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| A New Beginning, Dockyard 1, 2009 |
| Ferdy Doernberg |
Lead Vocals, Slide-, Lead- & Rhythm Guitar, Keyboards |
| André Hort |
Bass, Backing Vocals |
| Mike Mandel |
Lead- & Rhythm Guitar, Backing Vocals |
| Alex Wenn |
Drums & Percussion, Backing Vocals |
| Produziert von: Ferdy Doernberg |
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Medium: CD |
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| 1. Temple Of Evil | 8. Warpaint |
| 2. Home Is Where The Pain Is | 9. Black Leather |
| 3. Reborn To Wait | 10. We've Got A File On You |
| 4. The Roll Of The Dice | 11. Deadline |
| 5. When The Circus Is Coming To Town | 12. We All Need Something To Hold On In This Life |
| 6. Sierra Madre | 13. A Song For Hilmer |
| 7. A New Beginning | |
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Man feiert das 20-jährige Bandjubiläum, und zu diesem Anlass gibt es mit ROUGH SILK Mark 3 einen 'neuen Anfang', so der CD-Titel.
Meine erste Begegnung mit ROUGH SILK liegt sechs Jahre zurück, und zwar war das anlässlich der Veröffentlichung von "End Of Infinity". Aus dieser Zeit ist mir vor allem noch der in fast jedem Song auftauchende Chorgesang im Ohr, wobei es sich hier nicht um vielschichtige Chöre à la QUEEN, sondern eher um einen Wall of Sound handelt, um dem jeweiligen Teil des Songs mehr Präsenz zu verschaffen. Wenn viele laut singen, hört man das eher.
Mastermind Doernberg hat für diese CD neue Leute um sich geschart und insbesondere im Drummer Alex Wenn einen kongenialen Mitspieler gefunden, der seine Heavy Attacken dem Gruppensound dienlichst unterordnet, wenngleich das Schlagzeug etwas hölzern klingt.
Die Songs auf dieser CD folgen zumeist dem Schema Intro - Riff - Lead Vocals - Chorus - Break (oft mit Tempowechsel) - Soli - Lead Vocals - Outro. Und da das in etwa für 95% aller gegenwärtigen Rocksongs zutrifft, ist eben der Chorgesang genau das Trademark, das den Songs ihre Wiedererkennbarkeit und Identität verschafft. Und damit ist die halbe Miete drin, denn wenn man dergestalt verzierten Melodic Metal mag, ist ROUGH SILK eine sichere Bank (und das in heutigen Zeiten).
Veredelt wird das ganze dann durch die irgendwo zwischen Van-Halenscher Schnelligkeit und klassischem Aufbau à la Brain May angesiedelten Soloausflüge der beiden Gitarristen und einem Keyboard ab und an, wobei das Highspeed Solo-Notengetaumel einem manchmal etwas viel werden kann.
Die Fixtsterne in diesem Universum heißen BLACK SABBATH und SAVATAGE/QUEEN, wobei Doernbergs Liebe zu Brian Mays Art des Gitarrespielens auch das ein oder andere Mal durchscheint, insbesondere auf The Roll Of The Dice, wo ein ganzer Part direkt aus einem Queensong der früheren Jahren zu kommen scheint.
Doernbergs Stimme ist kein wirklicher Bringer, aber akzeptabel, und wird eh' häufig durch die Chori (ja, das ist die Mehrzahl von Chorus, glaub mir mal!) übertönt [Der Duden spricht von Chorussen, aber Chori klingt irgendwie… eleganter. Red.]. Ab und zu gibt es einen Growl der extremen Sorte und auf dem Punk-Party-Rocker We've Got A File On You sogar Hardcore-Punk Unterstützung, wie es heißt, von der SUBCULTURE SQUAD.
Song 1 - Temple Of Evil - ballert sich über ein Monster-Riff ins Leben und wird aufs formidabelste von dem genannten Chorus bestimmt, bevor man in der Bridge das Tempo fürs Gitarrensolo zurücknimmt, nur um dann wieder schneller zu werden und Keyboards und Gitarren Platz für weitere Exkursionen zu geben; guter Start.
Home Is Where The Pain Is folgt mit einem Heavy-Boogie Intro, und Doernberg klagt: "… home is where the pain is, and pain is where you live…" Das ist der Song, der - weil leicht konsumierbar - am ehesten im Gedächtnis bleibt - er lädt zum Nachpfeifen ein, und das Solo überschlägt sich selbst, während die Rhythmussektion solide Basisarbeit leistet.
Reborn To Wait beginnt als Up-tempo-Doublebassdrum-Durchschnitts-Nichtsnutz-Rocker, hat als Refrain - mal zur Abwechslung, aber passend zum Thema - einen Growl, und natürlich wieder den Chorus und die nun schon bekannten und geliebten Tempo-Variationen im Mittelteil. Nette Spannung zwischen der Doublebass, dem Reborn…-Growl und dem Chorgesang. Der Song fängt sich also doch noch nach dem schwachen Anfang. Dann verfinstert sich die Landschaft, es wird schwarzer Sonntag und haut das SABBATH-Riff auf die Platte, bis plötzlich über einem Keyboard ein QUEEN-naher Gesang folgt. Und dann wird es wieder finster. Der Roll Of The Dice Refrain vor der Bridge ist ebenfalls QUEEN-mäßig vielschichtig, und wieder wird er vom BLACK SABBATH Riff davon gejagt - um in einer Brian May Gitarrensektion zu münden und mit einem Trompetensolo zu Ende zu gehen. Ja, schwere Kost - aber gut verdaulich. Man gibt sich Mühe, wahrlich.
Nach der uninteressanten Groupie-Story When The Circus Comes To Town, die den Charakter Kasimir (!) in die Rock-Lyrik einbringt, allerdings eine wildes Slideguitarsolo und eine lang gezogene zweite Sologitarre als Ausgleich anbietet, gibt es auf Sierra Madre ein klassisches Keyboard-Intro, eine akustische Mittelpassage und einen schönen funky Bass.
Die nächsten Songs liegen dann alle mehr im Düsterbereich um das BLACK SABBATH Universum herum; Riffs wie aus schwarzer Materie gemeißelt, und auf Doublebass-Gewummere aufgebaut. Für die härteren unter den Harten.
Black Leather ist an SAXON orientiert, insbesondere was den Refrain angeht. Muss nicht sein. Heraus stechen dann wieder der schon erwähnte Party Rocker We've Got A File On You und Deadline mit seinem Boogie-Intro, in das sich dann die Slide sägt; diesmal wird der Boogie aber durchgehalten, Boogie à la ROUGH SILK eben.
We All Need Something To Hold On In This Life ist wieder QUEEN, langsam, getragen, E-Piano - Lighter-time. Der absolute Höhepunkt ist aber der live im Dressingroom des "Ralph Freud's Theatre" in Los Angeles eingesungene, sehr geschmackvolle musikalische Nachruf von Doernberg auf seinen Freund und ehemaligen Gitarristen Hilmer Staacke über einer sehr gekonnten Pianobegleitung. Am Ende untermalt ein Keyboardteppich nach Floydscher Art ein ebensolches Gillmoresches Gitarrensolo, das Staarke noch selbst eingespielt hat. Ein sehr bewegender Track, ein sehr stimmungsvolles, leider viel zu kurzes Solo. Der Song wurde unter Mithilfe von Roy Z und RATTs Warren de Martini aufgenommen.
Summa summarum ein sehr gelungenes Comeback, wenngleich der Höhepunkt durch einen eigentlich untypischen Song markiert wird. Die Gratwanderung zwischen Härte und Melodik wird gemeistert. Aber: man wird den Eindruck nicht los, dass die Spannung, die auf der einen Seite durch die Nähe zu Queenscher Melodik und auf der anderen Seite zur Sabbathischer Riffhärte erzeugt wird, möglicherweise zu Ungunsten von QUEEN und ROUGH SILK ausfällt. Anders gesagt: ein rough SILK Album könnte sehr interessant sein, im Augenblick ist es eher ROUGH SilK. Trotzdem, Anhören lohnt sich.
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