HoR Logo kl CD-Review:

Neil Young

Are You Passionate?

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Neil Young > Are You Passionate?

Are You Passionate?
Are You Passionate?, Reprise Records, 2002
Neil Young Vocals, Guitar, Piano
Booker T. Jones Organ, Vibes, Vocals
Duck Dunn Bass, Vocals (Differently)
Steve Potts Drums, Bongos, Tambourine
Frank "Poncho" Sampedro Guitar, Vocals
Tom Bray Trumpet
Regi & Astrid Young Vocals
Billy Talbot Bass (Goin' Home)
Ralph Molina Drums & Vocals (Goin' Home)
Produziert von: Neil Young & Booker T. Jones Länge: 65 Min 51 Sek Medium: CD
1. You're My Girl7. Goin' Home
2. Mr. Disappointment8. When I Hold You In My Arms
3. Differently9. Be With You
4. Quit (Don't Say You Love Me)10. Two Old Friends
5. Let's Roll11. She's A Healer
6. Are You Passionate?

Aus dem Jahr 1966 stammen die ersten Töne in meinem CD-Regal von Neil Young, damals noch zusammen mit Stephen Stills u.a. als BUFFALO SPRINGFIELD.
Viele, viele Jahrzehnte später, und nachdem die Young-Fans so ziemlich alles mitgemacht haben, von den allerhöchsten Höhen, wie z.B. dem 1972er Album "Harvest", das unbestritten zu den besten Alben aller Zeiten gehört, über die allertiefsten Tiefen, wie z.B. dem 1982er Album "Trans", das unbestritten zu den schlechtesten Alben aller Zeiten gehört, hat sich dieser Mann einen Status erspielt, den man wohl in etwa mit den Worten umschreiben kann: Der darf alles!
Und egal was er macht, immer hat man das Gefühl einer übernatürlichen Wahrheit ein Stück näher gekommen zu sein. Keine schnöde weltliche Wahrheit, nicht dass man dann irgendwas besser könnte, sondern einer musikalisch spirituellen Wahrheit. Doch, doch, irgendwo liegt da irgendwas Übernatürliches in seiner Musik – ganz sicher!

Und nun haben wir es also, das neue Album "Are You Passionate?", schmeißen es andächtig in den Player und was hören wir? Wir hören eine süffisante Frauenstimme, die da sagt: "Also in der Karaoke-Bar würde man den auslachen!"
Sie hat natürlich recht, meine Freundin, aber so würden wir das natürlich nicht formulieren, obwohl es den Opener You're My Girl in der Tat auf den Punkt bringt. Dabei liebt sie ihn ebenso innig, wie... ja, wie sich das gehört.

Mir gefallen die Liebeslieder am besten. Der Kontrast zwischen Youngs schleimig sülzendem Geseiere auf der einen Seite und knackigem Schlagzeug, sowie knarrenden E-Gitarren auf der anderen Seite ist dermaßen aufwühlend – herrlich! Und in diesen Genuss kommt man gleich mehrfach. Jaja, es ist schon ein ziemliches Ich-liebe-Dich-Du-liebst-mich-oder-nicht-Album.
...und das ist auch gut so! Denn schließlich ist Young der Meister des triefenden Love-Songs. Er ist der einzige, bei dem man sich gerne suhlt.
Warum? Weil man es ihm abnimmt! Wenn er singt "Hey Baby / I'm your man / I know I treated you bad / But I'm doin' the best I can", dann spürt man, dass er nicht aus niederen Instinkten ein weibliches Wesen besoffen quasselt, sondern mit seinem ganzen Leben hinter diesen Worten steht!
Ein Text sticht allerdings hervor: "I know I said I love you / I know you know it's true / I got to put the phone down / And do what we gotta do / One standing in the aisle way / Two more at the door / we got to get inside there / Before they kill some more."
Let's Roll gedenkt der amerikanischen Nationalhelden, oder muss man Märtyrer sagen, die am 11. September das letzte Attentat verhinderten, indem sie ihr Flugzeug vorzeitig/rechtzeitig zum Absturz brachten. Sicherlich ein würdiges Thema! Man hat das Gefühl, hier singt mal wieder jemand über "etwas Wichtiges", so traurig der Anlass auch sein mag...
Zurück zur Musik: Auch die Freunde schrammelnder CRAZY HORSE-Unterstützung kommen mit Going Home zumindest einmal auf ihre Kosten.
Ansonsten hat man ständig das Gefühl, zwar eine klanglich perfekte, aber keine sorgfältig abgemischte Platte zu hören, sondern einer knackigen Jam-Session beizuwohnen. Aber ist das etwas Schlechtes? Wer's mag, und ich mag's, der findet im letzten Song She's A Healer einen größeren Leckerbissen: einen 9-Minuten Monster-Groove mit herrlich diffuser Trompete und zielloser Gitarre. "Let the good times go"!

Fazit: Für mich ist "Are You Passionate?" kein herausragendes, aber doch ein überdurchschnittliches Young-Album. Es enthält keine Monster-Songs, aber doch eine Reihe kleinerer Highlights, und keinen Aussetzer... naja, vielleicht einen: Be With You vermittelt den Eindruck, Young wolle eine relativ junge Frau anbaggern, eine ziemlich relativ junge... so etwa 16-jährig?! Die würde bestimmt auf die Wort- und Sound-Wahl stehen?! Und dann noch das zu einem kleinen Poster auffaltbare Booklet... Da kommen mir Zweifel über die Zielgruppe...
Ach, beinahe hätte ich's vergessen... ;-) Meine persönliche Note: gute sieben von zehn möglichen Ohren!

Und DER WAHRHEIT bin ich ganz sicher wieder ein Stück näher gekommen, ehrlich! Glaub' ich.

Andreas Futschik, (Artikelliste), 07.04.2002

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > CD-Reviews > Neil Young > Are You Passionate?

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum