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Piktors Verwandlungen

(Hermann Hesse)
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Tempus Fugit
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InsideOut Music
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All Music Guide (englisch)

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Piktors Verwandlungen
Piktors Verwandlungen, Tempus Fugit/InsideOut Music, 2008 (1981)
Harald Bareth Sprache, Bass, Gesang
Uwe Karpa Gitarre
Matthias Ulmer Tasteninstrumente, Gesang
Kono Konopik Schlagzeug
Produziert von: Anyone's Daughter Länge: 63 Min 38 Sek Medium: CD
1. Piktor9. Sehnsucht
2. Erstes Vorspiel10. Vierter Teil der Erzählung
3. Erster Teil der Erzählung11. Piktoria, Viktoria
4. Purpur12. Fünfter Teil der Erzählung
5. Zweites Vorspiel13. Der Doppelstern
6. Zweiter Teil der ErzählungBonus Track:
7. Der Baum14. Piktors Verwandlungen (Demo 1977/78)
8. Dritter Teil der Erzählung

Gelegentlich rieselt es zwischen den alten Vinylbeständen und mit leiser, analoger Wärme verschaffen sich tot geglaubte Schätzchen den Zugang in den CD-Player - natürlich digital aufgefrischt und mit einem Bonus Track versehen (den meistens keiner außer den Hardcore-Fans braucht).
"Piktors Verwandlungen" war die erfolgreichste Platte der schwäbischen Artrock-Wegbereiter ANYONE'S DAUGHTER. Und es war die erste Scheibe, die die Band, trotz zweier erfolgreicher Alben vorher, selbst finanzieren musste, weil die Plattenfirma nicht an den Erfolg einer deutschen Lyrik-Vertonung glaubte. So gesehen hat sich an der Firmenpolitik im Biz nicht viel geändert. Allerdings: Die Plattenfirma gibt es nicht mehr, dafür aber die Band!

Schon 1977 waren die ersten Demos im Proberaum entstanden, aber erst nach vielen Live-Auftritten wagten es die Musiker 1981 das Werk als Mitschnitt auf Vinyl zu bannen. Bassist und Sänger Harald Bareth hatte die eher unbekannte Geschichte Hermann Hesses sozusagen aus der Mülltonne der deutschen Lyrik gezogen und damit eine kleine Lawine von Poesie-Rock losgetreten. Der Rezensent erinnert sich noch ganz gut an die Zeit als plötzlich alle Hinterhofbands auf Lyrik-Vertonung machten - die einen besser, die anderen, na ja...
Jedenfalls trafen ANYONE'S DAUGHTER mit "Piktors Verwandlungen" ziemlich genau den Nerv der friedensbewegten Oberstufenpennäler, die damals im einheitlichen Outfit von Parka, Palästinensertuch und selbst gestrickten Pullis zu 90% die Konzerte der Band bevölkerten. Und die waren aufgrund eingehender Lektüre von Hesses "Steppenwolf" und "Glasperlenspiel" oder Kafkas "Verwandlung" auch wirklich in der Lage, über eine Stunde der Mischung aus Lyrik und sphärische Klängen, unterbrochen von ein bisschen losgelöstem Artrock (wie YES in den Anfängen) zu lauschen - kein Bedürfnis nach Party oder Headbanging! Nein, das Publikum war tatsächlich so gelagert, dass es mit ein bisschen was zu trinken und zu rauchen (aha!) der Band auf den Märchentripp folgte.

Manches klingt ganz schön naiv für heutige Ohren und gerade der Bonus Track aus dem Probenkeller der Band leidet zudem an den unzulänglichen technischen Möglichkeiten der 70er Jahre (aufgenommen auf einem 4-Spur-Kassettendeck). Aber der kreative Umgang mit Keyboard- und Gitarrensounds ist bis heute noch unerreicht. Da haben ANYONE'S DAUGHTER und so manche andere Band der 70er großartiges geleistet.
Zum 30jährigen Jubiläum findet der Fan als Beigabe der limitierten Auflage übrigens auch ein verkleinertes Konzertplakat - genau das gleiche Motiv, wie es damals im Büro einer Sachbearbeiterin meiner örtlichen Krankenkasse hing...

Die Jahre überdauert hat die Message des Stücks: Der Wunsch nach Veränderung/Verwandlung und die Frage nach dem Sinn hinter dem Sinn. Da wird der Altmeister Hesse auch so schnell nicht aus der Mode kommen. ANYONE'S DAUGHTER jedenfalls ist demnächst wieder on tour und wird Piktor wieder live on stage bringen. Lassen wir uns überraschen.

Volker Gruch, (Artikelliste), 11.12.2008

Noch eine Anmerkung aus München. Volker hat sehr treffend die "friedensbewegten Oberstufenpennäler" und den herrschenden Zeitgeist beschrieben. Drei Jahrzehnte später gilt meine persönliche Einschätzung von damals immer noch: Hätten die Kerle auch mal Bukowski gelesen und beispielsweise AC/DC gehört, hätten sie sich nicht in sinnlosen Diskussionen über ihre Schülermitverwaltung verloren und ihren elitären Status anders als mit "Jute statt Plastik" propagiert sondern richtig auf die Pauke gehauen, wäre in den unheilvollen Achtzigern womöglich vieles anders gelaufen. Träumen wir mal in aller Naivität davon, dass vielleicht sogar Helmut Kohl hätte verhindert werden können.
Im Jahr 2008 wurde endlos über das Jubiläum der 68er gesprochen, es wurden Thesen und Antithesen zuhauf angestellt, Fakt ist aber, dass die 68er-Generation unser aller Leben (zumeist) positiv beeinflusst hat, von der Oberstufe 10 Jahre später ist nichts, gar nichts geblieben. Mit Bands wie ANYONE'S DAUGHTER war nämlich durchaus Party zu machen, ich konnte sie zwei mal (?) im Münchner Theatron live erleben (es muss irgendwann zwischen 1980 und '83 gewesen sein) und war durchaus beeindruckt, nur das Publikum war schon viel zu sehr mit seiner Karriereplanung beschäftigt, als dass es noch hätte Spaß haben können. Folgerichtig wurden alle diese Bands kurz darauf von den Neuen Deutschen Welle hinweggefegt. Manche sind heute wieder zurück, über die Notwendigkeit darf diskutiert werden - aber nicht mit Leuten im Parka!

Fred Schmidtlein, 12.12.2008

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