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| Runnin' Wild, Roadrunner Records, 2007/2008 |
| Joel O'Keeffe |
Vocals & Lead Guitar |
| David Roads |
Guitar & Backing Vocals |
| Justin Street |
Bass & Backing Vocals |
| Ryan O'Keeffe |
Drums |
| Produziert von: Bob Marlette |
Länge: 37 Min 47 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Stand Up For Rock'n'Roll | 7. What's Eatin' You |
| 2. Runnin' Wild | 8. Girls In Black |
| 3. Too Much, Too Young, Too Fast | 9. Cheap Wine & Cheaper Women |
| 4. Diamond In The Rough | 10. Heartbreaker |
| 5. Fat City | 11. Hellfire |
| 6. Blackjack | |
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Neulich in einem Büro voller jungdynamischer Menschen: "Was hörst du denn da auf deinem Handy?" "Ach, ne australische Hardrockband." "AC/DC?" "Ne, jünger, aber ähnlich." "Darf ich mal hören?" "Mach nur, ich hol mir derweil nen Latte."
(In Büros mit jungdynamischen Menschen trinkt man keinen banalen Kaffee und man hört aus Gründen der Konzentration Musik - oder man hört Musik aus dem im Handy integrierten MP3-Player, um die anderen jungdynamischen Menschen nicht bei ihren zwanghaften Dynamikversuchen vor dem Kaffeeautomaten hören zu müssen.)
Fünf Minuten später. Das Telefon liegt erwartungsgemäß verlassen auf dem Tisch, der junge Dynamikheld sitzt längst wieder vor seinem Bildschirm und hört seine House-Musik, nickt aber freundlich und meint: "Kenn ich, die sind auf 'Need for speed' drauf." Aha. Nun weiß ein nicht mehr ganz so dynamischer Vierziger selbstverständlich nicht, wer oder was ein "Need for Speed" sein könnte, aber in Zeiten grenzenloser Information genügt ein Blick zu Wikipedia. Playstation, Xbox, Wii, Nintendo, Rennspiel. Tststs, was diese jungen Dynamiker so in ihrer Freizeit treiben…
Andererseits, wenn auf diesen Spielen solche Musik als Soundtrack drauf ist, kann es ganz so schlimm nicht sein mit dem Untergang des Boogielandes. Passt ja auch im Grunde, wer möchte nicht zu einem Haudraufundschlagmichtotfetzer wie Blackjack mit 268 mph die Kurve kratzen, um in die Stadt zu kommen, in der es Cheap Wine & Cheaper Women gibt? Roaaaaar, krawumm, Vollgas.
Es geht um die junge Band AIRBOURNE aus Melbourne (man beachte diese wundervolle Phonetik!). Die geistert schon einige Zeit durch den Gerüchtedschungel und die ganz beinharten Rocker besitzen die Scheibe seit Monaten. Die haben auch die erste EP aus dem Jahr 2004 und fabulieren seitdem hartnäckig von DEN legitimen AC/DC-Erben. Der gelassenere Althörer winkt ab und wirft mahnend zum Beispiel die CASANOVAS in den Ring, weil DIE doch die legitimen Erben sind und ebenfalls aus Melbourne kommen. Also wer nun? Eine Erbengemeinschaft?
Letztlich ist die Sache simpel. Australien wird bis ins nächste Jahrtausend in regelmäßigen Abständen Bands hervorbringen, die so sicher wie der Koala nur Eukalyptus frisst genau diesen hart rockenden, vom Blues und Chuck Berry beeinflussten Boogie'n'Roll produzieren. Und da werden immer mal Hochkaräter wie A. und C. (höhö, ein Anagramm) oder in der Vergangenheit die ANGELS (FROM ANGEL CITY), KINGS OF THE SUN, die frühen COLD CHISEL oder die spätsteinzeitlichen BUSTER BROWN dabei sein. Denen sind übrigens die Herren Rudd (Trommler, und seit einiger Zeit bei den Herren Young beschäftigt) und Anderson, Angry entsprungen. Den kennt man als Lakai von Tina Turner in "Mad Max 3". Und woher noch? Das Alter…
AIRBOURNE und THE CASANOVAS verbindet nicht nur Herkunft und Liebe zu tief hängenden Gitarren, auch die Odyssee durchs Rock'n'Roll-Business ähnelt sich. Zuerst ein mehr oder weniger selbst finanziertes Erstlingswerk, dann kleinere Erfolge im heimischen Club-Zirkus, gesteigerte Aktivität in den U.S.A., und viel viel später endlich Aufmerksamkeit von europäischen Labels und eine inzwischen wenigstens halbwegs funktionierende Promotionarbeit für das Ende Mai dieses Jahres endlich bei uns erscheinende Plättchen. Warum sind hiesige Firmen bei solchen Knallerbands eigentlich immer so dröge? Und warum haben Capitol Records AIRBOURNE noch vor der Veröffentlichung von "Runnin' Wild" rausgeschmissen? Lauter Strategen, jungdynamische vermutlich.
Dröge ist übrigens auch das Intro dieser Scheibe, aber das dient nur zur Verwirrung, weil nach exakt 55 Sekunden der Befehl Stand Up For Rock'n'Roll erschallt. Die nächste halbe Stunde sitzt garantiert niemand mehr.
Die zu hörende Musik ist vielseitig. Da wären auf der einen Seite Nummern aus der Ära "Back In Black" und auf der anderen Songs aus der "Highway To Hell"-Phase. Umfassender kann man die Rock & Roll Historie nicht aufarbeiten - vorausgesetzt man hat keine Vorliebe für EMERSON, LAKE & PALMER. Wer Kreischhals, Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Bass und Schlagzeug hat, braucht kein Keyboard. Und eigentlich auch keinen Bob Marlette als Produzenten (u. a. Ozzy und Halford), aber der hat in diesem Fall wirklich ganze Arbeit geleistet. So einen vollfetten Sound hat man lange nicht gehört. Dass daneben ungefähr jeder Song auch von den großen Vorbildern sein könnte… sei's drum. Wir Riffsüchtigen gehen bei diesem Rhythmusdonner und einem solchen Sänger die Wand hoch, auch wenn wir genau wissen, dass hier jugendliche Diebe am Werk sind.
Der Schlagzeuger ist immer genau die entscheidenden drei Hundertstel vorne dran, sein Bruder kreischt hysterisch um das Känguru aufzuschrecken und es mit gezielten Saitenhieben zu erlegen, der Bassist fährt allerschwerstes Geschütz auf und zusammen sind AIRBOURNE ein Waffe. Und zwar nix Soft-Air, hier wird mit der Abrissbirne gekegelt.
Grundsätzlich kann man nach 30 Sekunden jeden Song mitbrüllen, man kann sich aber auch einfach nur das Resthirn aus dem Hinterkopf schütteln, oder man ordert Zugtickets und Eintrittskarten für diese Shows:
02.06.2008, Berlin, Magnet
07.06., Rock Am Ring
08.06., Rock Im Park
23.06., Hamburg, Molotow
31.07., Wacken Open Air
Wir fassen zusammen: AIRBOURNE haben mit ihrem Debut "Runnin' Wild" eine schweinegeile Hardrock'n'Boogie CD gemacht. Noch Fragen?
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