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Well Oiled
Well Oiled, SPV, 2004
Spike Vocals
Guy Griffin Guitars
Nigel Mogg Bass
Paul Guerin Guitars
Keith Weir Keyboards
Pip Drums
Länge: 40 Min 05 Sek Medium: CD
1. Good To See You6. What's Your Name
2. The Finer Stuff7. Sweet As The Rain
3. Lorraine Lorraine8. The Last Fence
4. Too Familiar9. Black Mariah
5. You've Got A Nerve

Das Besetzungskarussell hat sich mal wieder etwas gedreht bei den QUIREBOYS. Jason Bonham trommelt ja mittlerweile für UFO (sein Ersatz: Pip) und für Luke Bossendorfer bearbeitet jetzt Paul Guerin die zweite Gitarre. Auf diesen Paul Guerin hab ich eigentlich große Hoffnungen gesetzt, denn der spielte Anfang der 90er in einer Kapelle namens RED DOGS und die klangen, gelinde gesagt, wie die Cousins der QUIREBOYS. Dokumentiert auf den beiden Scheiben "Wrong Side Of Town" (1990) und "Working Late" (1992).
Von den von mir erhofften Einflüssen im Stile eines Guy Bailey (früherer Gitarrist und Songschreiber der QUIREBOYS) ist allerdings kaum was zu spüren.

Leider wird man heutzutage als Kritiker oft nur noch mit Schmalspurausführungen der aktuellen CDs beliefert und so entzieht sich meiner Kenntnis, wer die "neue Quireboys" produziert hat, bzw. ob im evtl. vorhandenen Booklet sonstige Informationen (außer der "Biographie"!), oder evtl. Songtexte, Credits etc., vorhanden sind.
Wie auch immer - zur CD:
Die klingt an und für sich ganz gut, geht auch rockig los mit einem ansprechenden Riff, obwohl irgendwie der rechte Schwung für so einen Opener fehlt. Etwas enttäuschend ist für mich der Gesang von Spike: Das kommt manchmal schon sehr nahe an "Gegröle" heran. Naja, sind halt auch schon 15 Jahre seit dem ersten Major-Album der Band und mit so einem Gesangsstil leiden die Stimmbänder nicht unbeträchtlich. Bei den folgenden Songs ist das allerdings dann nicht mehr so schlimm. Trotzdem, ich vermisse etwas Melodie in seinem Gesang.

The Finer Stuff beginnt zwar mit einem eingängigen E-Piano Thema, das etwas an die BLACK CROWES erinnert, doch bald steigen die E-Gitarren ein und lenken den Song mit ein paar AC/DC-Riffs in eine rockigere Richtung. Allerdings wird das Anfangsthema sowohl von den Gitarren als auch dem Sänger im Refrain aufgegriffen und klingt so bald etwas "ausgelutscht". Vielversprechender startet Lorraine Lorraine mit hämmerndem Piano und Spikes typischer Harp hinter den Rock'n'Roll-Riffs der Gitarren, auch wenn's noch etwas "gebremst" klingt. Naja, rockt aber schon ganz prächtig und immerhin ist auch die sonst so prägnante Slide-Gitarre von Guy Griffin (erwähnte ich schon, dass ich meine schwarze Gibson Les Paul am Tag nach einem QUIREBOYS-Konzert gekauft habe?) zu hören. Damit kann man schon eher leben.
Mit Too Familiar folgt die erste Ballade des Albums. Ich meine, hier kann man schon etwas den Beitrag des neuen Gitarristen hören, der mit Griff einen schönen STONES-Country-Rhythmus-Teppich webt. Dem Refrain fehlt etwas der "Kick", aber sonst ist der Song in Ordnung. Auch You've Got A Nerve rockt passabel, vor allem das Solo sorgt für richtig Drive und befriedigt alle Chuck-Berry-Fans. Die Nummer liegt so irgendwo zwischen Show Me What Ya Got und This Is Rock'n'Roll vom letzten Studioalbum und hat somit auch wieder diesen leicht gebremst wirkenden Rhythmus.
What's Your Name schafft den Sprung in die Klasse der frühen Klassiker der Band fast. Etwas mehr AC/DC als FACES findet man heutzutage und das einzige was fehlt ist einfach ein catchy Refrain. Daran mangelt es auf diesem Album - die Gitarren kommen fast durchwegs absolut geil!
Die zweite Ballade Sweet As The Rain hätte dem zweiten Album der Chorknaben auch ganz gut gestanden und hat die erste sich wirklich im Kopf festsetzende Melodie dieser Scheibe aufzubieten. Doch, hier könnte ein neuer Klassiker der Band entstanden sein. Dazu tragen die Hammondorgel und die immer noch rauen Gitarren ebenso bei wie Spikes Gesang, der wie in besten Zeiten klingt. Kein I Don't Love You Anymore, aber hart auf dessen Fersen!
Als wenn diese Initialzündung gefehlt hätte, hämmert die Band mit The Last Fence den Up-Beat-Rocker hinterher, auf den ich schon seit einer halben Stunde warte. Ja, da geht's plötzlich wie zu Sex Party-Zeiten ab und jeder gibt einfach Gas. So muss das klingen, meine Herren, und ich hab keinen Zweifel, dass das auch auf ihren Konzerten der Fall sein wird. Da profitiert auch das folgende Black Mariah noch von diesem plötzlich entstandenen Schwung. Es wird zwar wieder einen Gang zurückgeschaltet, aber die Fenster bleiben unten, die Gitarren zerren am Steuer und das Keyboard schiebt von hinten, während sie der Black Mariah hinterher jagen.

Also doch noch ganz "gut geschmiert". Allerdings hätte man vielleicht besser das "Good-Time-Rock'n'Roll"-Leichtlauf-Öl verwenden sollen. Da sind ihnen die DIAMOND DOGS im Moment eine Wagenlänge voraus.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.06.2004

So richtig vorwärts geht es mit der von uns so geliebten Rock & Roll-Musik nicht. Die einen (nur ein Beispiel: Rod Stewart) sind alt und völlig verweichlicht, die anderen (BLACK CROWES for example) haben sich längst aufgelöst und die nächsten dümpeln irgendwo im Nirwana herum. Tourneen - wenn überhaupt - in kleinen Clubs, die Plattenverkäufe auf Amateurbandniveau, einzig der Alkoholkonsum stimmt bei manchen. Seit ein paar Jahren sind wenigstens die QUIREBOYS wieder eine gewisse Konstante, auch wenn mich ihre letzte Platte "This Is Rock'n'Roll" nicht dauerhaft so begeistern konnte wie der Erstling "A Bit Of What You Fancy". Und die ist immerhin auch schon fast 15 Jahre alt. Wie die Zeit vergeht. So lang haben die großen Q.-Boys-Vorbilder, die FACES natürlich, nicht durchgehalten.

Neue Platte, wieder neue Plattenfirma, wieder neue Leute neben Spike, Guy Griffin und Nigel Mogg, der Hype der frühen Jahre ist eh längst vorbei und die Erwartung schwankt zwischen hoch und der Befürchtung, dass die jetzt auch endgültig in die Hosenbiesler-Liga abgestiegen sind (Hosenbiesler, der: Bettnässer, vgl. auch mit Weichei).

Und dann das! Die wohl härteste QUIREBOYS-Nummer aller Zeiten detoniert beinahe metallisch kreischend und alles ist gut, alle Bedenken sind hinweggefegt. Good To See You ist ein Hammer! In der Härte kann es natürlich nicht weitergehen, das wären letztendlich auch nicht mehr die QUIREBOYS die man kennt. Aber eine höchst erfreuliche Horizonterweiterung und vor allem ein perfekter Opener ist es allemal.
Dann kommt ein gemütliches FACES-, äh, Fender-Rhodes-Intro. Das allerdings eilig von einem puren AC/DC-Riff abgelöst wird. The Finer Stuff, fürwahr. Hey, was ist denn los? Auch die Lorraine rockt und rifft mit Harp und Volldampf daher. In den Jungbrunnen gefallen, oder was? Ain't nothing but a good time...
Bei den beiden Balladen muss man sich, wie üblich bei dieser Band, nicht grausen, es klingt zwar wie schon mal gehört, aber ohne Peinlichkeit und Schmalz. Schöne Nummern. Dafür ist You Got A Nerve irgendwie etwas langweilig ausgefallen. Hatten wir auch schon, und zwar fetziger.
Riff as Riff can bei What's Your Name, Spike klingt beinahe normal wenn er sich ein wenig zurücknimmt, kleine feine Boogie-Licks, die Nummer dürfte live richtig knacken.

Das einzige Manko dieser CD ist die Kürze. 40 Minuten ist einfach zu wenig heutzutage. Vor allem, wenn die Platte mit den Nummern 8 und 9 einen klassischen Rock'n'Roller und einen wunderbaren 6-minütigen Abgeher am Start hat. Da MUSS noch was kommen. Tut es aber nicht, leider. Trotzdem, "Well Oiled" ist die zweitbeste QUIREBOYS-Platte (selbstverständlich mit weitem Abstand, denn an Geniestreiche wie 7 o'clock, Sex Party oder I Don't Love You Anymore kommen sie wahrscheinlich nie mehr ran) und sie hilft einem in beschissenen Tagen.

P.S.: Jetzt kann ich es ja sagen. Ich hab diese Zeilen unabhängig vom Kollegen Epi geschrieben. Einfach so, eigentlich nicht zur Veröffentlichung hier gedacht, in einer langen dunklen Nacht, derweil die QUIREBOYS immer und immer wieder liefen und dazu der Wein. "Well Oiled" ist eine wunderbare CD geworden, THE QUIREBOYS haben in dieser Verfassung mehr Daseinsberechtigung denn je und in meinen Ohren kommt zur Zeit keine andere vergleichbare Band an diese Jungs ran. Auch nicht die angeführten DIAMOND DOGS, die zwar wieder ein phantastisches Album abgeliefert haben, aber trotz allem Rock & Roll nicht die Öffnung in Richtung Heuler wie Good To See You geschafft haben.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.06.2004


 
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