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| Live At Montreux, Eagle Records, 2006 |
| Rory Gallagher |
Vocals, Guitar, Mandolin |
| Gerry McAvoy |
Bass |
| Rod De'Ath, Ted McKenna, Brendan O'Neill |
Drums |
| Lou Martin |
Piano, Organ |
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Länge: 76 Min 18 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Laundromat (1975) | 7. Off The Handle (1979) |
| 2. Tore Down (1975) | 8. Mississippi Sheiks (1979) |
| 3. I Take What I Want (1977) | 9. Out On The Western Plain (1979) |
| 4. Bought And Sold (1977) | 10. Too Much Alcohol (1979) |
| 5. Do You Read Me (1977) | 11. Shin Kicker (1985) |
| 6. The Last Of The Independents (1979) | 12. Philby (1985) |
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Unbeschreibliche Szenen spielen sich zwischen den Schreibern dieses Onlinemagazins ab, wenn mal wieder ein neues Werk von Rory Gallagher zur Besprechung ansteht. Es wird gezetert, geschrieen und geflucht, gerne geweint und trotzig mit den Fäusten auf den Boden gehauen, auf Respekt gegenüber dem Alter gepocht, auf traumatische Kindheitserlebnisse verwiesen und wenn gar nichts mehr hilft, wird mit sofortiger Abreise und lebenslanger Verachtung gedroht. Und nur, um Rorys aktuelle DVD oder CD besprechen zu dürfen. Dabei ist die Sache an sich völlig klar. ICH und nur ICH habe im Grunde das Recht, salbungsvolle Worte über Rory Gallagher, geboren am 2. März 1948 in Ballyshannon, Irland zu verfassen. Ich habe ihn am öftesten live gesehen, ich habe als erster seine Platten gehabt, ich habe das meiste Bier bei seinen Konzerten getrunken, ich habe die meisten Nadeln an Plattenspielern mit seinen LPs ruiniert. Und vielleicht hab ich auch ein paar Tränchen verdrückt, als Gallagher im Juni '95 seine fällige Lebertransplantation nicht überlebt hat.
Ein Jahr vorher hatte ich ihn noch zweimal live gesehen. Im Münchner Circus Krone und irgendwo in der niederbayrischen Provinz, in einer unsäglichen Viehauktionshalle. Er sah nicht gut aus, aber die Konzerte waren genial wie immer, Rory arbeitete für sein Publikum wie ein Newcomer auf seiner allerersten Tour und das Volk tobte. Ich auch.
Man muss sich rückblickend immer mal wieder vergegenwärtigen, dass Rory Gallagher im Laufe seiner seit 1969 dauernden Karriere als Plattenkünstler keine einzige schwache oder gar schlechte LP veröffentlicht hat. Sicher hat er, wie jeder andere auch, zwischendurch ein etwas unlustiges Konzert gegeben, ich habe keines davon je erlebt, aber man durfte sich bei ihm immer zu 100% sicher sein: Wo Rory Gallagher draufsteht, bekommt der Geld zahlende Kunde vollen Einsatz und das zu diesem Zeitpunkt absolut bestmögliche Ergebnis präsentiert. Kein Musiker dieser Größenordnung und Popularität steht so für Value for Money wie dieser wunderbare Ire. Und jetzt darf ich dieses Abfallprodukt der grandiosen Montreux DVD-Kollektion besprechen. Danke, Kollegen. Menno.
Vorneweg gesagt, die Doppel-DVD ist auf jeden Fall zu bevorzugen. Viereinhalb Stunden gegen eine lausige CD-Länge ist natürlich konkurrenzlos. Außerdem ist der Sound der DVD besser und man bekommt noch die unvergleichliche Präsenz dieses Mannes im Bild mitgeliefert. Trotzdem ist auch die CD für echte Fans unverzichtbar, denn einige Songs stammen aus anderen Jahren als die auf den DVDs enthaltenen. Marginalien, klar, aber von Rory Gallagher kann man gar nicht genug verschiedene Aufnahmen besitzen. Der aufmerksame Leser wird jetzt bemerken, dass ich mich über diese Sammelleidenschaft an anderer Stelle (ALLMAN BROTHERS, GRATEFUL DEAD) schon oft mokiert und lustig gemacht habe, bei Gallagher ist das etwas völlig anderes. Den konnte man anfassen, selbst live erleben, der war alle Jahre wieder hier bei uns in der Stadt und hat geschwitzt und malocht wie wir. Gregg Allman ist keiner von uns und Jerry Garcia war in unseren Gefilden eher ein irrlichterndes Phantom. Wenn ich heute auf einer CD Shin Kicker höre, muss ich lachen und habe das Bild vor Augen, als Rory irgendwann in den Achtzigern, ebenfalls im Münchner Circus Krone, bei diesem Song nacheinander drei (!) Saiten hops gingen und er feixend zur Mandoline griff und die Nummer akustisch zuende brachte. Wie viele solcher Erlebnisse hat man bei den anderen Legenden?
Hals über Kopf stürzte sich die Band 1975 in den Waschsalon (Laundromat) und zeigte den Schweizern wo der Weichspüler nicht hängt. Rory wild und ungestüm und bereit der Whiskeyflasche den Hals abzubeißen, Gerry McAvoy grundsolide wie immer und Lou Martin als Tastenzerstörer - auch wenn's mit dem tatsächlichen Geschehen nichts zu tun hat, mit so einem Opener hat eine Band von vornherein gewonnen. Oder I Take What I Want. Was bei den Soulbrüdern Sam & Dave noch nach seinem Erschaffer Isaac Hayes klang, wird bei Gallagher zu einem kontrolliert unkontrollierten Parforceritt. Bought And Sold, unbeschreiblich.
Dann fünf Nummern von 1979, allesamt in den besten bisher gehörten Livefassungen. Mit McAvoy und Ted McKenna am Schlagzeug hatte Gallagher die perfekteste Besetzung überhaupt gefunden und im Jahr vorher die unglaubliche LP "Photo-Finish" eingespielt. Genau diese Power knallte aus den Boxen in Montreux und man kann die Dynamik in The Last Of The Independents kaum begreifen, aber mit Händen fassen. Was für ein begnadeter Gitarrist, was für ein gesegneter Shouter. Beinahe vergisst man, den kuriosen Geschichten in den Texten zu folgen - Gallagher hatte wirklich die Fähigkeit zu einem großartigen Kurzgeschichtenerzähler. Aber man kann sie ja eh auswendig mitsingen, auch wenn es sinnfrei und völlig falsch aus dem Wohnzimmer kräht: "Well, I hear you, little girl, you say you've been all round this world, from Moscow to Abilene, but there's one place you've yet to see, so come along and see the Mississippi Sheiks".
Keiner, ganz ernsthaft, keiner hatte so arschtretende Akustiksets im Programm wie er. Hier gibt's Out On The Western Plain und Too Much Alcohol (one hundred percent and I won't feel no pain at all).
Zum Schluss noch den Shin Kicker und Philby vom 85er Auftritt. Was für eine Macht.
Rory, darf ich bitte der Knopf an deiner Jeansjacke sein?
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