HoR Logo kl CD-Review:

Union

Live At The Galaxy

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Union > Live At The Galaxy

Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Mausoleum Records
Link Promotioncompany:
Indevent Promotion
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Live At The Galaxy
Live At The Galaxy, Mausoleum Records, 2005 (Cleopatra Records, 1999)
John Corabi Guitar & Vocals
Bruce Kulick Guitar & Vocals
Jamie Hunting Bass
Brent Fitz Drums
Länge: 70 Min 33 Sek Medium: CD
1. Old Man Wise8. Surrender
2. Around Again9. Pain Behind Your Eyes
3. Heavy D10. Power To The Music
4. Jungle11. Tangerine
5. Love (I Don't Need It Anymore)Bonus Acoustic Studio Tracks:
6. Man In The Moon12. October Morning Wind
7. I Walk Alone13. Hide Your Love Away

UNION wurden 1996 geboren um zu verlieren. Letztendlich eine grund- und sinnlose Band, bestehend aus klassischen Hilfsarbeitern und zwei Helden, die irgendwann meinten es geschafft zu haben. Bruce Kulick war 12 Jahre Gitarrenschwinger bei KISS, bis die ihm seine Wichtigkeit klar machten und ihn kurzerhand für den Dünnbrettbohrer, aber Gründungsmitglied und Dukatenesel, Ace Frehley zum Teufel jagten. Und der andere war John Corabi, der kurzzeitig und für eine verachtete CD Vince Neil bei MÖTLEY CRÜE ersetzen durfte. Über KISS und CRÜE darf man denken was man will, eines war bei denen immer klar: Für Geld tun sie alles. Und vor allem auf keinen Fall Rücksicht auf geheuerte Musiker nehmen.
Da standen also Corabi und Kulick anno '96 dumm da und wussten nicht anders weiter, als eben eine eigene Kapelle zu gründen. Kurz die gerade angesagten Trends gescannt, flugs Personal und Songs eingetrommelt und fertig war die vermeintliche Supergroup. Dumm nur, dass der gemeinte Trend soeben in Schall und Rauch aufgegangen war und kein Mensch mehr solche Mucke hören wollte. Schon gar nicht von zwei Kameraden, die vorher ausgerechnet bei KISS und CRÜE ihre Brötchen verdient hatten. Die beiden Leuchten hatten sich nämlich klugerweise eine Art von Spät-Grunge-Metal-Crossover als gewinnträchtiges Projekt ausgesucht. Das muss man sich mal vorstellen: Zwei Protagonisten, die den ungefähr verhasstesten Bands des Spacken-Rock entsprungen waren, wollten Glaubwürdigkeitspunkte bei den verwaisten Jüngern von Kurt Cobain sammeln. Poser go Seattle. Kopfschütteln allerorten und prompt rauschte die Debut-CD trotz allem Presserummel mit Krawumm und Tätärätätä den Orkus hinab. Die Scheibe traf wirklich absolut zielsicher KEINEN Fankreis. Die Grunger mussten sich ob der Namen übergeben, die Rocker bekamen von den schrägen Schraddeltönen Pickel. Dazu war die Scheibe auch noch inkonsequent und versuchte per kompositorischem Ausfallschritt beide Gruppen zu erreichen. Perfekte Strategie.
Um ehrlich zu sein, dass UNION ein Jahr später eine Live-CD und im Jahr 2000 eine weitere Studioplatte veröffentlichten, war mir völlig entgangen. Nicht nur in meinen Augen war die Band durch. Nicht zuletzt, weil die Toleranzzone im alten Jahrtausend für solche Experimente noch nicht flexibel genug gespannt war.
Jetzt veröffentlicht das belgische Label Mausoleum Records die 99er "Live At The Galaxy" nochmals und versucht die Schmerzgrenze auf ein Neues auszuloten.
Wohlan, sind wir eben williges Versuchsobjekt.

Um es direkt zu sagen, wirklich abnehmen kann man Corabi und Kulick ihr damaliges Baby bis heute nicht. Zu indifferent und stilverwirrt kommen die einzelnen Songs und zu konstruiert erscheinen viele Versatzstücke. Corabi beispielsweise ist sicher nicht der größte Sänger unter der kalifornischen Sonne, aber seine absichtlich auf falsch und schief getrimmten Screams bei manchen Nummern sind gradezu erbärmlich verlogen. Genau wie Kulicks tiefergestimmte Schrammeleien, denen er aber in Windeseile klassische Guitarhero-Taschenspielertricks folgen lässt, als ob er sagen wollte "Schaut her, ich kann es ja doch!". Freilich kann er es, wer hätte je daran gezweifelt, und dementsprechend erscheint diese Live-CD heute in einem völlig anderen Licht. Dem Licht des völlig normalen Heavyrock mit alternativen Einschlüssen nämlich.

Die erste Viertelstunde des Gigs schleppt sich zähflüssig und angeschrägt dahin, gibt dem Studiomaterial aber einen ganz neuen Anstrich. UNION beweisen sich als ziemlich kompakte Einheit und führen die leichtgewichtige Produktion ihres Debuts ad absurdum. Heavy Alternative Rock mit Wumms. Mit dem knappen Achtminüter Jungle, mitverfasst von KISS' Paul Stanley, gelingt ihnen anschließend sogar eine veritable Hypnose-Nummer. Zwischen den vorzüglichen Double Lead Gitarren stampft die Band in den Tiefen eines bösen Drogensongs umher und lässt die verfilzten Haare (im Fall von Corabi) wild propellern.
Doch dann zeigt die Kapelle ihr wahres Gesicht: Sie sind und bleiben Melodic-Rocker! Love (I Don't Need It Anymore) widmen sie Monica Lewinsky und legen dann einen wunderbaren Hit aufs Parkett. Corabi schreit diesmal in den richtigen Gefilden und zwischen Chorus-Solo-Chorus (bäh, was für eine spießige Songstruktur) blitzen die Möglichkeiten einer gestandenen Rockband auf. Geiler Song, den sie aber mit dem nächsten Opus Man In The Moon, wieder beinahe 8 Minuten lang, locker toppen. Das ist nichts anderes als eine Hymne, Kulick packt sogar das Slide-Röllchen aus und Corabi fordert das Publikum zu einer "Rock and Roll Party" auf. UNION sind also im stinknormalen Hard Rock angekommen. So so, wie verträgt sich denn die bemühte Attitüde mit banalem Rock & Roll?

Der Galaxy Club war offensichtlich nicht besonders groß und all zu viel Publikum ist zwischen den Nummern auch nicht zu hören, aber UNION verkörpern die Mechanismen des Stadionrock aufgrund ihrer Vergangenheit selbstverständlich völlig. Kulick feuert eine Salve nach der anderen ab, Corabi gesellt sich immer gern dazu und hinten schuften Schlagzeug und Bass schweißtreibend.
Natürlich wird auch eine Nummer von KISS gespielt. Damit es nicht zu auffällig wird, nehmen sie I Walk Alone von "Carnival Of Souls". Kulick hatte den Song seinerzeit mit Gene Simmons geschrieben und man sollte sich das Album durchaus noch mal anhören. "C.O.S." ist nämlich gar nicht so übel, wie es immer dargestellt wird.
Mit Surrender von CHEAP TRICK (!!!) schießen sie dann aber den Vogel ab. Ausgerechnet von den Erfindern des Gimmick-Rock'n'Pop leihen sich UNION einen Hit. Um diesen Fauxpas wenigstens halbwegs zu kaschieren, folgt das deutlich nach unten gestimmte Pain Behind Your Eyes. Doch auch hier wieder: Das Ding strotzt vor Melodie.
Nach diesen entlarvenden Mitgrölsongs tobt das Publikum. Man sieht einmal mehr, dass auch der alternativste Karohemdenträger gerne mal abfeiert.
Zum Abschluss gibt es noch Power To The Music von CRÜE - sehr angenehm übrigens, wenn man auf die Nervtöter Mars, Lee und Sixx verzichten kann und eine g-u-t-e Band hört - und das langweilige Tangerine vom Studioalbum. Kein guter Song, dafür darf Kulick zu Beginn ein Solo aus dem Angeberlehrbuch ablassen.

Weil es eine Wiederveröffentlichung ist, hat man noch zwei akustische Bonussongs dazugepackt. October Morning Wind ist eine hübsche Lagerfeuernummer und Hide Your Love Away von den BEATLES. Very Seattle, das...
Mangels Erfolg und Glaubwürdigkeit haben UNION sich alsbald getrennt (in Japan gab es 2005 wohl eine Re-Union) [billiges Wortspiel für einen Gag, nicht wahr?], Corabi verdingte sich allen Ernstes bei RATT und Kulick u.a. bei GRAND FUNK RAILROAD. Zurück bleiben drei Platten, von denen die beste hier völlig zu Recht neu aufgelegt wird.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.10.2005

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > CD-Reviews > Union > Live At The Galaxy

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum