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Radio Pandora

Plugged & Unplugged
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Unser Disclaimer
Radio Pandora - Plugged
Radio Pandora - Unplugged
Radio Pandora - Plugged & Unplugged, EMI Music, 2008
Werner Kopal Bass
Helmut Krumminga Gitarre
Michael Nass Tasteninstrumente
Wolfgang Niedecken Gesang
Jürgen Zöller Schlagzeug
Anne de Wolf Violine, Bratsche & Gesang
Gäste:
Rhani Krija Percussions
Sunniva Bondesson Backing Vocals & Mandoline
Stella Bondesson, Frank Hocker Backing Vocals
Greta Bondesson Backing Vocals & Slide-Banjo
Jo Steinebach Pedal Steel
Manfred Schoof Trompete
Louis Hofmann, Milan Hofmann, Carla Loose, Fay Manderfeld, Sina Sagemüller, Isis Niedecken & Jojo Niedecken Kinderchor
Länge: 72 Min 39 Sek (Plugged) & 70 Min 07 Sek (Unplugged) Medium: CD
"Plugged":
1. Prädestiniert8. Kron oder Turban
2. Hühr zo, Pandora9. Noh Gulu
3. Et ess, wie't ess10. Wa'ss loss met dä Stadt?
4. Diego Paz woor nüngzehn11. Musik, die nit stührt
5. Frankie un er12. Morje fröh doheim
6. Wat für e' Booch!13. Songs sinn Dräume
7. Wolf un Skorpion14. Für immer jung
"Unplugged":
1. Magdalena (weil Maria hatt ich schon)8. Frankie un er
2. Enn 'ner Naach wie der9. Morje fröh doheim
3. Kron oder Turban10. Noh Gulu
4. Señor11. Wa'ss loss met dä Stadt?
5. Hühr zo, Pandora12. Dä letzte Winter em letzte Kreech
6. Duude Bloome13. Songs sinn Dräume
7. Prädestiniert14. Jed Körnche Sand

Ich bin neu als Schreiber und muss feststellen, dass wir im Home of Rock noch nicht eine einzige BAP-Scheibe rezensiert haben. Das ist ein Unding, immerhin haben wir es bei BAP mit der Band zu tun, die die meisten deutschsprachigen Nummer-1-Alben gelandet hat. Und auch in ihrem 32. Jahr legen sie wieder eine Pole Position hin. Und das gleich mit zwei Alben parallel. Sicherlich mag man einwerfen, bei dem Werbeaufwand, den die Jungs betrieben haben, konnte das nicht ausbleiben. Ich denke aber nicht, dass dies der ausschließliche Grund ist. BAP ist einfach eine Institution in Deutschland - ob man sie nun mag oder nicht.

Nun hat man mit "Radio Pandora" ein Album in zwei Varianten aufgenommen. Das eine rockt (Plugged) und das andere rockt eben nicht rockt (Unplugged). Allerdings hat man die Scheiben nicht 1:1 gedoubelt, sondern lediglich 8 Stücke fanden in verschiedenen instrumentalen Versionen ihren Weg auf die beiden Alben. Und die betrachten wir als erstes und stellen sie gegenüber:

Prädestiniert: Eröffnet die Plugged-Scheibe mit dem inzwischen typischen Midtempo-BAP-Rock, dümpelt vor sich hin und ist kein richtiger Ear-Catcher. In der Unplugged-Version kommt das Lied durch die Keyboardeinsprengsel wesentlich flotter aus den Rillen, kann aber auch noch nicht wirklich vom Hocker reißen.
Höhr zo Pandora: Das Titelstück im "Leopardefell"-Stil (Anm.: 2. Soloscheibe von Wolfgang Niedecken) kann da mit gedämpfter Snare und dem netten Groove schon wesentlich mehr Punkte machen. Schöne Slideguitars und ein Mitgröhl-Refrain, das sind die neuen Stärken von BAP. Im Country-Style der Unplugged-Version versprüht es gleich noch einen ganz anderen Charme.
Frankie un er: Hat mit seiner bluesgetränkten Melancholie in der "lauten" Version den Schwermut der Story sehr gut umgesetzt. Kommt in der "leisen" Version nicht ganz so traurig daher und ist mit Akkordeon und ohne Schlagzeug eher etwas fürs Lagerfeuer.
Kron oder Turban: Das Lied für Toleranz unter den Religionen ist wieder eines von diesen "LaLa"-Liedern. Bleibt aber mit dem hookigen Refrain im Kopf hängen. Hätte durchaus auch auf der "Comics & Pin-Ups" im Jahr 2000 seinen Platz gehabt. Wirkt in der Unplugged-Version nicht ganz so dicht, dadurch aber auch nicht schlechter, und kann mit einer schönen Solo-Geige aufwarten.
Noh Gulu: Egal ob plugged oder unplugged, es kann in keiner der beiden Varianten der bekannten Live-Version das Wasser reichen. Diese kommt einfach nur drückend, schwerfällig, fast schon böse von der Bühne. Textlich ist es wohl das ernsteste Lied der ganzen Scheibe, weil es die Erlebnisse von Wolfgang Niedecken in Uganda thematisiert. Er hat Kinder kennen gelernt, die tagsüber in den Flüchtlingscamps wohnen und nachts zum Schlafen in die Stadt Gulu gehen, um von den Militärs nicht als Kindersoldaten entführt zu werden. Paradoxe Welt - erschreckend besungen. Die Live-Version kann man sich gegen ein kleines Spendengeld über folgenden Link downloaden - was ich auch empfehle, denn das lohnt sich wirklich gleich zweifach!
www.worldvision.de/news_niedecken-in-uganda.php
Wa'ss loss met dä Stadt: Der Blues für das New York nach 9/11. Egal, wie man es hört, man wartet darauf, dass es endlich losgeht, aber es schiebt sich wie ein schwerer Kran müde durch den Hudson River.
Morje fröh doheim: Die erste Trucker-Hymne der Kölner, flott und hitverdächtig und somit nicht umsonst die erste Singleauskopplung. Rauscht wie ein MAN über die Autobahn durch die Ohren. Schönes Lied, was auch akustisch flott durch die Gehörgänge flutscht und kleben bleibt. Ein echter Ohrwurm.
Songs sinn Dräume: Ein schöner Uptempo-Rocker und zum Träumen bestens geeignet. Dürfte auf jedem Soundtrack für die nächste Cabrio-Ausfahrt seinen Platz finden. Und darum geht es auch, nämlich dass Lieder die Gedanken auf Reisen schicken. Begleitet einen dabei auf der "lauten" Scheibe die Gitarre als Beifahrer, nimmt diesen Platz auf dem "leisen" Silberling das Klavier ein. Eine traumhafte Melodie mit der Sehnsucht nach dem Horizont. Klasse in beiden Versionen.

Und ansonsten? Für mich herausragend auf der "Pandora Plugged" ist neben Noh Gulu noch die Ode an den Falkland-Veteranen Diego Pänz (wohr nüngzehn), die im La Grange-Boogie-Style das beste Rockstück seit der neuen BAP-Besetzung abgibt. Rockorgel und ein geiles Gitarrensolo machen die Nummer zu einem echten Highlight. Wat für e' Booch steht dem in nichts nach und besticht ebenfalls durch den rockigen Zwischenteil.
Musik, die nit stührt wendet sich in rockiger Manier an die seichten Radioberieselungssongs, die einem dann von einer peruanischen Panflöten-Combo auch noch in der Fußgängerzone entgegen getrötet werden. Verlernt haben BAP das Rocken nicht, lassen es aber leider zu wenig richtig abgehen.
Auf der "Pandora Unplugged" zeigt man sich vielfältig und erstaunlicherweise nicht zwingend mit angezogener Handbremse. Ob im spanisch angehauchten Senor, der Country-Dylan-mäßigen Duude Bloome-Nummer (einem STONES-Cover), der Familiengeschichte in Der letzte Winter em letzte Kreech mit viel Violine und Steelguitar, oder dem Rausschmeißer Jed Körnche Sand, langweilig wird auch die akustische Scheibe nicht.
Alles in allem scheint man den Weg aus Post-Major-Ära gefunden zu haben. Die Herren Krumminga, Nass und Niedecken haben dem alten Schiff BAP einen neuen Anstrich verpasst und nehmen Kurs in die Zukunft. Dass die Lieder auch schon live funktionieren, durfte ich bei der CD-Präsentation in der Essener Lichtburg selbst erleben. Nur neue Songs - kein Verdamp lang her - und die Stimmung ging trotzdem steil.

Ob es nun Sinn macht, die Songs auf diese Art und Weise zu veröffentlichen, oder ob es nicht auch nur eine Scheibe getan hätte, ob man sie beide braucht ... schwer zu sagen. Als BAP-Fan wird man eh beide Versionen kaufen (und wahrscheinlich auch noch die dreifach Vinyl-Ausgabe), als BAP-Kritiker wird man sich mit beiden schwer tun, und um Neueinsteigern die Band ans Herz zu legen wäre ein Querschnitt aus beiden Alben gut und zu empfehlen.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 31.07.2008

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