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Wicked Relish

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Wicked Relish
Wicked Relish Backside
Wicked Relish, Eigenvertrieb, 2001
Servet Fidan Lead Vocals
Brian Ferrero Guitars
Mike Villasenor Electric Piano, Organ
Gabriel Rueda Bass
Al Rueda Drums
Produziert von: Wicked Relish Länge: 17 Min 17 Sek Medium: 4-Track-CD
1. A Good Day3. Whirlwind
2. Cold Stone4. Rip & Tear

Als 1990 die BLACK CROWES mit riesigem Mediengedöns den Rock & Roll angeblich neu erfanden, war das für unsereins natürlich super. Nur leider waren ein paar kleine Fehler im System. Erstens war die Musik mitnichten neu und außerdem reichte es letztendlich nur zu zwei wirklich tollen Platten. Dann trat Stillstand ein. Das kann man wörtlich nehmen, denn was die Krähen auf CD und auch teilweise auf der Bühne lieferten, war pure Langeweile. Gänzlich albern war überdies die "fuck the commerce"-Attitüde der Band. Mit gut 3 Millionen verkauften Debutalben zeigt man locker mal den Mittelfinger.
Trotzdem, in ihren guten Momenten waren die Crowes eine wahnsinnige Band. Und wer ein bisschen älter ist, kennt auch die Wurzeln dieser Musik. Nur ein paar Namen: FACES, STEVE MARRIOTT, LED ZEPPELIN, AEROSMITH (deren Comeback ab 1985 für mich fast wichtiger war) und all die anderen.

2002 ist diese Musik längst wieder im Untergrund verschwunden, nicht mehr hip und schick und von 3 Millionen kann eine echte Rock & Roll Band nur träumen (natürlich von einigen Superstars abgesehen).
Doch plötzlich kommt mir ein 4-Track-Demo aus Cypress, California (ein Vorort von Los Angeles) auf den Tisch. Und plötzlich gibt es wieder eine Band, die diesen kochendheißen, dampfenden, schwitzenden, southern, funky, bluesy, soulful Hard Rock spielt. Ach was, spielen, sie knallen ihn raus.

WICKED RELISH heißen sie. Und es ist eine "böse Gewürzmischung".
Der junge Fünfer packt in knapp 20 Minuten alles in den Kochtopf, was dem Rocker beim Essen den Schweiß auf die Stirn treibt.
Seit Tagen habe ich die kleine Scheibe im Player und es tritt keinerlei Abnutzung ein. Was heißt das? Ganz einfach! Zu den oben genannten Attributen kommt gutes Songwriting. Soll bedeuten: Es reicht nicht, nur die Muskeln spielen zu lassen (wie es die Crowes beispielsweise auf "By Your Side" 1999 machten). Gerade bei dieser Art von Musik braucht man für einen langfristigen Hörspaß gelungene Kompositionen, sonst wird es ganz schnell langweilig. Denn, geniale (alte) Songs gibt es genug. Da braucht man keine drittklassigen Neuauflagen.

Und dann legen sie los. Heavy Gitarrenintro und schon kommt sie, die Orgel. Der schöne warme Hammond-Sound.
Hat Sänger Servet Fidan ein Problem? Er kräht genau wie Chris R. Böse Zungen könnten von Kopie sprechen. Blödsinn! So eine Stimme kann man nicht kopieren. Die hat man oder eben nicht. Und wer sie hat hat kein Problem.
A Good Day ist als Opener perfekt. Sollte auch live so sein. Damit hat die Band die Rocker sofort auf ihrer Seite.

Dramaturgisch optimal kommt Cold Stone. Etwas verhalten beginnend und dann von der mächtigen Gitarre davongetragen in die Weiten des Heavy-Funk-Blues-Jam und wieder eingefangen vom Piano.

Bodenständig dann Whirlwind. Ein kleines Gebrauchtsolo zu Beginn (Klarstellung: auch zu Zeiten von "A Nod Is As Good As A Wink..." war das schon aus mindestens zweiter Hand - aber Oldtimer sind einfach wunderschön), dann kommen 4 Minuten klassischer Rock & Roll-Groove. Tolle Power, tolle Gitarre, toller Gesang.

Letzte Nummer vor der Repeat-Taste ist Rip & Tear.
Meine Herrschaften, meint Ihr etwa, ich höre es nicht? Bei Minute 2:40 versucht Ihr mir ein kleines Jimmy Page-Akustik-Intermezzo unterzujubeln. Erwischt!
Ansonsten geht die Nummer dermaßen ab, dass es wirklich eine Freude ist. Seit HUMBLE PIE hat man so viel Soul im Rock nicht mehr oft gehört.

Auf der Homepage der Band gibt es diese und einige neue Songs zu hören. Unbedingt machen! Diese Jungs sind heiß und wenn nicht alles schief läuft, haben wir hier eine echte Sensation entdeckt. Good luck und schickt uns ganz schnell Euer komplettes Album!

P.S.: WICKED RELISH haben, analog zu den Crowes, auch ein Brüderpaar in der Band. Al und Gabriel Rueda heißen die hier. Im Gegensatz zu den spinnerten Robinsons sind die zwei für Bass und Drums zuständig und die halten eine Band bekanntlich zusammen.

Fred Schmidtlein , (Impressum, Artikelliste), 01.11.2002

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