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| In den Wahnsinn, WEA Records, 2002 |
| Marius Müller-Westernhagen |
Vocals, Acoustic Guitar, Harmonica |
| Kevin Bents |
Electric & Acoustic Guitar, Piano, Hammond, Wurlitzer, Omnicord, Accordion, Keyboards, Computer Sound Arrangements, Programming, Backing Vocals |
| Markus Winstroer |
Electric & Acoustic Guitar, Violin & Electric Violin, Electric Sitar |
| Martin Ditchman |
Drums, Toy Drums, Highland Snare, Percussion |
| Julian Crampton |
Bass, Double Bass |
| Friso Lücht |
Keyboards |
| Romney Müller-Westernhagen |
Background Vocals |
| Rüdiger Elze |
Electric Guitar (Die Liebe lebt & Wenn Du glaubst) |
| Produziert von: Kevin Bents & Marius Müller-Westernhagen |
Länge: 57 Min 40 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Es ist an der Zeit | 7. Genevieve |
| 2. Was du... | 8. Nureyev |
| 3. Die Liebe lebt | 9. Ein Blatt im Wind |
| 4. Böser Engel | 10. Wenn du glaubst |
| 5. Rosen | 11. Why don't you say your name |
| 6. Lichterloh | 12. Ist es das |
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Es gibt Menschen, die ich bitte immer in ihrem "Urzustand" sehen möchte. Götz George ist so einer. Schimanski ist Schimanski und da braucht man keinen intellektuell salbadernden Philosophen. Boris Becker gehört auch dazu. Bobbele soll auf kleine Bälle hauen und nicht klug "Äh, ähm, jaaa..." seiern. Oder Lothar Matthäus. Der soll einfach ganz ruhig sein.
Und auch Marius Müller-Westernhagen ist mir in seiner reinen Form am allerliebsten. Als rumprollender Rocker, der Dicke disst, mit Pfefferminz Prinzen küsst und zurück auf die Straße will und von Sex kräht. Was will das schmale Hemd auch anderes? Als gestandenen Biker nimmt man ihn nicht ernst, für einen Germanistikprofessor ist sein (Früh-)Werk zu derb (erste LP 1975, beste LPs 1978 bis 1981). Ja klar, er ist - neben Grönemeyer und Maffay - der bestverkaufteste deutsche Musiker in den letzten 15 Jahren. Was an sich ein Paradoxum ist. Denn er knallt dem Massenpublikum immer wieder ganz böse rockende Dinger um die Ohren. Also eben dem Publikum, das auch Phil Collins goutiert und zu Tina Turner pilgert. Dabei kann Marius doch so geil rocken. Hart, schmutzig, deftig, gnadenlos.
3 Jahre nach seinem Abschied nun also das "Comeback". Oh, ich habe Bedenken und Vorbehalte. Zu verschwurbelt waren mir seine letzten beiden CDs. Diese Versuche, deutsche Gegenwartskultur in Musik zu verpacken, waren mir zu vordergründig, zu krampfhaft bemüht. Westernhagen muss mir nicht beweisen, dass er nicht singen kann. Das weiß ich. Und wenn ich Dichtkunst will, dann greife ich ins Bücherregal.
So manchen Unfug verzapft MMW auch hier wieder. Genevieve (trotz witziger Musik), Ein Blatt im Wind, Die Liebe lebt oder Ist es das hätte sich der Mann im Armani Anzug sparen können. Aber es sind verblüffend wenige Ausrutscher auf dieser CD. Doch, klar, etliche Texte sind pure Wortonanie. Dafür überzeugt die Scheibe musikalisch ziemlich.
Wer braucht einen Text wie bei Nureyev? Westernhagen ist nicht schwul und deshalb klingt der Text völlig unglaubwürdig. Die Musik kracht aber ganz gewaltig.
Eine Sonderstellung nimmt Why don't you say your name? ein. Textlich völlig daneben. Eigentlich. Aber dann wieder. "Ich lieg' in meiner Kotze..." klingt eklig. Aber "...hat der Wahnsinn mich endlich eingeholt?". Schräge Industrial-Klänge, sägende NuRock-Gitarren. Und trotzdem Musik eines 50-jährigen Mannes. Hat Stil!
Es ist an der Zeit ist eh bereits ein Hit. Rock & Roll mit Schlager-Refrain. Sowas ist legitim. Haben Status Quo und Co. auch immer gemacht. Wirklich interessant wird es dann ab Song #2. Was du... tönt mächtig retro. Irgendwie kommt mir die Produktion wie früher Meat Loaf vor. Breitwand, opulent, popig und gegen Ende geil rockend. Schöne Rotzgitarre und plärrende Harp.
Genau wie Böser Engel. Fiddle, Gitarre und sauberes Gekrähe. So wollen wir Marius hören!
OK, wir müssen es akzeptieren. Ein Loch in der Tasche ist lang her. Kommt auch nicht wieder. Willi Wucher und Mit 18 ist auch vorbei. Aber da hat ein Mann mal wieder eine Platte gemacht, die nicht peinlich ist und zum größten Teil rockt. Vielleicht bringt Westernhagen so Spaß in manches Wohn- und Schlafzimmer.
Akzeptiert Marius! Obwohl Du mir lieber warst zu Zeiten, als Du mit Nick Woodland an der Gitarre in München das Schicki-Micki Publikum verarscht hast. Na ja, nächstes Jahr wirst Du ja wieder in den Stadien spielen. Vielleicht kriegt Nick ne Freikarte.
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