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Wir kommen noch früh genug zu spät!

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Wir kommen noch früh genug zu spät!
Wir kommen noch früh genug zu spät!, Bellaphon, 2006
Joscha Gitarre, Gesang, Bass
Alex Schlagzeug
Produziert von: Joscha Schmottlach Länge: 41 Min 36 Sek Medium: CD
1. Nämlich wenn wir uns lieben (Radio Edit)8. Landplagen Minen
2. Ich muss jetzt gehen (Rock im Altersheim)9. Längst vergessene Träume
3. Lichterketten10. Warum so negativ
4. So wie damals11. Noch
5. Alles nur Worte (Radio Edit)12. Das Grauen kehrt zurück
6. Das Blaue vom Himmel13. Tiere suchen ein Zuhause (Demo)
7. Aufklärung14. Was mich nicht umhaut (Demo)

Entschuldigung bitte, was ist das? Fun-Punk ohne Fun? Polit-Punk für Grundschulabbrecher?
Was im Bandnamen und Albumtitel noch halbwegs originell klingt, wird in 40 Minuten Spielzeit zu einer Zumutung. Und das von einer Band, die seit 10 Jahren dabei ist und ihre bisherigen Platten irgendwie immer bei größeren Plattenfirmen untergebracht hat und gerne ihre Nähe zu den ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN betont. Man zweifelt an gewissen Marktregularien...

Musikalisch kann man den zwei Männern von ÜBERFLÜSSIG keine großen Vorwürfe machen. Ist halt rumpeliger Pop-Punk jenseits aller Anspruchsgrenzen, zum Teil sogar recht peppig hingezockt. Aber in den nölig vorgetragenen Texten rumpelt es genauso und das tut weh. Ölig-nölige Liebesliedchen, dröge-nölige Gesellschaftszustandsbeschreibungen, naiv-nölige Politik- und Sozialkritik ("Völkermord ist nicht gerecht...", herrjemine, die trauen sich ja nicht mal in den Bush zu pissen), brav-nölige Zeigefinger-Prosa, Tierschützerpillepalle und zu allem Überfluss noch ein Landminen-Protestsong. Die schlimmste Friedensdemo-Wanderklampfenkapelle hat in den Siebzigern nicht so nach Pfadfinderromantik geklungen.
ÜBERFLÜSSIG wollen P-U-N-K sein und zischeln ganz böse das Wörtchen Fascho vor sich hin. Das ist aber auch schon der wildeste Exzess, bis auf ein kleines "scheiße" zwischendurch. "Wir müssen nur die Mächtigen zwingen... und zwar sofort". So sieht sie aus, die Revolution im ÜBERFLÜSSIG-Universum. Himmel, die Burschen sind doch erwachsen und können die Dinge beim Namen nennen. Oder spricht die bürgerliche Kinderstube dagegen? Da wird nicht rumgerotzt, nicht geflucht und nicht geschimpft, nix bei den Eiern gepackt und schon gar nicht irgendwem in selbige getreten. Denen geht's eindeutig zu gut.

Humorfrei, bar jeder Ironie, kindlich, harmlos und so gefährlich wie ein Stützstrumpf. Ne, da greift der Schwarze Block lieber zu seinen alten STRASSENJUNGS-Platten und ignoriert das Vermummungsverbot. Oder hab ich das alles einfach nicht kapiert und hab selber keinen Humor? Auch gut, dann sei an dieser Stelle eben auf Wortspiele mit dem Bandnamen verzichtet.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.07.2006

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