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One Hand Free

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One Hand Free
One Hand Free, Halt Music, 2004
Andrew Blowen Lead & Backing Vocals, Keyboards
Geoff Taylor Bass, Vibe (?) Guitar (Days), Percussion
Basil Clarke Acoustic & Electric Guitars
Kelly Bower Drums
Josh DiJoseph Acoustic Guitar (Days & Lay Your Body Down), Electric Guitar (If I See You), Slide Guitar (Now You Know & Lay Your Body Down)
Lauren Wool Backing Vocals (Days & Lay Your Body Down)
Produziert von: Josh Di Joseph Länge: 45 Min 31 Sek Medium: CD
1. Now You Know6. If I See You
2. Come On Strong7. Devil's Tongue
3. I Told You8. Pretend
4. Days9. 1963
5. Lay Your Body Down10. School

Man kann ONE HAND FREE mit vielen Bands vergleichen. Von mir aus auch mit GOV'T MULE, passt ja in gewisser Weise. Aber ein Vergleich wurde von allen bisherigen (Be-)Schreibern vergessen: Dieser Sänger und Hammond-Mann Andrew Blowen klingt in vielen Teilen der CD dermaßen nach Bruce Brookshire von DOC HOLLIDAY, dass weitere Vergleiche im Grunde völlig überflüssig sind. Warren Haynes meets Bruce Brookshire. Gut abgehangene Musik aus dem Süden (der U.S.A. selbstredend) mit einem fetten Schuss "British Invasion".

Warum die Platte erst mit 2 Jahren Verspätung bei uns in Europa angekommen ist, erklärt sich durch den Gesamtzustand dieser Art von "Classic Rock" von selbst. Es juckt kein Schwein der Industrie, ob sich einmal mehr eine gute bis sehr gute Band den Arsch abspielt - sie ist nicht kommerziell verwertbar, klingt retro und entspricht nicht dem gerade vom Vorstand vorgegebenen Trend. Ergo wird solche Musik negiert und die Fans, die es so sicher gibt wie irgendwo auch Fans des VfL Wolfsburg, wissen halt nichts von der Existenz einer hörenswerten Scheibe, bis ein paar rührige Mailorders aus eigenem Antrieb tätig werden.
Auch mir geht es so, betone aber ausdrücklich, nichts mit dem VfL aus Wolfsburg am Hut zu haben. Sind uns halt ein paar prächtige Rocksongs bisher entgangen. Und, das sei bitte nicht unerwähnt, ein paar recht langweilige Versuche erspart geblieben. "One Hand Free" ist keine durchgängig aufsehenerregende CD, einigen Songs mangelt es einfach an Spannung und Spontanität. Aber der Großteil von "One Hand Free" ist geiler Sound (und der Rest wie immer Geschmackssache), den die Band selbst als "New old stock american rock" bezeichnet. Die Betonung sollte dabei nicht auf "american" liegen (s.o.), ansonsten passt die Bezeichnung.

Des Rezensenten Lieblingslied ist, neben dem furiosen Come On Strong mit seinem grandiosen Bass-Groove, das vor Rockhistory-Feeling strotzende 1963 und drückt die gesamte Bandbreite der Band aus: Hammond-betriebene Gitarrenpower mit Heart & Soul-Rock'n'Roll Powerhouse-Gesang. Diese Röhre zieht sich durch sämtliche Songs und rettet die schwächeren vor der Beliebigkeitsfalle, aber zum Glück ist die Mehrheit alles andere als beliebig. Modern aber auch nicht! Dafür wird zu viel zitiert und zu wenig auf neue Töne gesetzt. Das wiederum ist erstens logisch und zweitens überhaupt nicht schlimm oder schlecht, es ist halt Rock & Roll, der hier in seinen vielen besten Momenten wie aus dem Wunschzettel des Vielhörers klingt: Prickelnd, spannend, ein bisschen "gefährlich" und eine gute Zeit bereitend. Was will man mehr als die geile Steigerung im zuerst balladesken Lay Your Body Down, die Verspieltheit mitsamt coolen Keyboard-/Synthesizertönen in Devil's Tongue und School, die insgesamt formidable Leistung des Bassisten (I Told You genau anhören!) und des Drummers und natürlich einen solchen Gesang. Das hat Klasse und Stil.

Bliebe zu klären, ob die Band live mehr in die Jam- oder in die hart rockende Ecke tendiert, oder ob sie gar beides verbindet - auf der Homepage kann man sich einen Gig von 2004 anhören, das hilft bei der Meinungsbildung vielleicht. Eines kann ich verraten: Wie DOC HOLLIDAY klingen O.H.F. on stage nicht. Und nach GOV'T MULE auch nicht. Oder etwa doch? Tönt die Gitarrenlinie in Lay Your Body Down gar nach Dörfler & Berner?
Der auf der CD agierende Gitarrist ist inzwischen nicht mehr dabei und durch den damaligen Produzenten Josh DiJoseph ersetzt. Momentan scheint die Band sich in der Vorbereitung für das zweite Album zu befinden. Man darf gespannt sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.02.2006

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