mit seinem unerwartet sanften Refrain; The Cost, ausnahmsweise mal über weite Strecken ohne Riffbreitwände und sehr schönem Solo, Throw Down mit Sägezahnslide und Double Lead; der 'Best Album Track' und semiakustische Slowblues Evil Side und Suffer Long, das aber schon mit mehr als einem Auge auf BLACK SABBATH und ähnliche Doomsters schielt. Das ist vielleicht die Schwäche dieses 'Zweitlings' (der ja eigentlich ein Drittling ist) - more of the same, und alles bis auf Evil Side etwas düster. Nix für Regentage. Suffer Long nimmt dann vorweg, was auf "This Is Delicious" passieren wird.
Lange Pause bis 2008 - und dann wird "This Is Delicious" veröffentlicht. Ein weiterer Schritt in Richtung Modern Rock wird gemacht, die Riffs erinnern etwa an TESLA, ohne das die KINGS X-Charakteristik ganz verschwindet. Den Soli wird mehr Platz eingeräumt, wodurch diese CD insgesamt wieder interessanter wird, und es gibt mehr zu genießen. Refrains, Vocals, Drive, Riffs en masse, Soli - da freut sich das Herz des noch neuen BJS-Fans. No Wonder und Remove sind wieder etwas finster, I Am But One shuffelt sich funky ins Gehör, Refused To Let It Die ist ein erstes, melancholisches, melodisches Highlight.
Permagrin ist BIG JIM SLADEs Free Bird, Face Of The Day bietet die nun schon bekannte, wenn auch nicht oft genug benutzte Slide und wunderbare Chorusse. Forever Lost ist ein Remake von Spread Your Wings (dem Seagull Look-alike), und ein weiteres Highlight.
Tone Deaf Love und Dream Out Loud sind vom Aufbau fast identisch, Haunting You bietet wieder klasse Gesang, Hold bietet Abwechslung zu den Riffmonumenten und ist etwas zurückhaltender, und mit dem funky I Will Always Come Back endet das Ganze.
Zusammenfassung: Von Album zu Album gibt es eine Entwicklung hin zu mehr Knackigkeit und zum Modern Rock, wobei das Grundgerüst und die Melodie-Verliebtheit die gleichen bleiben. Mir selbst gefällt "BJS", welches eben jetzt deutschen Boden erreicht, am besten, weil hier die Balance zwischen knackigen Gitarren und melodiösen Hooks am ausgewogensten ist; dann kommt das sehr rockige "This Is Delicious" und dann das mittlere Album der drei - "Pacify The Herd". Modern Rock Fans werden die Reihenfolge "Delicious" - "BJS" - "Herd" bevorzugen.
Braucht man alle drei? Nicht unbedingt, da dann doch einiges an Wiederholung auffällt. Der (neu gewonnene) Fan der Band und Sammler-Komplettist kann aber unbedenklich zu allen dreien greifen.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|