HoR Logo kl CD-Review:

Logo Molly Hatchet

Southern Rock Masters

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Molly Hatchet > Southern Rock Masters

Southern Rock Masters
Southern Rock Masters, Deadline Music, 2008
Phil McCormack Lead Vocals & Harmonica
Bobby Ingram Lead-, Slide & Acoustic Guitars, Background Vocals
Dave Hlubek Lead Guitars
John Galvin Keyboards, Hammond B-3 & Background Vocals
Tim Lindsey Bass & Background Vocals
Shawn Beamer Drums & Percussion
Produziert von: Bobby Ingram Länge: 73 Min 47 Sek Medium: CD
1. Sharp Dressed Man10. Wild Horses
2. The Boys Are Back In TownBonus Live Tracks:
3. Desperado11. Whiskey Man
4. Bad To The Bone12. Beatin' The Odds
5. Dreams I'll Never See13. Flirtin' With Disaster
6. MelissaDeluxe Digital Version:
7. Mississippi Queen14. Free Bird (with Charlie Daniels)
8. Tequila Sunrise15. Flirtin' With Disaster (Studio Version)
9. Tumbling Dice

Und es geht weiter, immer weiter, auf der Hühnerleiter. Allerdings in eine Richtung, die Bobby Ingram nicht gefallen wird. Das große Schiff MOLLY HATCHET ist im gefährlichen Brackwasser gelandet und es darf bezweifelt werden, ob die CD "Southern Rock Masters" (ein legendär bescheuerter Titel übrigens) als Lotsenboot in klarere Gewässer führt. Nein, es geht nicht darum, dass "Southern Rock Masters" ein Album mit Coversongs ist, im Gegenteil, das ist eine prima Idee, schließlich kennt sich Ingram mit Plagiaten aus, es geht zum Beispiel um die neue Plattenfirma der früheren "Epic recording artists". Deadline Music, ein Unterlabel von Cleopatra Records, heißt diese Weltfirma. Bye bye SPV, tschüss Fleischtöpfe, say hello to Tristesse… Und sprechen wir auch ein letztes Mal von der Rückholung des ehemals bösesten aller Hatchet-Gitarristen, Dave Hlubek. Es war dies die albernste Idee Ingrams seit dem Abschied von Bryan Bassett, ein plumper Promotrick, nichts weiter. Zu klären wäre einzig, ob eine Hand reicht, oder ob man doch zwei braucht, um die von Hlubek auf dieser CD gespielten Töne (von Soli spricht eh keiner mehr) zu zählen. Nun endlich dürfte auch dem letzten Traumtänzer klar werden, dass nicht Hlubek sondern Duane Roland DER Gitarrist der glorreichen Jahre war. Wer es nicht glaubt, hört sich bitte die Demoversion von Oh, Atlanta auf dem gutklassigen GATOR COUNTRY Livealbum an. Nein, es läuft nicht gut für MOLLY HATCHET. Aber jetzt geht es nicht um den Abstieg einer Legende, jetzt geht es um die neue CD "Southern Rock Masters".

Zuerst: Die Songauswahl dieser Cover-CD ist mindestens zur Hälfte überraschend und auch mutig, auch wenn man fast alles schon auf den unzähligen Japan-CDs als Bonus gehört hat. Dafür gebührt Bobby Ingram ein dickes Lob. An ZZ TOP, THIN LIZZY, die EAGLES, George Thorogood und die STONES muss man sich erst heranwagen. Respekt dafür. MOUNTAINs Mississippi Queen und die beiden Nummern der ALLMAN BROTHERS (Melissa und, logisch, Dreams) waren leicht vorherzusagen, dafür ist das gemeinsam mit Charlie Daniels aufgenommene Free Bird (nur enthalten auf der "Deluxe"-Digital-Version) ein echtes Spektakel. So viele Ingram-Finger… Als "normalen" Bonus gibt es übrigens noch drei Songs vom letztjährigen "Flirtin' With Disaster - Live"-Aufguss. Aber eins nach dem anderen.

Sharp Dressed Man von ZZ TOP ist ein gelungener Einstieg. Einzig Tim Lindsey poltert arg hölzern und einfach gestrickt durch die Basstöne, da hätte man ihm vielleicht ein wenig mehr Groove einreden können. Dafür passt Phil McCormacks inzwischen komplett ramponierte Stimme gut, und Ingram rockt wie der Teufel. Flink wie immer tanzt sich der Gitarrenmeister auch durch LIZZYs The Boys Are Back In Town. Natürlich wurde hier im Studio gedoppelt was das Zeug hält, aber die Harmoniewand steht und auch die Backing Vocals kommen scharf. Es wäre ein interessantes Experiment, wenn man Ingram für einen solchen Song Bruce Brookshire von DOC HOLLIDAY zur Seite stellen würde. Brookshires spielerische Leichtigkeit nähme der Sache vermutlich den angestrengten Touch der heutigen Dampfhammer-Molly.
Wer Desperado von den EAGLES schon immer ertragen konnte, wird sich auch mit dieser Fassung anfreunden. McCormacks Suche nach dem richtigen Ton gelingt zwar zur allgemeinen Überraschung halbwegs, dennoch ist dieses Frey/Henley-Werk seit 35 Jahren eine Pein für jeden Rocker. Tequila Sunrise funktioniert später genauso wenig, dafür fehlt den hier beteiligten Männern schlicht das Gefühl. Ganz im Gegensatz zu Bad To The Bone, der Thorogood-Titelmelodie. Mit einem wilden Saxophon (wer ist das?), grandiosen Slide-Soli und einem kurzzeitig hemmungslos Boogie spielenden John Galvin am Piano brechen MOLLY HATCHET gewaltig ins R&B-Lager ein.
Dreams I'll Never See ist wie immer eine Leistungsschau, die andere längst spannender bieten, aber Melissa ist wirklich schön gelungen. Ein wenig mehr Zurückhaltung der Band wäre fein, aber das ist sicher zu viel verlangt, schließlich gibt auch Ingram alles bei seinem gut vierminütigen Dauersolo.
Tumbling Dice pumpt sich erfreulich auf, diesmal auch mit einem gut drückenden Tim Lindsey, jedoch ist Wild Horses eine Hinrichtung. Ein solch pappiges Arrangement hat dieses Jahrhundertwerk der STONES nicht verdient. Kleister-Keyboards, eine grenzwertige Akustikgitarre und völlig unpassender Gesang - grässlich.

Zum Schluss gibt es die erwähnten Whiskey Man, Beatin' The Odds und Flirtin' With Disaster aus dem letzten Jahr. Speziell beim zittrigen Beatin' The Odds-Mittelsolo nach einer Minute - ist das etwa Hlubek? - bekommt man das dringende Verlangen nach der vollfetten Ausgabe von GATOR COUNTRY. Möge Jimmy Farrar schnell von seinem Schlaganfall genesen, damit wir ihn und seine GATOR HATCHET feiern können. Sorry, Bobby, aber da kacken deine Lärmattacken reichlich jämmerlich ab, selbst wenn sich bei Flirtin… die Gitarren so richtig hochschrauben. Steve Holland, Paul Chapman und Linni Disse machen das eindrucksvoller. Außerdem sitzt dort Bruce Crump am Schlagzeug…

Fakt ist, dass alle Nostalgiker selbstverständlich um "Southern Rock Masters" nicht herumkommen werden, es ist schließlich auch eine gute handvoll toller Songs enthalten. Fakt ist aber leider auch, dass es sich nicht um eine sanfte Sandbank handelt, auf die MOLLY HATCHET aufgelaufen ist, sondern um ein tückisches Riff, das dem Dampfer den Bug aufgeschnitten hat. Es mehr als ungewiss, ob der Kapitän noch die Kraft hat, volles Rohr zurück in eine neue Zukunft zu steuern. Man darf sich langsam auf den endgültigen Abschied der Mississippi Queen einstellen, auch wenn's weh tut.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.08.2008

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > Molly Hatchet > Southern Rock Masters

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum