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Special Experiment

Fortune Memories

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Fortune Memories
Fortune Memories, Eigenvertrieb, 2002
Dzidek Marcinkiewicz E-Piano, Synthesizers, Keyboards, Acoustic Guitar
Frank Tienemann Lead & Rhythm Guitars, Acoustic Guitars, Drums
Carsten Witte Drums
Janine Tienemann Backing Vocals
Nasir Gencer Saz
Produziert von: Dzidek Marcinkiewicz Länge: 45 Min 26 Sek Medium: CD
1. Kiss Of A Vampire (5:28)5. King Of Twilight (4:34)
2. Centre Opli Fuga (5:33)6. Dark Angel (7:18)
3. Fortune Memories (5:07)7. Amelyst Eye (5:51)
4. Night Over Marakesh (8:48)8. Crystal Lake (4:58)

Der Name dieses musikalischen Projektes lässt schon einiges erahnen. Der musikalische Leiter Dzidek Marcinkiewicz (Pianist, Komponist) und seine Mitstreiter haben mit "Fortune Memories" ein durchgehend instrumental eingespieltes Progressive-Rock Werk vorgelegt, das sich lohnt dem toleranten Proghörer einmal näher zu bringen.

Es werden alle Klischees des Bombast-Rocks bedient, aber es driftet trotzdem nie in die allgemeine Langeweile ab. Die Keyboards sind bedingt dominierend, teilen sich aber gerecht die Parts mit der hervorragend flankierenden Gitarre. Vergleiche zu den Franzosen XANG und zu MASTERMIND (USA) sind sehr nahe liegend. Auffällig ist auch sofort die technisch vollkommene Produktion bzw. der sehr druckvolle und dynamische Sound.

Dzidek Marcinkiewicz (Jahrgang 1962) ist gebürtiger Pole, lebt seit 1981 in Osnabrück und kann schon auf einen beträchtlichen musikalischen Werdegang zurückblicken. War von 1982-83 Mitglied der Osnabrücker Blues Band BLUES COMPANY und gastierte danach 5 Jahre als Begleitmusiker von bekannten Künstlern, mit denen er die Welt umreiste. Dabei scheute er kein Genre, das vom Schlagerproleten Jürgen Drews bis zum legendärem MEDIUM TERZETT aufwartete.
(Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich um die berüchtigte Thrash-Band, auch genannt "Die Würger des blauen Bocks", die u.a. "Ein Loch ist im Eimer" oder "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" verrockten)
Von 1990-2000 begann die wohl wichtigste Schaffensphase, die Zusammenarbeit mit dem rumänischem Folk-Rock-Projekt TRANSSYLVANIA PHOENIX. Diese Musikerverbindung erreichte schon nach kurzer Zeit Kultstatus in ihrer Heimat. Es folgten Konzerte und Tourneen auch mit Symphonie Orchester und Chor, wobei Auftritte vor bis zu 40.000 Zuschauern keine Seltenheit waren. Übrigens gab es im Oktober 2002 in Bukarest eine Reunion zum 40-jährigen Bestehen mit illustren Special Guests wie Georghe Zamfir (der Meister der Pan Flöte), Malcolm J.-Lewis (ex-Bassist bei BLACK SABBATH) u.a.
Dzidek schnupperte dann noch kurz Progressive-Hardrock Luft bei SEVEN SEALS (2000-2001), bis er dann seine Pläne, ein symphonisches Rockprojekt zusammenzustellen verwirklichte.
Das Endresultat, das in Eigenregie bzw. Eigenfinanzierung hergestellt wurde, liegt jetzt hier bei mir.

Neben Dzidek Marcinkiewicz, der alles bedient was irgendwie Tasten besitzt, gehört zum SPECIAL EXPERIMENT Projekt noch Frank Tienemann an den Gitarrensaiten. Man merkt förmlich, dass dieser seine Hausaufgaben in Sachen Paul Gilbert & Co. gelernt hat. Sein Gitarrenspiel ist straight bzw. sehr scharf, so dass es den einzelnen Tracks die nötige Würze und Druck verpasst. Er kam von der Hardrockkapelle SEVEN SEALS dazu. Die veröffentlichten 1994 ihr erstes Album "Bidin' Our Time". Aktuelles Projekt ist "Time Beyond Time" (noch nicht veröffentlicht). Ich bin mir sicher, dass man von Herrn Tienemann auf dem deutschen Rocksektor noch einiges zu hören bekommt.
Am Bass (beim Special Experiment) fungiert Josef Kappl, der vorher bei Heinz-Rudolf Kunze und LAKE den Rhythmus vorgab.
Komplettiert wird das Line-Up von Carsten Witte am Schlagzeug und Backgroundsängerin Janine Tienemann. Alles Vollblutmusiker mit jahrelanger Studio- und Bühnenerfahrung das dem Output auch merklich zugute kommt.

Schon beim Opener Kiss For A Vampire zieht man alle Register des instrumentalen Progressive-Rock. Niederschmetternde Keyboardwälle begleitet von stark rhythmischen Passagen mit Gitarre und donnernden Drums. SPECIAL EXPERIMENT präsentieren eine kraftvolle Variante dieser Tradition, frei vom Ätherischen, lebt diese von der Musikalität bzw. Virtuosität der Akteure.
Die Tracks sind nicht sonderlich innovativ, deshalb aber nicht belanglos.

Der positive Aspekt dabei ist, dass kein egozentrischer Gesangskünstler dieses gewaltige Klanggemälde zerstören könnte. Die insgesamt 8 Tracks kommen teilweise sehr verspielt daher. Das reicht von barocken Einflüssen im Track 1 bis zu synthetischen Jazztupfern im Schlusstrack.
Gelegentlich wirkt der Sound sehr aufgeschäumt und fast schon typisch amerikanisch pathetisch, so dass beim Zuhörer eventuell Filmsoundtrack-Assoziationen hervorgerufen werden.
Die Rockerseele baumeln lassen kann man bei Centre Opli Fuga sowie Amelyst Eye, zwei wundervolle Balladen mit superben Gitarren- und Akustikparts. Amelyst Eye glänzt dabei mit seinem ansteigenden Spannungsbogen zum Ende.
Solche Passagen lässt man auf dem gesamten Werk immer wieder gern einfließen, so auch bei Dark Angel mit engelhaften Backgroundvocals (Enya lässt grüssen!) oder bei Crystal Lake mit einem triumphalen Zusammenspiel von Piano und Gitarre.
Bei Night Over Marakesh hat man das Gefühl, David Gilmour hätte sich mit dem Alan Parsons Projekt vereint und eine Jamsession gegeben.
Der Geist der guten alten DOKKEN inspirierte zu King Of Twilight, einem pompösen Rock-Stück.

Trotzdem es einem scheint, man hätte einzelne Teile schon irgendwann gehört, ist "Fortune Memories" eine sehr unterhaltsame Rockscheibe die beim Hören einfach Spaß macht.
Dzidek Marcinkiewicz hat mit seiner Truppe gute Arbeit geleistet und verdient es, trotz Eigenvertriebes, im hart umkämpften Biz wahrgenommen zu werden. Die Herren der Branche sollten lieber mehr in wahre Könner investieren als in längst verwelkte Stilblüten!
Herr Marcinkiewicz pflegt jedenfalls noch einige Pläne und Visionen, d.h. konkret eine internationale Band zusammenzustellen für eine neue Rockscheibe mit Gesang und die Verwirklichung eines Auftrittes mit Sinfonieorchester. Es passt schon.

Rock'n Roll will never die!

Ingolf Schmock, (Artikelliste), 09.02.2004

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