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Live - In The Still Of The Night

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Live - In The Still Of The Night
Live - In The Still Of The Night, AFM Records/Soulfood, 2005
David Coverdale Vocals
Doug Aldrich Guitars
Reb Beach Guitars
Marco Mendoza Bass
Timothy Drury Keyboards
Tommy Aldridge Drums
Länge: ca. 110 Min Medium: DVD
1. Burn9. Cryin' In The Rain
2. Bad Boys10. Ain't No Love In The Heart Of The City
3. Love Ain't No Stranger11. Don't Break My Heart Again
4. Ready An' Willing12. Fool For Your Lovin'
5. Is This Love?13. Here I Go Again
6. Give Me All Your Love14. Take Me With You
7. Judgement Day15. Still Of The Night
8. Snake Dance

"Live - In The Still Of The Night" sollte ursprünglich "The Rock & Roll Rhythm & Blues Show" heißen. Lieber Herr Gesangsverein, das wäre eine der blödesten Anmaßungen der Musikgeschichte gewesen. Als ob man David Coverdale seit der zwangsweisen Demission des zweitbesten Gitarrenduos der Welt (aufmerksame Leser wissen, dass das beste Gespann der Welt aus Schwaben kommt), spätestens aber seit "1987" den Rock & Roll und gar den Rhythm & Blues noch abnehmen würde. Die Poser-Metal Inkarnationen seiner diversen WHITESNAKEs seither waren generell des gemeinen Boogie aus Moody/Marsden-Zeiten unverdächtig und konnten bestenfalls bei Friseurweltmeisterschaften überzeugen. Dann kam die Abschiedstour, die Ich-bin-wieder-da-Tour folgte und jetzt eben die R&R und R&B Anbiederungstour. An den Gitarren die beiden Grundsatz-Bluesologen Doug Aldrich und Reb Beach, am Bass Marco Mendoza, ebenfalls bekannt aus vielen puristischen R&B Bands, und als Krönung, der sich allzeit selbst beschränkende Charlie Watts des Heavy Metal, Tommy Aldridge. Tut mir leid, aber so was kann man nur mit Ironie abtun.
Wenigstens sind keine Saitenungeheuer wie Steve Vai mehr dabei und unser Covergirl bemüht sich immerhin um eine gewisse Glaubwürdigkeit in Punkto Optik und Setlist - die Mikroständer-Phallus-Machospielchen sind glücklicherweise auch großteils verschwunden.

Keine guten Voraussetzungen für die DVD, wenn sie von einem Fan der allerersten WHITESNAKE-Stunde besprochen werden soll. Und tatsächlich, direkt der Opener Burn bestätigt alle Vorurteile. Aldrich und Beach fudeln wie die Berserker ihre 126.000 Noten pro Minute herunter, Aldridge fuchtelt und trampelt das Ding auf den Toms und Bassdrums zu Tode, Coverdale schreit sich die Lunge aus dem Hals und ist doch dreißig Jahre älter geworden und Keyboarder Timothy Drury packt den Kleistereimer aus. Hatte auch irgend jemand außer ein paar verträumten alten Säcken eine gefühlvolle Neuinterpretation des Klassikers erwartet?
Aber Moment mal. Warum schüttelt der Rezensent plötzlich den Kopf? Wer stampft da mit den Beinen? Was ist das hier überhaupt? Denkt man sich mal den vergilbten DEEP PURPLE Glorienschein weg, ist dieses Burn eine hammerharte Vollgasnummer ohne Verschleißerscheinungen. Hoppla, haben wir uns etwa geirrt? Sind diese WHITESNAKE tatsächlich ernst zu nehmen? Quatsch, oder?

Machen wir es uns nicht zu leicht. WHITESNAKE kann und wird nie mehr sein was es mal war. Eine DVD dieser Band wird heutzutage standesgemäß mit 26 Kameras im bumsvollen Hammersmith Apollo aufgenommen (die meisten Publikumsshots kommen schwarz/weiß und sind gnädig zu den leicht angejahrten Blondinen in den ersten Reihen - die von Bier geformten Körper der Kerle werden allerdings entlarvend dargestellt) und Zurückhaltung kann man in technischer und spielerischer Hinsicht demzufolge nicht erwarten. Da wird geprotzt und geklotzt, Nummern wie Ain't No Love In The Heart Of The City klingen unnatürlich aufgeblasen (trotzdem singt das Publikum so ergriffen mit wie weiland am 23. November 1978 an gleicher Stelle, nachzuhören natürlich auf "Live... In The Heart Of The City"), Is This Love? ist nach wie vor ein grässlicher Schmachtfetzen und Ready An' Willing kann nicht mehr so tödlich-juvenil rocken wie damals, knallt dennoch sensationell. Ja, für eine reine Retroshow ist das durchaus beeindruckend. Fool For Your Lovin' beispielsweise fräst sich gefährlich ins Ohr, Beach und Aldrich kommen dem Original verdammt nahe.
Apropos Aldrich. Der versucht ein paar Mal, sich einem Steve Morse anzunähern und scheitert dabei zwangsläufig. Aber für einen astreinen Hardrocker mit ausreichenden Slide-Kenntnissen reicht es allemal. Hut ab! Im Zusammenspiel mit Muskelmann Beach (der verschiedentlich einen etwas gewöhnungsbedürftigen Verzerrereffekt verwendet) macht er Here I Go Again wieder zu dem was es vor "1987" war: Eine sehr geile Rocknummer. Und erst Take Me With You. Auch wenn es um einen winzigen Tick zu schnell gespielt wird, so grandios giftig hat man WHITESNAKE seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen (der junge Mensch unter uns noch nie).
Die Soloorgien halten sich übrigens in Grenzen, außer Aldrich und dem obligatorischen Showdrumming Aldridges nerven keine sinnlosen Geplänkel (man denkt schaudernd an die endlosen Darbietungen zu Beginn der Achtziger, als die Hälfte der Spieldauer zur Onanie verkam und sogar Wine, Women And Song von Jon Lord verbaselt wurde).

Jetzt haben wir also zwei WHITESNAKE-Coverbands, M3 und eben die Coverdale'sche Version. Kreativ sind beide nicht, welche die bessere, ehrlichere und authentischere ist, muss der Kunde entscheiden. David Coverdale hat mit dieser DVD auf jeden Fall deutlich mehr zustande gebracht, als man (ich) ihm zugetraut hätte. Auch wenn D.C. in den letzten zwei Jahrzehnten viel Kredit verspielt hat, so sympathischen Hardrock wie hier hört man nicht oft. Noch mal Hut ab! Dafür kriegt der Sänger heutzutage von den Damen auch Blumen überreicht und keine Slips mehr zugeworfen. Nun ja. Außerdem bleibt abzuwarten, ob die Band Bestand haben wird und ob jemals neues Material geschrieben wird.
Auf der Besprechungs-DVD ist der Sound nur in Stereo abrufbar. Mächtig druckvoll. Auf der Kaufversion wird natürlich 5.1 zu finden sein und das dürfte noch eindrucksvoller sein. Außerdem wird es eine Doppel-CD gleichen Inhalts für die Fernsehverweigerer geben.
VÖ-Termin ist der 25. November 2005.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.10.2005

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