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Tom Robinson Band:

Power In The Darkness

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Power In The Darkness
Power In The Darkness, EMI Harvest, 1977/'78
Tom Robinson Bass, Vocals
'Dolphin' Taylor Drums, Vocals
Danny Kustow Guitar, Vocals
Mark Ambler Organ, Piano
Produzent: Chris Thomas Länge: 61 Min 19 Sek Medium: LP
1. Up Against The Wall10. Power In The Darkness
2. Grey Cortina11. Don't Take No For An Answer
3. Too Good To Be True12. Martin
4. Ain't Gonna Take It13. (Sing If You're) Glad To Be Gay
5. Long Hot Summer14. Right On Sister
6. The Winter Of '7915. 2-4-6-8 Motorway
7. Man You Never Saw16. I Shall Be Released
8. Better Decide Which Side You're On17. I'm Allright Jack
9. You Gotta Survive

"We want rebel music, street music. Music that breaks down people's fear of one another. Crisis music. Now music. Music that knows who the real enemy is."
ROCK AGAINST RACISM. 1977

Nach vielen Jahren habe ich eine Platte wieder in die Hände bekommen, die wohl die meisten Rockhörer kennen, aber längst vergessen haben. Die erste Platte der Tom Robinson Band.

Ende 1977 war eine Nummer in den Charts, die richtig Spaß machte. "2-4-6-8 Motorway". Der junge Thomas Gottschalk spielte sie oft in seiner Sendung Pop nach 8 (wohlgemerkt Bayrischer Rundfunk).
Leider hatte Gottschalk auch schon damals keine Ahnung von Musik. Sonst hätte er die Single nicht penetrant als Punk angekündigt.
Aber er hat den Song immerhin gespielt. Heutzutage ist Tommy bekanntlich in den sanften Schoss der Altersweisheit geglitten. Sein Horizont endet spätestens bei No Milk Today. Dafür speichelt er sich ein, wenn Jennifer Lopez Arsch und Tittchen in seiner Sendung schwenkt. Obwohl, möglicherweise ist das der pure Neid meinerseits...

Ein paar Monate später (nach der Single, nicht nach der Lopez) kam dann das erste Album der Tom Robinson Band auf den Markt. Power In The Darkness.

Um gleich mal mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen. Die TRB hatte mit Punk genauso viel bzw. wenig zu tun wie Dutzende andere Bands aus dieser Zeit. Blondie, Greg Kihn Band, Dr. Feelgood, Ducks Deluxe, Ian Dury und all die anderen, die von ihren Companies als Punk verkauft wurden.
Die TRB war einfach eine Schnittmenge all dieser Bands, dazu noch eine Prise Kinks (vor allem wegen der typisch britischen, zynischen Texte), ein satter Schlag linker Gesinnung (und zwar keine sozialdemokratische im Sinne von Major oder Schröder), jede Menge praktizierter Kampf für Minderheiten (im Fall dieser LP lohnt es sich, mal den einen oder anderen Text zu lesen) und dazu das offene Bekenntnis zum Schwulsein.

Die Musik war weitgehend einfach und schnörkellos gehalten. Im weitesten Sinne kann man es als britischen Pub Rock bezeichnen. Immer wenn die Band versucht, ambitionierte Klänge in den Songs unterzubringen, wird's etwas eigenartig. Kommt aber nicht oft vor

Sofort mit dem Opener der Scheibe, "Up Against The Wall", wird klar um was es geht. Power-Pop mit einem "Stand up & fight"-Text. In der Band des Amerikaners Greg Kihn spielte zur gleichen Zeit ein Gitarrist namens Dave Carpender. Verblüffend, wie ähnlich Danny Kustow bei der TRB oft klingt.
"Grey Cortina" tönt ähnlich, nur mit Fun-Botschaft. Den Song kann ich mir x-mal hintereinander anhören. Wegen der herrlichen Drums. Simpel, simpler am fetzigsten. In der Art hat mich immer der Blondie-Drummer Clem Burke begeistert. Einfach, schnörkellos und irre schnell.

Nach einem eher unsinnigen Song folgt mit "Ain't Gonna Take It" wieder ein flotter Rocker. Nette Orgel gibt's dazu.
"Long Hot Summer" ist ein Füller.

"The Winter Of 79" würde ich allen Fleischmützen in ohrenbetäubender Lautstärke als Gehirnwäsche verpassen. Bis sie kotzen. Ein Song über neue und alte und überhaupt Faschos. Könnte man an den Drecksäcken aus Suhl ausprobieren, die grade vorgestern wieder einen Ausländer krankenhausreif getreten haben.

"The Man You Never Saw", "You Better Decide..." und "You Gotta Survive" haben auch eine Message, gehen aber musikalisch an mir vorbei. Agit-Power-Pop. Im zweiten Fall mit Ska-Einfluss. Nicht weiter erwähnenswert.

Dann kommt mit "Power In The Darkness" der wohl musikalisch ambitionierteste Song. Santana-Keyboards und Vocals. Und eine durchaus Santana-fähige Message. Geiler Song. "Freedom from Big Brother's interrogation - Freedom to live your own life...".

Die Originalausgabe der Platte bestand aus einer Doppel-LP. LP 2 enthielt 7 weitere Lieder. Seite 3 live. Und zwar mit verblüffend gutem Sound. Verblüffend, weil...siehe Thin Lizzy's 'Live & Dangerous' an anderer Stelle im Home of Rock.

Auf der Live-Seite bemerkenswert sind "Martin" und natürlich "(Sing If You're) Glad To Be Gay". Ersteres eine Geschichte über Martin (wie der Name vielleicht sagt). Muss man selber hören und übersetzen...
"Glad To Be Gay" ist und bleibt die ultimative Hymne. Trotz Marianne Rosenberg, Grace Jones, Village People, Jürgen Drews.

Auf Seite 4 dann endlich "2-4-6-8 Motorway". Einfach ein Mega-Pop-Song. Zum rumspringen, schreien und Spaß haben. Passt einfach nahtlos in die Reihe von "Black Betty", "God Save The Queen", "We Will Rock You", "Hit Me With You're Rhythm Stick" und "I Don't Like Mondays".

"I Shall Be Released" ist nichts weiter als ein Glaubensbekenntnis (Danke für den Ausdruck, Herr W.S. aus M.). Allerdings mit schönem Gitarrensolo.
"I'm Allright Jack" ist dann das Ende von 61 feinen Minuten Musik. Eine krachende Nummer. Mit gutem Willen könnte man das als Punk bezeichnen. Aber es ist viel zu gut gespielt um wirklich Punk zu sein.

Ich habe Tom Robinson nach dieser, ersten, LP aus den Augen verloren. Weiß aber, dass er bis heute aktiv ist. Nicht nur als Musiker, auch als Schauspieler und nach wie vor politisch. Die zweite LP der TRB wurde von Todd Rundgren produziert und hat mir auch jetzt, nach mehr als 20 Jahren, nicht gefallen. Durchschnittliche Musik ohne Höhepunkte.
Aber mit dieser Doppel-LP hat er zweifellos Geschichte geschrieben. Klar, es klingt heute etwas antiquiert. Schließlich gibt's viel drastischere Bands heutzutage. Wenn Marilyn Manson seine Gesinnung rausschreit, oder die Onkelz alles abstreiten. Ehrlicher, sympathischer und vor allem glaubhafter - weil ohne Kunstblut und aufgesetzter Korrektheit - erscheint mir Tom Robinson.
Interessanterweise ist bzw. war (?) Tom Robinson verheiratet (mit einer Frau). Vielleicht passt dazu seine '96er-CD "Having It Both Ways"?

"All of us - you, me, rock'n'rollers, punks, longhairs, dope smokers, squatters, students, unmarried mothers, prisoners, gays, the jobless, immigrants, gipsies - to stand aside is to take sides"
Tom Robinson, 1978.

Fred Schmidtlein (Impressum, Artikelliste), 12.03.2001

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