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BatRacers

Big Cash

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Big Cash
Big Cash, BPO Records, 2009
Bill Rennie Lead Vocals, Bass
Mike Enright Vocals, Guitar
Jimmy Enright Vocals, Keyboards
Robbie Payne Vocals, Percussion
Produziert von: Mike Enright & Bill Pierce Länge: 27 Min 21 Sek Medium: EP
1. Big Cash4. All The Same
2. She Might Be5. Shayron
3. Pull The Trigger6. I Thank You

Was zum Teufel ist das? Die Band BAT RACERS bzw. BatRacers gab es nie, jedenfalls ist nichts, aber auch wirklich gar nichts über eine solche Band irgendwo verzeichnet. Die Songs der EP "Big Cash" entstammen allem Anschein nach weder geistig noch produktionstechnisch diesem Jahrtausend, und wenn man auf die Homepage der Band geht, kann man zwei Videos einer angeblich bald erscheinenden DVD sehen, die irgendwann zwischen 1976 und 1983 aufgenommen worden sein müssen (mein persönlicher Tipp ist 1978). Da ist die große Bühne eines "Coliseum" in Jackson, Tennessee und ein verhältnismäßig üppiges Publikum zu betrachten, das aber eher lethargisch herumsteht. Der Sound zum Bild ist eindeutig nicht live, aber sehr gut zum schwiemeligen Seventies-Bild geschnitten, und eine Location dieses Namens gibt es in der Kleinstadt Jackson in Tennessee nicht bzw. heute nicht mehr. Die genannten Aufnahmestudios immerhin sind überaus namhaft (Studio One, Doraville, Ga.; Sam Phillips Studio, Memphis, Tn.; Ardent Studios, Memphis, Tn.).
Zwei Möglichkeiten: Entweder ein ziemlich gut gemachtes Remake von SPINAL TAP, also eine allerfeinste Verarschung, oder tatsächlich eine Band, die vor 30 oder mehr Jahren aus irgendwelchen Gründen ins Vorprogramm einer bekannten Band geraten ist, aber niemals eine Schallplatte aufgenommen hat. Webseite und CD-Infoblatt halten sich kryptisch bedeckt, aber dass eine Band mit derartigen Fähigkeiten wie auf "Big Cash" und den Videos gezeigt, so völlig unbekannt ist, scheint doch mehr als seltsam. Unbekannte Support Acts gab und gibt es unendlich viele, aber kaum eine mit einem solchen "Big Rock" wie die obskuren BatRacers.

Optisch sehen die vier Herren um Lead Sänger und Bassist Bill Rennie wie jede Stadionrockband der mittleren und späten 70er aus, so könnte beispielsweise der bemerkenswert gute Gitarrist Mike Enright der Doppelgänger von REO SPEEDWAGONs Gary Richrath zu Zeiten von "You Get What You Play For" sein (übrigens nach wie vor eines der besten Live-Doppelalben aller Zeiten). Sogar die Körperhaltung passt punktgenau. Man kann so gut wie alle bekannten Namen jener Zeit in den Ring werfen, die BatRacers hätten JOURNEY, STYX, TRIUMPH oder STARZ doubeln können, großartig aufgefallen wäre es den wenigsten. Sogar das Bandlogo kommt einem irgendwie bekannt vor. Seltsam ist das.
Musikalisch ist "Big Cash" - welch bizarrer Name für eine derartige Produktion jenseits aller Zeitbegriffe - von den bisher genannten Kapellen ebenfalls nicht weit entfernt, vielleicht könnte man noch die eine oder andere Band des kalifornischen Labels Beserkley Records anfügen: Die GREG KIHN BAND (man höre den Titelsong Big Cash) und vor allem die in ihren großen Momenten wahrhaft legendären EARTH QUAKE (Trainride und Street Fever vom 1977er "Leveled" gehören auf jede gute Boogie-Compilation).
Die EP "Big Cash" kann mit ihren nur 6 Songs mit all den bekannten und unbekannteren Jugenderinnerungen mit Leichtigkeit mithalten. Brecher wie She Might Be kommen grundsätzlich grandios und I Thank You ist und bleibt ein Übersong. Stutzig macht allerdings, dass ZZ TOP die Nummer erst 1979 auf "Degüello" veröffentlichten, wann könnte also die Version der BatRacers entstanden sein? Eher vorher als nachher, denn das Gitarrenspiel orientiert sich nicht an Billy Gibbons' Version dieses von Isaac Hayes und David Porter für Sam & Dave geschriebenen Gassenhauers. Eigentlich könnte man sich Cub Koda und BROWNSVILLE STATION für dieses I Thank You als Pate vorstellen, aber die haben den Song nie gespielt. Bill Rennie kräht sensationell und lässt ein paar Bass-Riffs vom Stapel, dass man schier umkippt, Mike Enright spielt eine Zaubergitarre mit heavy bluesig-psychedelischen Zitaten und sein Bruder (?) Jimmy Enright orgelt bzw. synthesizert beinahe so genial wie Edgar Winter dazwischen. Was für ein Song, was für eine sechseinhalbminütige Kraftanstrengung.
Und noch eine Assoziation: MOXY. Die kanadische Hard Rock Band klang ab 1977 und dem Album "Ridin' High" ähnlich lässig wie Pull The Trigger. Oder hat das was mit GODDO zu tun? Verdammich, diese komischen BatRacers sind dermaßen tief in den Siebzigern, dass man wirklich beinahe jede beliebige Band als Referenz nehmen könnte. Da freut man sich direkt über den Song Shayron, der kommt wenigstens als Bastard aus RUSH und THE KNACK, macht also kaum Probleme bei der Einordnung. Haha, ein Witzchen.

Auch wenn das alles nach Sammelsurium und komplettem Wirrwarr klingt, "Big Cash" wünscht man sich mit mindestens der doppelten Laufzeit, denn die Band BatRacers, wer auch immer sich dahinter verbirgt, ist/war fett. Man muss nur Seventies-Sound lieben, dann wird man dieser kleinen CD verfallen. Und man darf sich auch an der Aufklärung des Mysteriums beteiligen. Hat denn irgendeiner unserer Leser jemals etwas von der Band BatRacers gehört? Falls nicht: She Might Be in dreifacher Lautstärke hören und bis zur Besinnungslosigkeit abrocken!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 12.03.2010


 
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