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| The Stooges & Fun House, Elektra/Rhino, 2005 (1969 & 1970) |
| Iggy Stooge/Iggy Pop |
Vocals |
| Ron Asheton |
Guitar |
| Dave Alexander |
Bass |
| Scott Asheton |
Drums |
| John Cale |
Viola (We Will Fall - "The Stooges") |
| Stephen MacKay |
Saxophones ("Fun House") |
| Produziert von: John Cale ("The Stooges"), Don Galluci ("Fun House") |
Länge: 77 Min 50 Sek & 110 Min 12 Sek |
Medium: DoCD |
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| "The Stooges": | |
| CD 1: | |
| 1. 1969 | 5. Real Cool Time |
| 2. I Wanna Be Your Dog | 6. Ann |
| 3. We Will Fall | 7. Not Right |
| 4. No Fun | 8. Little Doll |
| CD 2: | |
| 1. No Fun (Original John Cale Mix) | 6. I Wanna Be Your Dog (Alternate Vocal) |
| 2. 1969 (Original John Cale Mix) | 7. Not Right (Alternate Vocal) |
| 3. I Wanna Be Your Dog (Original John Cale Mix) | 8. Real Cool Time (Alternate Mix) |
| 4. Little Doll (Original John Cale Mix) | 9. Ann (Full Version) |
| 5. 1969 (Alternate Vocal) | 10. No Fun (Full Version) |
| "Fun House": | |
| CD 1: | |
| 1. Down On The Street | 5. 1970 |
| 2. Loose | 6. Fun House |
| 3. T.V. Eye | 7. L.A. Blues |
| 4. Dirt | |
| CD 2: | |
| 1. T.V. Eye (Takes 7 & 8) | 9. Slide (Slidin' The Blues) (Take 1) |
| 2. Loose (Demo) | 10. 1970 (Take 3) |
| 3. Loose (Take 2) | 11. Fun House (Take 2) |
| 4. Loose (Take 22) | 12. Fun House (Take 3) |
| 5. Lost In The Future (Take 1) | Bonus Single Mixes: |
| 6. Down On The Street (Take 1) | 13. Down On The Street |
| 7. Down On The Street (Take 8) | 14. 1970 |
| 8. Dirt (Take 4) | |
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Gehen wir mal wieder zurück in die Zeit, als Rockmusik noch das personifizierte Böse war. Als Väter wegen Krach im Kinderzimmer noch tobten und die Töchter wegen Hendrix und Jagger mindestens so hysterisch wurden wie heute - wenn der Papst seine reaktionären Parolen unters Millionenpublikum schleudert.
Rock'n'Roll hat längst seine subversive Gefährlichkeit verloren und ist heute im Prinzip nur noch gut, wenn die ausführenden Bands entweder anständig kopieren (und kopieren müssen sie, denn des ultimative Rock'n'Roll-Liedgut ist längst geschrieben und kann nur noch in Nuancen variiert werden) oder aus irgend einem anderen Grund richtig Spaß machen. Dem Langzeit-Rockfan bleiben drei Möglichkeiten, wenn er sich bis in die heutige Zeit mit Musik beschäftigen will: Er schwelgt bis in alle Ewigkeit in seinen uralten Platten und Erinnerungen, verehrt und vergötzt seine Helden und wird bis zum Sanktnimmerleinstag auf eine Tour der restlichen Lebenden warten und sein Geld dafür sparen. Oder er wendet sich bedingungslos neuen (musikalischen) Ufern zu und tut den alten Kram als Gewäsch aus der Vergangenheit ab. Oder er erkennt an, dass heute wie früher gute Musik gemacht wird und genehmigt sich diese ungeachtet des temporären Innovationsgrades.
Damit sind wir bei einer Band aus dem Jahr 1967. In diesem Jahr gründete James Osterberg die Band THE PSYCHEDELIC STOOGES, nachdem er ein Konzert der DOORS gesehen hatte. James "Iggy" Osterberg war offensichtlich so nachhaltig beeindruckt von Morrison, dass in der Folge seine neue Band nicht nur musikalische Ähnlichkeiten mit der Revolution aus Los Angeles hatte, sondern auch das Cover der ersten LP "The Stooges" durchaus mit dem von "The Doors" vergleichbar war. Außerdem waren beide Bands bei der gleichen Plattenfirma, Elektra nämlich.
Osterberg änderte seinen Namen in Iggy Stooge und "kultivierte" den Radau seiner STOOGES im Laufe der Jahre 1967 und '68 so, dass sich schlechterdings ein weltweiter kommerzieller Erfolg analog dem der DOORS ausschloss. THE STOOGES waren zu krass, zu räudig und brachial für den psychedelisch bewegten Spät-Sechziger. Außerdem praktizierte Iggy auf der Bühne Dinge, die nicht mal Morrison eingefallen wären. Dennoch bekam die Band im Sog der populäreren MC5 einen Plattenvertrag und nahm in kürzester Zeit eine erste LP auf. Völlig unerheblich, dass man zum Zeitpunkt der Aufnahmen nur 4 komplette Songs hatte, die restlichen 4 wurden in aller Eile binnen 2 Tagen geschrieben.
Elektra schmiss das PSYCHEDELIC aus dem Namen und die Platte floppte. Nicht wegen dem verkürzten Namen natürlich, eher wegen der radikal-avantgardistischen Attitüde der Band, die jeden greifbaren Exzess dankbar wahrnahm und auf der LP eine noisig-primitive Garagenrock-Attacke nach der anderen abfeuerte.
36 Jahre später ist das alles nicht mehr weiter schlimm, im Gegenteil, angesichts der Auswürfe der STOOGES von damals, darf man heutige Nachahmer wie beispielsweise THE WHITE STRIPES bedenkenlos auf den Müll werfen.
Der Band wurde von der Plattenfirma John Cale als Produzent aufoktroyiert. Der war damals bei VELVET UNDERGROUND (die im übrigen, ähnlich wie z.B. MC5, keinen geringen Einfluss auf THE STOOGES hatten), schwamm irgendwo im Dunstkreis von Andy Warhol und schaffte es nicht, den Sound der Band im Sinne von Iggy Stooge zu konservieren. Iggy mischte die Bänder kurzerhand neu ab und gab den Aufnahmen einen vermutlich etwas authentischeren Livesound. Ob das für das Endergebnis besser war... es ist heute wohl nicht mehr wichtig.
Jedenfalls kann man auf dieser Doppel-CD erstmals die ursprünglichen John Cale Mixes von drei Kernstücken des Albums hören (plus Little Doll, eine der kurzfristig nachgeschobenen Nummern). No Fun, 1969 und I Wanna Be Your Dog klingen anders als das letztendlich veröffentlichte Produkt, transparenter, weniger aggressiv, aber auch im negativen Sinne leichter, psychedelischer, mehr an die ROLLING STONES erinnernd und letztendlich zeitgemäßer (selbstverständlich für 1969 - heute könnte wiederum der finale Iggy-Mix als mehr up-to-date durchgehen). Der direkte Vergleich der verschiedenen Versionen ist hochinteressant.
Fakt ist, dass THE STOOGES mit 1969, I Wanna Be Your Dog und No Fun drei All-Time-Klassiker vollbracht haben, die wegweisend für die Rockmusik der nächsten Jahre und Jahrzehnte waren. Im Jahr von Woodstock ging die Größe der LP allerdings unter.
Ein Jahr und grässlich viele Drogen später, die gesamte Band und vor allem Iggy Pop - wie er inzwischen hieß - hing an der Nadel und gab sich von Acid bis Koks sämtliches sonstige Gift, ging die Band mit Producer Don Gallucci wieder ins Studio. Gallucci war der Pop-Rock'n'Roll-Band THE KINGSMEN entsprungen (einziger Hit war Louie, Louie) und schien auf den ersten Blick nicht der richtige Mann für die Detroiter - die sich rein optisch inzwischen mehr in Richtung Ur-RAMONES entwickelt hatten. Ursprünglich wollte er die Band auch nicht produzieren, da sie seiner Ansicht nach in ihrer Wildheit nicht aufnehmbar war. Dass er es dennoch getan hat, hätte ihn eigentlich in die Hall of Fame bringen müssen.
THE STOOGES waren nur Tage vor Aufnahmebeginn um ein weiteres mehr oder weniger permanentes Mitglied erweitert worden. Am Saxophon durfte sich der junge und höchst avantgardistische Steven McKay austoben (Jahre später bei der COMMANDER CODY BAND und den VIOLENT FEMMES zu finden). Dieser McKay, die ungezügelte Rohheit der Band, der Wahnsinn eines offensichtlich völlig durchgeknallten Iggy Pop, das dennoch gewachsene kompositorische Können und die vorzügliche Aufnahmetechnik des Produzenten sorgte dafür, dass "Fun House" zum musikhistorischen Bindeglied zwischen den DOORS, klassischem Detroit-Rock und sämtlichen späteren Punk-, New Wave- und Grunge-Bands wurde. Auch hier gilt: Bis auf wenige Ausnahmen kann man die späteren Zöglinge im Vergleich mit dem Original vergessen.
Bis heute darf man nach den knapp acht Minuten des Titelsongs und dem folgenden Inferno im an- und die LP abschließenden L.A. Blues (eine offensichtliche Morrison-Hommage) am Verstand der Musiker zweifeln und man kann sich auch gerne nach dem Monkey auf seinem eigenen Rücken umsehen. "Fun House" geriet so krank und so strange, dass man darüber gerne die derbe Brutalität des Albums vergisst.
Für einen durchschlagenden Verkaufserfolg reichte es natürlich wieder nicht, THE STOOGES bewegten sich zu sehr am Abgrund und waren vermutlich selbst für Hardcorerocker des Jahres 1970 zu abgefahren. Dabei praktizierten die Brüder Asheton an Gitarre und Schlagzeug mitsamt Bassist Dave Alexander im Grunde puren Heavyrock mit Punk-Einstellung. Pop war das exaltierte Bühnenschwein und der Brüllwürfel der Band und im Zusammenspiel ergaben sich so monströse Garagen-Hardrocker wie Down On The Street oder T.V. Eye. Hypnotisch hämmernde Bluesinterpretationen wie Dirt waren gar nicht so weit entfernt von anderen Heavy-Kapellen der gleichen Zeit, nur krähte eben kein All-American-Boy wie Jim Dandy, sondern ein manisch-bizarrer Drogensonderling wie Iggy Pop.
Auf der zweiten CD finden sich neben den mir bisher gänzlich unbekannten Lost In The Future und Slide (überwältigende Interaktion zwischen Gitarre und Sax) alternative Takes/Demos von sechs Songs des Originalalbums und man merkt, wie sehr die Band oftmals in einen Jam-Rausch geriet. Dies aber nicht hippiesk versponnen, sondern erbarmungslos im Zerstörungswahn wütend (siehe die "Jahreshymne" 1970 - göttlich). Speziell Gitarrist Ron Asheton erweist sich (falls man es nicht schon von den ursprünglichen Platten her weiß) als Maniak, der bis heute völlig unterbewertet wird. Auch seinen Bruder Scott konnte dessen Powerhouse-Drumming leider nicht in die künstlerische Unsterblichkeit tragen. Was aus Iggy Pop wurde, ist hinlänglich bekannt, auch dass er inzwischen bisweilen wieder als IGGY & THE STOOGES auf Tour geht. Ob seine Frühwerke auch seine besten waren, mögen andere bewerten. Diese beiden CDs gehören auf jeden Fall in jede anständige Sammlung, vor allem mit den grandiosen unveröffentlichten Aufnahmen und den äußerst informativen Liner Notes dieser Editionen.
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