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Cencerro Blanco

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Cencerro Blanco
Cencerro Blanco, Outside Music, 2004
Clem Singin' & Guitar
Sarge Singin' & Hittin'
Hollis Guitar
Jesse Organ, Piano
Jessup H. Christ Guitar, Singin'
The Cousin Who Hath No Name Guitar
Bubba Bass, Singin'
Chainsaw Charlie Chainsaw, CB Radio
Mudflap Drums, Spirit Guidin'
Bunny Singin'
Länge: 45 Min 50 Sek Medium: CD
1. Cowbell Intro7. Monster Railroad
2. Shot A Gamblin' Man8. Packin' My Bags
3. Cheerleader9. San Antone
4. Put The South In Your Mouth10. Ole Glory
5. Cencerro Blanco / Wyle E. Peyote / Cencerro Blanco (Slight Return)11. Rollin' High Rider
6. Southern Grace12. Black Mountain Top

Verrückte! Ganz eindeutig haben diese Vögel aus Kanada nicht alle Drähte richtig verkabelt. Ich meine, wer Oklahoma im Namen trägt, dafür aber aus Toronto kommt, wer einen seiner 4 (!!) Gitarristen Jessup H. Christ tauft, wer, wie Bandchef Clem, die gleichen Lieblingsplatten hat wie ich (von "Still Alive And Well" von Johnny Winter zu HUMBLE PIEs "Smokin'" bis QUOs "On The Level" oder "Flirtin' With Disaster" von HATCHET, "Eat A Peach" von den ALLMAN BROTHERS liebt, über Ronnie James Dio sagt "What a wholesome little troll he is" und Blackmore für seinen Mittelalter-Dreck beschimpft) und wer ZZ TOP nach "Degüello" als nicht mehr existent betrachtet... Komm her, Brother, und lass Dich küssen! Oder doch lieber auf sieben Bier einladen, man knutscht ja nicht mit jedem.

Bitter für Freunde traditioneller Klänge ist, dass WCO auch noch gnadenlosen Southern-Sex'n'Roll-Hardrock-Boogie spielen und gewissermaßen die New Wave of Southern Rock darstellen. Gitarren hier, Gitarren da, Gitarren überall, Quentin Tarantino meets Dusty Hill Jr. im Last Chance Saloon und gemeinsam killen sie den altbackenen Southern-Bill im Morgengrauen zum Titelsong Cencerro Blanco.
Apropos Grauen, so manchem stolzen Cowboyhutträger wird es die Sprache verschlagen angesichts der textlichen Ergüsse auf "Cencerro Blanco". Da hilft aller Honky-Tonk nichts, WHITE COWBELL OKLAHOMA sind die Antithese zu allen verstaubten Hell-yeah-Vaterlandsverteidigern und schwerbewaffneten Bible-Belt-Faschisten.
Im Geiste sind sie wohl Punks, musikalisch jedoch ein Haufen phantastischer Typen, die den geliebten alten Stoff mit einer unglaublichen Portion Frechheit und Humor durch den Wolf drehen und mordsmäßig aufmischen. Dem wunderbaren Betts-/Allman-Style Gitarrensolo mitsamt Gesangseinlage eines Wunderweibs in Ole Glory folgt sogleich der ausgestreckte Mittelfinger in Form von Rollin' High Rider, das die Siebziger konterkariert und beweist, dass die alten Helden mindestens geistig tot sind und im Hier und Jetzt nichts mehr verloren haben, dafür aber White-Trash-Jungs inzwischen das Sagen haben.

Es ist nicht so, dass WCO Southern Rock neu definieren, es ist vielmehr so, dass all die Unverschämtheit (Put The South In Your Mouth, zum Toben witzig und obendrein ein maximaler Shuffle mit leckersten Gitarren), der ganze Klamauk, die überzogenen sexistischen Einlagen, der beizeiten eingestreute New-Rock-Alternative-Krach (aber immer kombiniert mit zweistimmigen Gitarrenleads, die alles andere als krachig klingen) und der ganze abgespacte Wirrwarr, dem vertrockneten Genre neues Leben verpassen und eine traumhafte Ausweichmöglichkeit für "offenohrige" Rockfans der Abteilung Southern-Stoner-Boogie-Hardrock bieten. HAWKWIND waren kurzzeitig eine geniale Band. Cheerleader ist eine geniale Psychedelic-Nummer. Kapiert?
Wenn eine unserer alten Bands heutzutage noch einen Song wie Southern Grace auf die Rolle kriegen würde, wir (die alten und gebrechlichen Southernrocker) würden auf den Knien zum Ort des Geschehens rutschen.

Give shit a chance, fuck around, have fun & enjoy WHITE COWBELL OKLAHOMA! Absolute Pflichtlektüre für Rockers, Rollers, Trinkers und alle anderen Lebenden.
Ach ja, das Cover ist von Bill Narum gemalt, und der hat die alten Alben von ZZ TOP illustriert.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.05.2005

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