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Baumstam

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Moment
Moment, Schöne Töne, 2007
Adi Klawitter Guitars, Keybaords, Backing Vocals
Gerdi Starke Drums, Percussions, Backing Vocals
Uli Klawitter Guitars, Vocals, Harp
Volker Wobbe Bass
Gast:
Sabina Danilov Vocals (Winners' Eyes)
Produziert von: Baumstam & Lothar Simsheuser Länge: 55 Min 55 Sek Medium: CD
1. Highway Blood9. Winners' Eyes
2. ICE 50910. Messin' Around
3. Mary Anne11. Guitar Heroes
4. Halt mich fest12. Sunny Sky
5. Frei wie der Wind13. Girl I Want To Stay (In Your Fire II)
6. For You14. Abendwind
7. Heute Nacht15. Rock 'n Roll Band
8. On Tour Again

Beginnen wir diese Besprechung mit einem Zitat des Universalgelehrten und Künstler Bushido: "Wenn man seine Seele verkauft, muss wenigstens der Preis stimmen." *
Das, und nur das, muss der Grund sein, dass eine Band nach 30 Jahren zurückkommt und eine neue Platte aufnimmt. Millionen werden es sein, die den drei älteren und dem jüngeren Mann geboten worden sind. Denn wie sagt Bushido so schön: "Es macht schon Spaß, wenn einem auf der Bühne 6.000 Kids zujubeln. Das berührt mich zu einem ganz kleinen Teil." *
Das wäre geklärt, jeder weiß nun, dass es der Wittener Band BAUMSTAM auf keinen Fall um Spaß und Musik geht, wenn sie 15 Songs unter dem Namen "Moment" auf einer CD versammelt. Überraschend nur, dass auch bei solchen reinen Kommerzveranstaltungen manchmal richtig fetzige Sachen herauskommen.
Genug Nonsens nun.

BAUMSTAM gab es von 1972 bis '77, 1975 erschien eine Live-LP ("On Tour"), bis 2004 war Pause, die Comeback-CD "Dreams Of Yesterday" von 2005 ging an uns vorbei, jetzt also "Moment" als neues Werk.
Auf der Homepage steht selbstbewusst: "A new generation of Krautrock". Glücklicherweise kann niemand wirklich schlüssig erklären was Krautrock eigentlich ist, zu viele verschiedene Einflüsse und Musikströmungen wurden unter diesem Banner zusammengefasst. Eines ist klar, BAUMSTAM gehören und gehörten nicht zu den verquasten Neutönern der "Kölner Schule", wenigstens heute nicht zu den Psychedelikern DÜÜLscher Prägung, eher zu den straighteren Vertretern wie JANE oder EPITAPH, mit denen sie folgerichtig in jüngerer Vergangenheit auch gemeinsam aufgetreten sind. Zwei Gitarren und ein klares Bekenntnis zum Rock lassen "Moment" denn auch schön dahinsausen.
Vergleicht man "Moment" mit dem Vorgänger oder gar dem antiken Livealbum, man kann das auf der Homepage ausführlich tun, bemerkt man schnell eine etwas härtere Gangart und vor allem eine deutlich verbesserte Gitarrenfraktion. Vater und Sohn Klawitter starten erfreulich oft zu basis-rockigen Ausritten, die mit Kraut und sonstigen Rüben nichts zu tun haben, schließlich will man ja singen und spielen in einer Rock 'n Roll Band. Übrigens wohl nicht ganz unabsichtlich mit ein paar Ähnlichkeiten zu I'm Just A Singer (In A Rock And Roll Band) von den MOODY BLUES, nur deutlich knackiger und deutsch gesungen.
Ganz von den Siebzigern hat man sich nicht verabschiedet, wenigstens die Produktion klingt spürbar nach yesterday, man könnte auch den Begriff "Garage" ins Spiel bringen. Klar, mit großem Geld würden auch BAUMSTAM anders tönen, aber das hier geht völlig in Ordnung, der ICE 509 hat mächtige Beschleunigung.
Noch eine Reminiszenz an die Vergangenheit ist die Fortsetzung des alten Girl I Want To Stay Into Your Fire, das als . In Your Fire II recht fuzzy rockt. WISHBONE ASH auf Speed.
Hardrocker sind die Herrschaften natürlich nicht geworden, da sind einige schöne ruhige Nummern wie Mary Anne (feine Akustikgitarre mit leicht folkigem Touch) oder das beinahe symphonische Winners' Eyes mit der Sängerin Sabina Danilov vor. Frau Danilov aus Aserbaidschan ist eigentlich Geigerin und singt nicht nur wundervoll, sie zwingt auch zum zweimaligen Hinsehen. Da braucht man zur Abkühlung direkt einen flotten Rock'n'Hoppler wie Guitar Heroes. Schön zu lesen in diesem Zusammenhang, dass die Klawitters bevorzugt Les Paul und SG vor dem Bauch hängen haben.

GURU GURU hatten vor Dekaden einen Titel namens Formentera (s. a. Blindflug mit Dieter Bornschlegel). Sunny Sky erinnert in seiner getrommelten Leichtigkeit und ob der partiellen Santana-Gitarre ein wenig daran. BAUMSTAM sind in der Tat vielseitig und offen für ungewöhnliche Versuche, es wäre schön, die Band ein wenig überregionaler als nur im heimischen Umfeld live sehen zu können. Mit "Moment" ist ein astreines Fundament für eine nette Club-Tour geschaffen.

* Das gesamte Interview mit Bushido kann man im Wirtschaftsteil (!) der Süddeutschen Zeitung vom 25.01.2008 oder online lesen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.01.2008

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Im Laufe eines langen Rezensenten-Daseins flattert einem ja so allerlei auf den Tisch. Überraschendes und weniger überraschendes und manchmal auch sowas wie das hier. "Moment" heißt das Album und Moment mit einem dicken Ausrufezeichen dahinter fällt mir dazu als erstes ein. Moment! - Was bitteschön ist denn das? Hat die Schülerband aus dem Gymnasium hier gegenüber seine Übungsraumtapes auf CD pressen lassen dürfen, weil der Direktor den einen kennt, der einen kennt und es darum nur den halben Preis gekostet hat?

Das kann nicht ernst gemeint sein, denk ich mir als nächstes. "On Tour", das BAUMSTAM Album der 70er glänzte schon nicht gerade durch Können und Einfallsreichtum, aber das hier schlägt alles. Ehrlich, wenn ich's nicht wüsste, dass hier ne alte Band zugange ist, wenn es mir die Fotos nicht auch noch beweisen würden, dass da außer Sohn Klawitter gestandene Herren zugange sind, ich würds einfach nicht glauben. Da hakt es schlichtweg an allem. Die Kompositionen sind ein Witz, wären auch vor 30 Jahren schon als altbacken durchgegangen. Der ganze Sound der Truppe hat Spinnweben meterdicker Art. Das Timing der Musiker zeigt, dass Musikmachen all die vergangenen Jahre wohl nicht ganz oben auf ihren Aktivitätslisten stand. Was allein Drummer Stracke hier zusammenholpert und stolpert geht auf keine Kuhhaut. Groove? Dynamik? Noch nicht im Repertoire der Band angekommen.

Wer bitte braucht denn sowas? (Na gut, außer meinem Redaktionskollegen Fred).

Ganz kurz und knapp - das ist völliger dilettantischer Mist. Unterstes Amateurniveau. Und da ich ja als Proggie berühmt und/oder berüchtigt bin, hab ich's ausprobiert und das Teil mal als Blind Date drei gestandenen Rockern vorgespielt: Lachanfälle, ungläubiges Staunen, "das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?" und noch weitere nicht druckreife Anmerkungen sind da gefallen.

Oder ist das gar die totale Verarsche? Denn "Schöne Töne" nennt sich der Musikverlag und allein das muss doch im Zusammenhang mit der Scheibe schon als blanke Ironie gedacht sein, oder? Wenn ja, Hut ab, gut gemacht, da habt ihr mich erwischt und voll reingelegt. Denn wirklich ernst konntet ihr diese CD doch gar nicht gemeint haben.

Mit Krautrock hat das hier aber überhaupt gar nix zu tun. Nur weil man aus Deutschland kommt und in den 70ern mal ne Platte gemacht hat, ist man noch keine Krautrockband. Und auch die Bezeichnung "Garage" bringe ich hier dann eher in Verbindung mit all dem Müll, der da so lagert seit Jahren, weil ein jeder von uns immer nur zu faul ist das Zeugs mal rauszuschaufeln.

Jürgen Gallitz-Duckar, (Artikelliste), 26.01.2008

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