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Love School

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Love School
Love School, Jerkin' Crocus Records, 2004
Jennifer Deprez Vocals
Gary Hendrickson Guitars
John Wartenweiler Bass
Mauro Magellan Drums & Percussion
Jim Voegeli Piano & Hammond Organ
Gäste:
Dan Jerabek Squeeze Box (Too Little Too Late)
Donna Woodall Backing Vocals
Dan Baird Acoustic Guitar (Too Little Too Late & What Do I See), Electric Guitar (I Could Do Better), Tamborine (Love School)
Mark Haines Tamborine, Batuca, Quiro (I Could Do Better)
Produziert von: Dan Baird Länge: 36 Min 22 Sek Medium: CD
1. Love School6. Too Little Too Late
2. Love Life7. My Lovin' Baby
3. Make Him Mine8. What Do I See
4. Let's Say9. I Could Do Better
5. Say It With Your Knees10. Tonight

Ja, nett, fängt an wie weiland Huey Lewis und seine NEWS. Lockerer Beat, ziemlich knackig durchgetreten, Orgel, nettes Riff. Schöner Sommersound und ich baumel gleich mit den Beinchen auf dem Stühlchen.

HEILAND! Was zum Geier schreit da so? Eine Frau! Eine Sirene!
Sirenen: In der griechischen Mythologie Meerjungfrauen mit Vogelleib, die durch Gesang die Schiffer anlockten und töteten.
Eine andere Definition spricht von Seekühen, aber das spielt jetzt keine Rolle.
"Vertraue mir...". Ach so, das ist Kaa, die Schlange aus dem Dschungelbuch. Egal, ich vertrau Dir, Kaa-Sirene. Jennifer Deprez heißt sie jetzt und sie dürfte das heißeste Stimmband seit Maggie Bell im Hals haben. Erinnert sich noch wer an Maggie Bell? STONE THE CROWS in den Siebzigern, MIDNIGHT FLYER 1981. Die Frau, die Janis am nähesten kam ohne ein Plagiat zu sein. Und jetzt Jennifer. Die Frau, die meiner Vorstellung einer perfekten Sängerin am nächsten kommt, ohne nach Nebelkrähe, Elfe oder Seekuh zu klingen.

In dieser Band THE CRASHERS ist ein gewisser Mauro Magellan Schlagzeuger. Mauro Magellan kennt Ihr. Die GEORGIA SATELLITES früher und seit Jahren die Tourband von Dan Baird leben von seiner Power. Seit 13 Jahren trommelt er ganz nebenbei bei den CRASHERS (und in einer ganzen Reihe weiterer Bands, wo nimmt der Mann die Kondition her?). Keiner der Sorte "ich hau jetzt mal ein bisschen auf meinen Pauken rum" sondern die Inkarnation eines Rock & Roll Vollgasdrummers, so wie es mein Freund Bobby Nesbitt von REBEL STORM ist. Oder wie es John Bonham war. Oder Keith Moon. Also der Antreiber der Band, nicht nur ein simpler Rhythmusnachklopfer.
Die anderen Jungs dieser Kapelle kennt man in Europa nicht so, aber ich kann Euch sagen...

Wo schon die Rede von Dan Baird ist, mein Lieblings-Rock'n'Roller hat diese CD auch produziert. Das macht er seit Jahren gerne und wenn er es macht, dann kommt dabei nie irgend ein Popkrempel heraus. Weil Popbands produziert er nicht. Und er hat auch gar nicht viel Zeit, deswegen haben die CRASHERS ihre Platte in nur 5 Tagen eingespielt. Mauro - der kleine Traditionalist - sagt, dass keine ProTools verwendet wurden. Und keine Samples. Und Overdubs seien auch nur für ein paar Gitarren verwendet worden. Ja, und? Jungs, Ihr braucht diesen Scheiß auch überhaupt nicht, Ihr seid Rocker, Ihr seid Roller, Ihr seid Boogiemänner! Plus eine Frau dabei. Und Ihr habt mit "Love School" die ultimative Partyplatte dieses Jahres eingeprügelt, und das mit Swing und so viel Groove, dass es den ProTools eh die Sicherung rausgehauen hätte.

Der Rezensent schubbert unruhig auf dem Stuhl umher, fingert nervös am Bierglas rum und wackelt bedenklich mit dem Kopf. Nein, das sind keine altersbedingten Ausfallerscheinungen, es ist nur time to boogie: Love School, Love Life, Make Him Mine, drei Killer - zum Glück betätigt sich Jennifer anschließend (Let's Say) als Bluessängerin, aber die chemische Verbindung der messerscharfen Gitarre mit dieser Stimme ist tödlich. Assoziation hier und bei My Lovin' Baby: Bessie Smith, Etta James oder Aretha Franklin in modern.

Dermaßen unverschämten Schrabbel-Rock'n'Roll wie in Say It With Your Knees spielen weltweit höchstens ein halbes Dutzend Gitarristen. Davon abgesehen klingt es einfach sexy, wenn eine Gitarre diesen dreckigen Sound von sich gibt. Dazu noch so ein Text, fertig ist die Sex PartyT. (T by THE QUIREBOYS)

Weiter im Reigen der wunderbaren Klänge. Too Little Too Late ist der Song, den man sich seit Jahren von LITTLE FEAT wünscht. Accordion, Piano, gesegneter Gesang, es ist wirklich längst nicht mehr nur ein wenig zu spät, es ist viel zu spät um aus dieser unglaublichen CD noch halbwegs unbeschadet rauszukommen. Replay, replay, replay, und dann endlich die erste Ballade. Da heulst du dann direkt, just emotion my lovin' baby.
Manch andere Band würde jetzt einen Highspeed-Song nachschieben. Die CRASHERS nicht, die bringen mit I Could Do Better einen Midtempo-Groover, der aber so intensiv ist, dass es im Vergleich zum vorhergehenden What Do I See wie Hardrock klingt. Den würdigen Rock'n'Roll-Abschluss besorgt Tonight.

Was für ein Fest. Bravo, bravo, bravo! Es sind zwar nur 36 Minuten, jedoch summiert sich das bei gut 10 Durchläufen am Stück auch.
Ehrlicher, feister, geiler, kickender kann Musik nicht sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.08.2004

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