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In Our Prime

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In Our Prime
In Our Prime, Eigenvertrieb/BEE Records, 1999
Mike Meyer Vocals, Electric & Acoustic Guitars
Roland Goergen Drums & Percussion
Holger Krämer Bass & Keyboards
Michael Lehberger Electric & Acoustic Guitars, Banjo, Backing Vocals
Gast:
Michael Schorlepp Guitar Solo (Open Fields), Sitar, Loop Programming
Produziert von: Michael Schorlepp & The Prime (aufgenommen in der Sound Factory, Saarbrücken) Länge: 44 Min 02 Sek Medium: CD
1. In My Prime / Part I (3:35)6. Child Of War (2:07)
2. Inside (5:50)7. Soul Of Water (5:47)
3. Out Of Desert (2:09)8. Open Fields (6:04)
4. Colours (6:11)9. In My Prime / Part II (5:44)
5. Mother (6:14)

Ich habe ein angeborenes Misstrauen gegen Platten, deren Produktion länger als 4 Wochen gedauert hat. THE PRIME haben schlappe 3 Jahre an ihrem Debüt gearbeitet.
Def Leppard'sche Gigantomanie? Größenwahn a la Axl N' Roses? Völliger Kreativitätsverlust wie bei Pink Floyd?
Mitnichten. Just another Band, die sich den Allerwertesten aufreißt um eine feine erste CD zu machen und die mit den üblichen Problemen - Zeit, Geld, Job etc. - kämpft.
In 3 Jahren kann eine Menge passieren. Musiker entwickeln sich weiter, Songs werden geschrieben und wieder verworfen, Drummer steigen aus (oder explodieren), Studios gehen pleite. Entsprechend uneinheitlich klingen solche CDs dann oft.

Zur Beruhigung: "In Our Prime" ist die Ausnahme von dieser Regel.
The Prime haben es geschafft, eine Dreiviertelstunde ausgewogenen, reifen und sehr gut klingenden ROCK zu veröffentlichen.
Wer meinen Musikgeschmack kennt, weiß, dass ich mit Rock nicht gleichnamigen Kid meine.

"In Our Prime" ist kein leichtgewichtiger Schnellschuss-Rock & Roll, den man nach 2 Stunden schon wieder vergessen hat. Atmosphäre, Tiefe, Ernsthaftigkeit, Härte bis hin zu einer gewissen Düsternis prägen die CD. Die Songs sind um 6 Minuten lang, haben dadurch genügend Platz zum Atmen, gleiten aber nie in sinnlose Jams ab, sondern sind relativ straight gehalten.

Gonna make it, baby
In our prime
Get together one more time

THE DOORS, Five To One, 1968 auf "Waiting For The Sun" erschienen.

In My Prime / Part I startet mit einer kurzen spoken word performance und die erinnert nicht nur an, nein, sie ist ganz sicher vom großen Jim M. beeinflusst. Sänger und Songschreiber MIKE MEYER ist allerdings keiner dieser Westentaschenpoeten, die mehr Augenmerk auf die nötige "Kaputtheit" und Morbidität legen, als auf Ausdruck. Und deswegen schafft er ganz locker den Spagat zu einer anderen Legende. Der Mann singt derart gut, dass man mehr als einmal Mr. Plant (etwa zu "Houses Of The Holy", "Physical Graffiti" Zeiten) zu hören glaubt.

Überhaupt sind Led Zeppelin immer wieder präsent. Der Drumsound ist definitiv Gonzo pur, die Gitarrenfiguren, beispielsweise in Colours oder Inside, sind nicht gestohlen, aber sie könnten von Page sein.

Dazwischen ein schönes Instrumental, Out Of Desert, gefolgt von Colours, das von einem Banjo (!) untermalt und dadurch zum eingängigsten Song der CD wird. Es fließt und groovt und die Gitarre brilliert dazu.
Lehrstunde "Wie baut man einen Song auf": Man nehme sich 6 Minuten Zeit und höre Mother. Die Gitarrenwand, die sich nach und nach auftürmt ist beinahe beängstigend.

Einen Eindruck muss man natürlich vermeiden. "In Our Prime" ist kein Retro-Album. Erstens klingt die Musik viel zu zeitgemäß und zweitens können Alben, die von den genannten Bands beeinflusst sind, nur dann als retro bezeichnet werden, wenn den ausführenden Musikern nichts einfällt. THE PRIME haben aber so viele eigene Ideen in diese CD gepackt, dass der Vorwurf des "ewig gestrigen" albern wäre. Und außerdem: Welcher Rockmusiker ist nicht von Deep Purple, Zeppelin, Hendrix und Kollegen beeinflusst?

Die CD hat nicht nur einen hervorragenden Sound, sie sieht auch gut aus. Aufwändiges Artwork, Digipack und ein tolles Coverbild von einem Künstler namens Franz Wild. Mehr davon!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 29.03.2002

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