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Mitch Ryder

The Acquitted Idiot

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The Acquitted Idiot
The Acquitted Idiot, BuschFunk, 2006
Mitch Ryder Vocals, Tambourine, Guiro,Thai-Frog, Hand Clapping
Wolfram Bodag Piano, Organ, Keyboards
Heiner Witte Guitars
Manne Pokrandt Bass, Guiro, Shaker, Keyboards, Hand Clapping
Hannes Schulze Drums
Gisbert Piatkowski Guitar, Charrango
Waldi Weiz Guitar
Angelika Weiz, Ricarda Ulm, Craig Burton, Lutz Grüne Backing Vocals
Paul Schwingenschloegel Tambourine
Valery Khoryshman Accordeon
Maxi Schrader & Marie Gruber Spoken Words
Produziert von: Mitch Ryder & Manne Pokrandt Länge: 48 Min 21 Sek Medium: CD
1. If You Need The Pain7. Nobody Hates You
2. Last Night8. What We Believe
3. The Testament9. You Taught Me How To Cry
4. Don't U Lie10. Say Goodbye
5. It's Broken11. The Wishlist
6. Star No More12. Hit N' Run Lover

Woche der Ausnahmesänger im HoR. Nach Graziano Romani und Eric Burdon kommt nun Mitch Ryder mit seinem neuen Album "The Acquitted Idiot".
Man hat den alten Narren also freigesprochen. Nur, wie lautete eigentlich die Anklage? Lebenslanger Nonkonformismus? Mangelhafte Chancenverwertung? Sturheit? Mangels Beweisen kam der Freispruch sicher nicht zustande, eher wegen fehlender Tatbestände. Mitch Ryder hat größtenteils sich selbst geschadet, dauerhaft in Mitleidenschaft gezogene Dritte konnten nicht ermittelt werden und durchs Fegefeuer ging der Mann sowieso schon zu Lebzeiten.

William Levise nutzt seine Zeit zur Besinnung, Reflektion, Nachdenklichkeit, Spiritualität. Gut, dass ihm nach wie vor die Männer der Band ENGERLING zur Seite stehen, um die so entstandenen Lieder zu vertonen. Dem Hörer entginge ein Ohrenschmaus und Ryder müsste sich mit Mietmusikern quälen und am Ende möglicherweise auch noch uninspirierte, seelenlose Musik veröffentlichen, wenn er ohne diese Band überhaupt noch veröffentlichen würde.
Im Grunde unterscheidet sich "The Acquitted Idiot" nicht sonderlich von den letzten, nein, von sämtlichen seiner Alben. Natürlich ist nicht mehr der wilde (Hard-) Rock der Siebziger zu hören, natürlich hat Ryder das Blues-Kapitel mit "A Dark Caucasian Blue" erschöpfend und mit Grandezza behandelt und der Detroit-Soul der Sixties ist weitgehend auch erledigt, aber die Stimme ist noch immer da und macht, völlig egal ob heftig rockend oder intensiv "predigend", aus jedem einzelnen Song ein unkopierbares Mitch-Ryder-Original. Am wichtigsten ist zweifelsohne seine nach wie vor unantastbare Fähigkeit, Songs mit Aussage zu schreiben. Verständliche, teilweise durchaus diskussionswürdige Statements und Meinungen, Zustandsbeschreibungen, Einblicke in das Geistesleben eines tatsächlich im völlig normalen Leben stehenden Menschen.
"The Acquitted Idiot" kommt dem Hörer sehr sehr nahe. Kein Seelenstriptease, kein intellektuelles Sticheln mit dem gespitzten Zeigefinger, nur ganz natürliche Eindringlichkeit - inklusive der ein oder anderen Beschimpfung ("Munich folks are awful proud, they drink too much they talk too loud...; The Wish List, ein Sahnestück).

Ryder gibt im Booklet kurze Erklärungen zu den einzelnen Songs, die man zum Verständnis parallel zu den Texten lesen sollte. Wer nicht besonders auf textliche Aussagen achtet, wird natürlich auch bestens bedient. Die Band zockt wieder einmal wie aus dem Lehrbuch, geht auf Ryder ein, hält die Spannung immer hoch, egal ob Funk, Rock, Blues, Soul, Gospel, Ballade, Tex-Mex oder Ragtime. So wird zum Beispiel mittels diverser Sänger/-innen die leicht seltsam anmutende, "deutschlisch" gesungene Beschreibung der deutsch-amerikanischen Beziehungen Es ist zerbroken zu einem dramatischen Epos. Wenn Ryder in Star No More einen gedanklichen Schlussstrich unter seine Karriere zieht, weckt Wolfram Bodag am Piano die Hoffnung auf sofortiges Umdenken des Meisters, und wenn Heiner Witte immer und immer wieder seine Gitarrenlinien zieht, sind Ryders frühere Gitarristen zu Showklampfern degradiert.
Als Bonus gibt es eine 67er Aufnahme namens Hit N' Run Lover. Klassischer Ryder-Soulrock jener Zeit, damals, wie so vieles in seiner Laufbahn, nicht zu Ruhm und Ehre gelangt. Produziert wurde die Nummer seinerzeit von Ivan Kral (Patti Smith, Iggy Pop etc.) und zu hören sind Mitglieder der obskuren und für Motown unendlich wichtigen FUNK BROTHERS.

Eine wundervolle Platte für Hörer mit Lust auf Musik und Emotion.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.02.2006

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