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performs ABBA

Rock'n'Roll Mutation Vol. 1

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Riff/Raff performs ABBA - Rock'n'Roll Mutation Vol. 1
Riff/Raff performs ABBA - Rock'n'Roll Mutation Vol. 1, Eigenvertrieb, 2006
Steve Vocals
Ricky Lead Guitar
Schulle Drums
Zoltan Rhythm Guitar
Stefan Bass
Länge: 46 Min 46 Sek Medium: CD
1. Money, Money, Money6. Knowing Me, Knowing You
2. I Have A Dream7. Winner Takes It All
3. Super Trooper8. Chiquitita
4. Mamma Mia9. Dancing Queen
5. Take A Chance On Me10. Waterloo

Schon länger keinen Spaß mehr gehabt?
Die Stimme hinter mir sagt "das klingt wie durchgeknallte Osterhasen", ich schüttel mich schon seit Stunden vor Lachen und der Stampffuß ist im Dauereinsatz. Seitdem die LENINGRAD COWBOYS keine nennenswerten Platten mehr zustande bringen, hab ich vermutlich nicht mehr so debil grinsend vor dem Player gesessen. RIFF/RAFF aus dem Berliner Umland, die AC/DC-Coverband mit eigenen Songs, covert - nein, nicht Angus - ABBA! So a Gaudi.

Es ist heute ja leider kein Skandal mehr, wenn man als Rock'n'Roller sagt, dass man ABBA gut findet. Das ist schade, denn vor 25, 30 Jahren konnte man gute und schlechte Menschen noch wunderbar anhand ihrer Hörgewohnheiten separieren. Der Blödel hörte SMOKIE und ABBA, der Echte natürlich QUO, PURPLE und T.N.T.. Die Welt war eingeteilt und gerecht verteilt. Heute schütteln irgendwelche Businesstypen bei der After Work Party zu Black Betty und Highway To Hell ihr Resthirn, der zahnlose Pianist in der Lounge-Bar klimpert It's Only Rock'n'Roll und im Supermarkt läuft Sweet Home Alabama, derweil in Ehre gealterte Rocker bei gruseligen Musicals über Freddie Mercury das Taschentuch voll heulen und im Schauspielhaus exaltiert über Waterloo in der Tanzversion jubeln. Wo ist die Weltordnung hingegangen?
Anyway, ich mochte ABBA schon immer. Nicht für ihre grässlichen Schmonzetten, aber für ihre zwischenzeitlich immer wieder auftauchenden großartigen Popsongs. ABBA waren der Grund, warum ich die BEATLES nie als Rockband sondern als Popband betrachtet habe, denn beide Bands konnten die absolut tödliche Melodie entwerfen - den Hit für Millionen, ganz gleich ob alt oder jung, harter Bub oder Weichei. Es wurde Zeit, dass sich eine Band der alten Schlager annimmt und sie so spielt, wie sie auch dem verwegensten Hardrocker gefallen. Was bietet sich dafür mehr an, als eine Boogieband mit AC/DC-Hintergrund?

So ein Projekt kann fürchterlich in die Hose gehen, wenn nämlich die Originale respektlos behandelt und nur zum Selbstzweck der Persiflage verwurstet werden. Das kann man bei ohnehin schwachsinnigen Liedern gerne machen (am besten in einer dummen Comedyshow im Privatfernsehen), aber nicht bei der kommerziell erfolgreichsten Popband der Siebziger. 360 Millionen verkaufte Schallplatten gründen nicht auf schlechter Musik.
Nun grenzt das Geschrei von Frontkrähe Steve natürlich öfter an den Tatbestand der Kunstverletzung, aber was soll er machen, er klingt nunmal wie Bon/Brian Jr. (oder Jim Dandy vor vielen Jahrzehnten) und hat hier den überaus dankenswerten Job, Agnetha und Anni-Frid zu ersetzen. Mamma Mia, er quält sich wie Sau und sorgt neben einem Haufen Lacher für das was man gemeinhin Stimmung nennt. Die Choreographie möchte man live sehen (und dann grölend ein Bohlen-Püppchen einer Voodoo-Behandlung unterziehen). Nebenbei kriegt er auch noch ein paar wirklich wundervolle Interpretationen hin, Take A Chance On Me zum Beispiel, und zeigt auf, wie die beiden prüden Schwedinnen mit ein wenig Koks vielleicht hätten kreischen können.

Zum Bringer wird die CD letztendlich durch die punktgenaue Umsetzung der braven Melodiechen in hundertprozentige AC/DC-Heavy-Boogie-Stampfer. Bass, Schlagzeug und die beiden Gitarren sind so vollständig High Voltage, dass einem erstmal der Atem stockt und man dann in eine tiefe Sinnkrise verfällt, denn die Grenzen verschwimmen: Was ist noch ABBA und was ist RIFF/RAFF, was ist Pop, was ist Boogie, darf ich zu Dancing Queen headbangen oder muss ich bei Chiquitita zurück in die Tanzschule?
So wird "Rock'n'Roll Mutation" zum Waterloo für jeden Verfechter der einzig wahren Lehre und zum Bad Boy Boogie für jeden Tanztee- und Über-40-Party Besucher. Ist blöd gelaufen für die eindimensionalen Schmalspurdenker, denn es gibt nur gute oder schlechte Musik, Toleranz oder Ignoranz, Party oder miese Laune.

Let There Be Rock - und schickt RIFF RAFF Euer Money, Money, Money für diese CD!
Erscheinen wird das Gerät erst in ein paar Wochen, aber die Jungs freuen sich sicher über Eure Vorbestellungen. Also ab auf die Homepage.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.04.2006

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