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Son Of America

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All Music Guide (englisch)

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Son Of America
Son Of America, Acadia/Evangeline Records, 2005
Randy California Vocals, Guitars, Bass, Taurus Bass Pedals, Piano, Keyboards, Harmonica, Percussion
Ed Cassidy Drums, Percussion, Vocals
Scott Monahan Piano, Keyboards, Lead Vocals
Steve "Liberty" Loria Bass, Vocals
Mike Nile Bass
Matt Andes National Steel Guitar, Guitar
Mark Andes Bass
Bob Nicols Drums
Rachel Andes Vocals
Mike Lewis Keyboards
Janet Wolfe Harmony Vocals
John Locke Keyboards
Bruce Gary Drums
Produziert von: Mick Skidmore Länge: 159 Min 23 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Space Jam14. The Times They Are A Changing
2. The Prophecy15. Interlude #2
3. Interlude #116. Who Are You?
4. Thomas Q And Jennifer17. Breaking My Heart (Soul On Fire)
5. Sai Jam #118. Barking Up The Wrong Tree
6. 20 Years19. Back Home
7. Gyrations Of War20. French Apartment
8. Son Of America21. City Of Angels
9. In The Dark22. 2007
10. Storm In The Night23. Sai Jam #3
11. Gopal24. Let It Be
12. Sai Jam #225. Medley: Maybe You'll Find / When / Farther Along
13. Shock Values
CD 2:
1. Intro11. Mean And Beautiful
2. One By One12. Compromise
3. Love From The Heart13. Mean Little Sister
4. Denise14. 12.000 Miles
5. Loverman15. Break My Back
6. No Time To Pretend16. Land Of Bismo
7. Fire17. Line By Line (Water In The Eyes)
8. Close To You18. Take Me Down (To The River Of Love)
9. The River19. Living On Love
10. Evil Is, Evil Does

Als Randy California 1997 im Pazifik vor Hawaii ertrank, war endgültig eine der letzten noch kreativen Sixties-Westcoastbands Geschichte. California war lange nicht Fünfzig und noch einmal in einer Phase höchster Aktivität. Großartig verändert hat er sich in seinen letzten 20 Lebensjahren zwar nicht mehr, die Zeit der Experimente war lang vorbei, doch sein Talent als Gitarrist und Songwriter erlebte in den Neunzigern nochmals ein - leider in der Öffentlichkeit ignoriertes - Comeback.
30 Jahre lang existierte SPIRIT, die Band Californias, in x verschiedenen Besetzungen, teilweise sogar ohne den Meister selbst. Als Peter Rüchel die Band 1978 in seinen Rockpalast holte, war SPIRIT eigentlich schon tot, aber der grandiose Auftritt als Trio verschaffte California und der Band erstmals größere Publizität in Europa und vor allem immerwährenden Kultstatus hierzulande. Auch für mich war der Rockpalast der erste Berührungspunkt mit dieser Band und mir war unbekannt, dass viele Kritiker California bis dahin oftmals nur als Hendrix-Epigonen abtaten. Natürlich spielte er 1966 in Hendrix' Band JIMI JAMES & THE BLUE FLAMES (und nur das Nein seiner Eltern verhinderte damals, dass der Fünfzehnjährige mit Jimi nach England ging), und natürlich war er seitdem von Hendrix beeinflusst - wie alle Gitarristen, außer denen, die sich bewusst in der Tradition originärer Blueser oder Rock'n'Roller sahen -, jedoch entwickelte California sehr schnell seinen eigenen Stil, der durchaus das hätte sein können, was Hendrix aufgrund seiner Abberufung 1970 nie sein konnte. Ergo erübrigen sich solche Spekulationen, Randy California stand als Gitarrist auf völlig eigenständigen Beinen (anders als beispielsweise Frank Marino oder Robin Trower) - ganz im Gegenteil, möglicherweise beeinflusste er sogar ungleich berühmtere Bands wie LED ZEPPELIN, man höre sich bitteschön die Akustiknummer Taurus vom ersten Album "Spirit" (1968) an. Ein riesiger Zufall, wenn das nicht die Vorlage zu Stairway To Heaven war. Fresh-Garbage vom gleichen Album spielten ZEP sogar live.

SPIRIT verschwand in den Achtzigern wieder mehr oder weniger in der Obskurität und fiel nur durch gelegentliche, eher mittelmäßige Platten auf, doch California raffte sich in den Neunzigern nochmals vermehrt zu Aufnahmen und Konzerten auf. Er tat sich dafür wieder mit seinem Stiefvater Ed Cassidy zusammen, der von Anfang an der Mann am Schlagzeug bei SPIRIT war. Der gelernte Jazzschlagzeuger mutierte bei SPIRIT zum Rocker und beeindruckte im Rockpalast mit einem wahnwitzigen Solo und hyper-komplexem Powerdrumming. Nachdem er zuerst mit Jazz-Größen wie Thelonious Monk gespielt hatte, später u. a. mit Taj Mahal und Ry Cooder, bildete er mit Randy den Nukleus von SPIRIT und prägte als einer der ganz wenigen Schlagzeuger im Rock den Sound seiner Band mit.
Nach Californias Tod trat der übliche Leichenfledderer-Mechanismus ein und eine ganze Handvoll seltsamer Liveaufnahmen und Studioversuche tauchte auf. Einige davon durchaus hörenswert, andere völlig überflüssig. Nun erscheint der, laut Linernotes, erste Teil einer fortsetzungswürdigen Reihe weitgehend unbekannter oder alternierender Aufnahmen, in diesem Fall aus den letzten Jahren Californias.

Ob sich California in seinen späten Jahren überhaupt noch als Teil der Band SPIRIT sah, oder ob er den Namen nur noch als Transportvehikel seiner musikalischen Ideen benutzte, bleibt ob dieser Zusammenstellung unklar. Mit wechselnden Musikern und zum Teil solo zeigt California in 44 (!!) Songs, Jams und Intermezzi, wie sensibel er als Gitarrist, Sänger, Songwriter und Interpret von Fremdtiteln mit Musik umging. Den einen oder anderen Bestandteil mag man in anderen Fassungen kennen (Farther Along bereits seit dem gleichnamigen Album von 1977, The River vom schönen Album "California Blues" von '95, etc.), die Coversongs von Dylan (The Times They Are A Changing) oder Lennon/McCartney (Let It Be) sowieso, aber Produzent Mick Skidmore schaffte es, den Aufnahmen einen inhaltlichen (keinen chronologischen) Zusammenhang zu geben, so dass sich das Album trotz unterschiedlicher Aufnahmedaten, Bandbesetzungen und Hintergründen nach und nach vor einem aufbaut und entfaltet.
Manches hat nie den Demostatus überschritten, klingt aber dennoch nach California und SPIRIT, anderes wurde von ihm variiert und/oder modifiziert oder als Versuch für sein geplantes Soloalbum "Kapt. Kopter II" aufgenommen oder in völlig unbekannter Bandkonstellation (Let It Be) offenbar zwischen Tür und Angel - dennoch in erstklassiger Qualität - eingespielt.
Outtakes anderer CDs sind dabei - z. B. das wundervolle Love From The Heart, ursprünglich für "California Blues" eingespielt, unverständlicherweise aber nicht verwendet -, die in weiten Kreisen unbekannte Single Son Of America (der älteste Track dieses Albums), DAT-Aufnahmen, simple Kassettenkopien, professionelle Studioarbeiten und vergrabene Zweispur-Tonbänder wie beim tollen Slide-Blues Loverman.
Randy spielt teils sämtliche Instrumente alleine oder kollaboriert mit allen möglichen Bandkollegen, wird teilweise sogar von Uralt-Kumpeln wie Matt und Mark Andes (die mit Jay Ferguson von 1972 bis '74 bei JO JO GUNNE phänomenalen Hardrock produzierten) oder Keyboarder John Locke (der auch bei NAZARETH auftauchte) unterstützt oder intoniert mit Matt Andes' Tochter Rachel wundervolle Folksongs. Auch die letzte SPIRIT-Besetzung mit Bassist Steve Loria, Matt Andes und natürlich Cassidy taucht immer wieder auf.

California sah Musik wohl immer auch als spirituelle Angelegenheit und nutzte seine Gitarrenkünste für geradezu meditative Jams und hypnotisch groovende Kunstwerke, die teilweise völlig aus dem gängigen Songstruktur-Denken ausbrachen. Trotz aller Sci-Fi-Fantastereien verlor er aber nie den Boden unter seinen Rock-Standbeinen und kehrte immer wieder zum eingängigen und melodischen SPIRIT-Stil zurück. Freakshow und Selbstdarstellung war sein Ding nicht und er konnte auch umdenken. So hatte er sich mit dem quasi verbotenen Hit 1984 einst in die kommerzielle Isolation expediert und bestenfalls seinen Status als Undergroundheld manifestiert. Insofern ist die völlig konträre und beinahe heroisierende Darstellung der Staatsmacht in City Of Angels nur konsequent, wenn auch für Außenstehende möglicherweise nicht nachvollziehbar. Was er wohl heute über "sein" armseliges Bush-Amerika sagen würde?
"Son Of America" ist ein aufschlussreiches und würdig aufbereitetes posthumes Dokument eines der wichtigsten und unterschätztesten Musikers der Rockgeschichte.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.09.2005

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