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Molly Hatchet

Locked And Loaded

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Locked And Loaded
Locked And Loaded, SPV, 2003
Bobby Ingram Lead Guitars
Phil McCormack Lead Vocals, Harmonica
Russ Maxwell Lead Guitars
John Galvin Keyboards
Andy McKinney Bass
Länge: 112 Min 24 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Introduction7. Beatin' The Odds
2. Whiskey Man8. Mississippi Moon Dog
3. Heart Of The U.S.A.9. Miss Saturday Night
4. Gator Country10. Edge Of Sundown
5. Tatanka11. Dreams I'll Never See
6. Down From The Mountain
CD 2:
1. Bounty Hunter7. Tumbling Dice
2. Dead And Gone (The Redneck Song)8. Why Won't You Take Me Home
3. White Lightning9. The Journey
4. Fall Of The Peacemakers10. Devil's Canyon
5. Saddle Tramp11. Flirtin' With Disaster
6. Gypsy Trail

Folgendes Streitgespräch ergab sich zwischen mir und meinem ständigen Begleiter Harvey, als wir "Locked And Loaded" dieser Tage erstmals hörten:

Harvey: Boah, was für ein pathetischer Mist.
Fred: Spinnst Du? Oh Fortuna ist für HATCHET das optimale Intro! Vor allem, wenn sie dann so dermaßen loslegen wie bei Whiskey Man. Ist halt Southern Rock. Harte Männer, laute Gitarren, echte Gefühle.
H.: Jaja, und demnächst findest Du MANOWAR auch geil, oder? Und außerdem, Du warst doch auch bei den letzten Tourneen. Hast Du da jemals so viele Leute gesehen, wie auf der CD hier grölen?
F.: Das sind auch Aufnahmen vom Wacken-Festival von vor 2 Jahren. Da waren bestimmt viele Leute.
H.: Und diesen aufgeblasenen Sound haben die auch live gebracht? Das hab ich irgendwie anders in Erinnerung. Und seit wann haben Hatchet nur noch einen Gitarristen?
F.: Hör doch auf! Sei froh, dass es endlich eine amtliche Live-Dokumentation von Hatchet in der heutigen Zeit gibt. Mir hängen die miesen Bootlegs zum Hals raus. Bobby Ingram ist halt nun mal der Chef und er spielt doch die meisten Gitarren. Und gut ist er sowieso.
H.: Und die fiesen Overdubs? Das gesampelte Publikum? Die gedoppelten Gitarren? Die fehlende zweite Lead? Die irrationalen Drums?
F.: Ist mir scheißegal!

Das Gespräch gipfelte schließlich in wüsten Beschimpfungen und einem Abend, der Harvey und mich an getrennten Biertischen enden ließ. Als wir am nächsten Tag - mit grausigem Hangover - beim Frühstück saßen, fing der alte Sack wieder zu nörgeln an:

H.: Hast Du dir das Cover schon genauer angeschaut? Oder verweigerst Du jetzt auch normale Wahrnehmung von Buchstaben?
F.: Ach Gott, bloß weil Banner Thomas versehentlich als Bonner geschrieben wird und Bob Seger mit Pete Seeger verwechselt wird. Ist doch albern, wir wissen doch, wer gemeint ist. Und das mit den Credits ist sowieso Firlefanz.
H.: Und meinen All-Time-Lieblingssong Sailor spielen sie wieder nicht.
F.: Heul doch, Memme!

Ich habe Harvey dann in den Schrank gesperrt und seither läuft die CD nur noch für mich. Ich mag sie nämlich.
Gut, den einen oder anderen Einwand von diesem Kerl muss man gelten lassen. Oder auch nicht?

Die Songauswahl ist auf jeden Fall ganz ganz groß. Alle Knaller werden gespielt. So war's auch live in den letzten Jahren. Und so manche Nummer gewinnt in der Livefassung unheimlich. Das donnert und ballert teilweise unfassbar daher. Mehr Southern Boogie geht nicht.
Dass Phil McCormack Extraklasse ist, braucht man nicht erwähnen. Der Mann kann natürlich nur brüllen, das aber mit unvergleichlichem Stil.
Bobby Ingram ist sicher der schnellste lebende Gitarrist westlich und östlich des Mississippi und John Galvin kann, wenn er das Boogiepiano bedient, ein echter Ersatz für die fehlende dritte Gitarre sein.

Natürlich sind alle XXL-Nummern auch vertreten. Gator Country, Edge Of Sundown, Dreams..., Fall Of The Peacemakers, Saddle Tramp, Gypsy Trail (mit reichlich schlechter Plastik-Fiddle) und The Journey. Aber die sind größtenteils mit solch wahnwitzigen Gitarrenschlachten veredelt (auch wenn sie nur von einer Gitarre bestritten werden), dass man automatisch vor dem Stereo sitzt und mit allen Extremitäten wackelt. Mit ALLEN!

Für einfache Gemüter - wie Harveys Kumpel - gibt es unvergleichliche Boogies und Rock & Roller. Natürlich Beatin' The Odds (und natürlich falsch geschrieben), White Lightning (gottchen, das marschiert), die letzten Helden unserer Zeit (Cowboys und Biker) werden gepriesen, Tumbling Dice von den (noch olleren) STONES detoniert schier exstatisch, nur um in den Headbang-Killer Why Won't You Take Me Home zu kulminieren.
Und wer nach 6 Minuten Flirtin' With Disaster nicht endgültig am Boden liegt ist ein Harter und darf bei der nächsten Tour wiederkommen.

Schlusswort von Harvey: "Ich bin nie auf die alte ,Double Trouble - Live' gestanden und die neue hat wenigstens 'nen besseren Sound. Scheiß auf die Ehrlichkeit und Wichtigkeit dieser Scheibe."

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.02.2003

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