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Mitch Ryder

feat. Engerling

A Dark Caucasian Blue

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BuschFunk
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All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
A Dark Caucasian Blue
A Dark Caucasian Blue, BuschFunk, 2004
Mitch Ryder Vocals, Harp & more
Wolfram Boddi Bodag Piano, Organ, String Programming
Heiner Witte Guitar
Robert Gillespie Guitar
Manne Pokrandt Bass
Vincent Brisach Drums
Gäste:
Waldi Weiz & Gisbert "Pitti" Piatkowski Additional Guitars
Eb Davis, Angelika Weiz, Ricarda Ulm Background Vocals
Produziert von: Manne Pokrandt Länge: 46 Min 03 Sek Medium: CD
1. Yeah, You Right7. The New Mother
2. From A Buick 68. Just One More Beautiful Day
3. I Guess I'm Feeling Blue9. Dear Lord Won't You Help This Child
4. Detroit (By The River)10. Another Bout Justice
5. The Porch11. Decidedly British Blues
6. Maikäfer fliege12.How How How How (The Spider Gets Hungry)

An dieser Stelle ein kurzes Vorwort in eigener Sache. Immer wieder wird uns Inkompetenz und Ignoranz im Rahmen unserer Crosschecks vorgeworfen. Sinn und Zweck dieses X-Checks ist 1. der Spaß an der Sache, 2. die Darstellung, mit welcher Leidenschaft wir hinter der Musik stehen die uns gefällt (oder eben nicht) und 3. das Aufzeigen, dass Musik NICHT mit realen, messbaren und objektiven Maßstäben bewertbar ist. Die Tatsache, dass keiner der Autoren von der Meinung der jeweils anderen vor Veröffentlichung weiß, macht dieses Spiel für uns spannend (und hoffentlich auch für Euch Leser).
Immer wieder - und gerade im Fall Mitch Ryder - bin ich (FS), als Schlußredakteur, von der "Urgewalt" des geschriebenen Wortes beeindruckt, manchmal sogar erschüttert. Die Geschmäcker sind verschieden, manchmal hat man einfach "kein Ohr" für eine bestimmte Musik und insofern ist keiner unserer Crosschecks - ganz genau wie alle unsere Reviews - der Weisheit letzter Schluss. Ihr müsst Euch schon eine eigene Meinung bilden. Wir wollen nur Eure Aufmerksamkeit für die Musik.
Und jetzt: Nehmt Euch ein bisschen Zeit und viel Spaß beim bisher längsten und kontroversesten Crosscheck in der Geschichte des Home of Rock.

Oh ja, es ist Blues! Blues wurde nicht erfunden von irgendwelchen britischen Kunststudenten, auch nicht von Gitarren würgenden Flitzefingern die auch Hausfrauen begeistern, und Blues hat mit Leidenschaft zu tun. Nicht zwangsläufig mit Leiden!

Mitch Ryder begeistert keine Hausfrauen, ist kein Student (britisch schon gar nicht) und er hat gelitten. Ziemlich reichlich sogar. Das hat ihn allerdings nicht der Leidenschaft beraubt und mit "A Dark Caucasian Blue" hat er ein Werk vorgelegt, das ihm offenbar seit Jahren durch den Kopf ging und erst reifen musste, bis es nun endlich entstehen konnte.
"Reifer Blues" klingt zuerst mal schauderhaft: Ältere Musikanten pressen auch noch die letzte blaue Note aus uralten, jahrzehntelang wiedergekäuten Vorlagen und reißen damit den Bildungsbürger zu Begeisterungsstürmen hin. "Was der nette alte Mann noch drauf hat" hört man dann bei den Konzerten und der mittelalte Mittelschullehrer nebst Gattin kann seine Zivi-Nostalgie kaum verbergen, so ergriffen ist er vom hingebungsvollen Getattere auf der Bühne.

Oh nein, "A Dark Caucasian Blue" hat mit all dem nichts zu tun! William Levise, der begnadete Shouter, der Querkopf, ist noch nicht ganz 60 Jahre alt, er hat so ziemlich alle möglichen Karrierephasen hinter sich und doch lebt er und vor allem seine Musik im Hier und Heute.
Seitdem er sich mit der deutschen Band ENGERLING zusammengetan hat, tourt er wieder regelmäßig bei uns und begeistert die Leute mit ehrlichem Rock, Blues, Soul und er hat etwas zu sagen. Er sagt das auch in aller Deutlichkeit und stößt damit viele vor den Kopf. Gut so.

"A Dark Caucasian Blue" ist in zweifacher Hinsicht ein Meisterwerk. Erstens hat Ryder ein Dutzend unglaublich packende Songs am Start (gesanglich ist er sowieso absolut over the top) und zweitens spielen ENGERLING als ob es ums nackte Überleben ginge. Noch nie (!!) habe ich von einer europäischen Bluesband so intensiven, dabei unglaublich groovigen und - trotz teilweiser Brachialität - anrührend sensiblen Sound gehört. Emotions-Heavy Metal in Blues.
Immer wieder kommen mir LITTLE FEAT in den Sinn und die sollten diese CD hören und ihr uninspiriertes letztes Machwerk schnell auf den Müll werfen. Von anderen Rolling Bones ganz geschwiegen.

Kein einzelner Song ist herauszuheben, einzig der Spirit, der Gesang, die Botschaften und die Bandleistung zählen und machen diese CD zu einem bewegenden Monument.
Ich habe keine Ahnung, wer mein Präsident sein könnte. Die bekannten Namen sind es nicht und Mitch Ryder hat wohl auch andere Vorstellungen von Präsidenten. Maikäfer flieg!
Gefühle kann man nicht benoten, aber weil es im Crosscheck nötig ist, kann es nur eine Note geben: 1 mit Stern.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.02.2004

Sympathische Langeweile vom Altmeister. Der eine oder andere Song ist eventuell in Bierlaune live genießbar. Trotzdem motiviert mich das Album nicht, seinem Gig in Rheinberg im Schwarzen Adler beizuwohnen, zumal ich ihn auch schon mal in grauer Vorzeit auf der Bühne erlebt habe.
So wird dieses etwas altbackene Blues-Werk wohl bis zum St. Nimmerleinstag in meinem CD-Regal verstauben.
Mitch, ich meine es wird Zeit, langsam an den Ruhestand zu denken...
Note 4

Daniel Daus, (Artikelliste), 01.02.2004

Manche Künstler verliert man im Laufe der Jahre ganz einfach aus den Augen. Obwohl der gute Mitch Ryder hier bei uns in Deutschland schon immer große Aufmerksamkeit erhielt. All diejenigen, die um die 40 Jahre oder älter sind, werden sich wohl noch an den zwiespältigen Rockpalast-Auftritt Ende der 70's erinnern, wo old Mitch pissevoll das Publikum anstänkerte, aber ansonsten einen formidablen Gig mit zwei bemerkenswerten Gitarristen hinlegte. Das war's dann aber auch... bei mir herrscht seitdem Funkstille.
Jetzt legt Mr.Ryder plötzlich ein ebenso stimmungsvolles wie abwechslungsreiches Blues-Album vor, um seinem inneren Drang, sich auf traditioneller roots-orientierter Ebene ein Ventil zu verschaffen, Genüge zu tun.
Letztendlich auch eine logische Konsequenz seines fortgeschrittenen Alters? Immerhin verbindet man mit einem fast 60-jährigen eher authentische Blues-Feelings, als mit einem Jungspund. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Jedenfalls weiß Mitch in seinen Texten von Emotionen wie Trauer, Sorge, Ärger, Angst, Unmut, Glück und Freude zu berichten und bewerkstelligt dies in nachvollziehbarer Form, anhand wirklichkeitsnaher Geschichten, die sein eigenes Leben widerspiegeln.
Die Genrebezeichnung Blues wird auf diesem Werk allerdings nur als alles verbindender Oberbegriff benutzt, um einerseits die unterschiedlichen Facetten dieses Stils aufzufächern bzw. sich in engverwandten Spielarten wie Gospel oder Boogie zu vergnügen. Ryders befreundete Berliner Band ENGERLING zeigt auf gekonnte Art und Weise, dass es einer deutschen, weißen Combo möglich ist, Blues-Strukturen spielfreudig und auf internationalem Niveau zu transportieren.

Alles in allem ein Album voller intensiver Gefühle und Stimmungen. Diese Songsammlung macht einfach Spaß und wird zu keiner Zeit langweilig. Und es freut mich wirklich, dass Mitch die Kurve wieder so gekriegt hat.
Hey Mitch, it's all about a mutual respect!
optimal - oder 2 - (zwei minus)

Frank Ipach (Craving Hands), (Impressum, Artikelliste), 01.02.2004

Zu meiner Schande muss ich ja gestehen, dass ich den guten alten Mitch das erste Mal bei seinem legendären Rockpalast-Auftritt 1979 wahrgenommen habe - und da auch nur zur Hälfte, da ich zwischendurch eingeknackt bin. Zwar lief das Aufnahme-Tape weiter, aber irgendwie war da nur die Hälfte drauf (zum Glück wurde der Gig später noch mal gesendet). Zwar war die Bühnenpräsenz von Mitch etwas irritierend (Alan Bangs beteuerte, er sei nicht betrunken gewesen, sondern das sei eben so die Art von Mitch, den Rock'n'Roll auszuleben - naja), aber die Musik war natürlich richtig klasse. Ein gänsehauterzeugender Shouter und eine hervorragende Band mit Gitarren satt. Ich besorgte mir natürlich so nach und nach einige Alben von Mitch und die "Live Talkies" gehört heute noch zu meinen absoluten Favoriten.
Mittlerweile sind einige Jahre ins Land gegangen und da ich musikalisch auch immer nach neuen, na sagen wir, Herausforderungen suche, hatte ich Mitch etwas aus den Augen verloren, bis ich 2002 erfuhr, dass er aus einem Tal herausgekrochen ist und jetzt mit der ostdeutschen Blues-Legende ENGERLING zusammenarbeitet. Passt ja auch irgendwie, schließlich war Ain't nobody white immer fester Bestandteil des ENGERLING-Repertoires.
Nun liegt also der langgehegte Wunsch von Mitch, eine reine Bluesscheibe, als Kooperation mit ENGERLING vor. Es ist eine Platte, die sich Zeit nimmt und für die der Hörer auch Zeit aufbringen sollte.

Yeah, you right beginnt ziemlich ruhig, beschwört die Atmosphäre einer Bluesbar herauf und bringt ein schön klimperiges Honky-Tonk-Piano von Wolfram "Boddi" Bodag. Anschließend mit From a Buick 6 ein Dylan-Song, bei dem Heiner Witte mit einem flüssig-eleganten Solo an der Gitarre glänzen kann.
Beim sehr gelungenen I guess I'm feeling blue wird es zunächst blues-rockig, bis der Song mehr und mehr in Richtung Gospel mündet.
Detroit (by the river) wartet nicht, wie man erwarten könnte, mit Motorengedröhne auf, sondern bietet einen leichten, luftigen Groove, ist mir aber zu spannungsarm. Im Akustik-Blues The porch dominiert die Harmonika, während Maikäfer fliege mal wieder aus dem Mitch'schen Kuriositätenkabinett ist (remember Er ist nicht mein Präsident). Ist es eine Verbeugung vor dem deutschen Publikum, das ihm immer die Stange gehalten hat, oder nur ein Intro für den nächsten Song The new mother, einem eindringlichen Anti-Kriegs-Song, dessen rockiger Ductus in einem Gospelchor aufgelöst wird? Wer weiß.
Den Gute-Laune-Soul von Just one more beautiful day finde ich zu glatt und belanglos (in guter Stimmung entstehen meist schlechte Songs), schön ist dagegen der traditionelle 12-Takter Dear lord won't you help this child mit dem warmen Sound einer Hammond B 3 und (wieder) einem Gospelchor im Refrain.
Das druckvolle Another bout justice ist eine Anklage gegen das monetär orientierte US-Justizsystem, während Decidedly british Blues nach Kirchenlied klingt und doch etwas bizarr aus den Boxen tönt. Beim abschließenden klassischen Delta-Blues How how how how kann Heiner Witte mit geschmeidigem Stratocaster-Spiel glänzen.

Fazit: Ein recht gelungenes Werk (soll man es Alterswerk nennen?), Mitch setzt statt auf Power der früheren Jahre hier auf Eindringlichkeit, für eine Bluesscheibe ist "A dark caucasian blue" auch sehr vielseitig geworden, man merkt auch, dass die Stücke über viele Jahre hinweg entstanden sind, wodurch erhebliche Stimmungs- und gelegentlich auch Qualitätsschwankungen entstehen. Aber derartige Höhen und Tiefen passen ja perfekt zum Blues. Stimmlich scheint Mitch offenbar auf der Höhe zu sein, was live zu überprüfen ist, aber an sein souliges Organ, das gleichzeitig kraftvoll als auch verletzlich wirkt, kommt so schnell kein "caucasian" (das schwarze Schimpfwort für Weiße, also der Gegenpol zu "Nigger") heran.
ENGERLING erweisen sich als kongeniale Partner, auch wenn für mich die Gitarreros Joe Gutc und Rick Schein mit Billy Csernits, Wilson Owens und Marc Gougeon das Mitch-Ryder-Dream-Team bleiben.
Gesamtnote 2

Ralf Stierlen, (Impressum, Artikelliste), 01.02.2004

Da hat Mr. Ryder also Lust auf ein reines Blues-Album verspürt und gleich noch ein Nachfolge-Blues-Album angekündigt. Na ja, warten wir's ab.
Das Album fängt etwas unspektakulär an (wie es ja oft beim Blues so ist), aber mit den sporadisch dazu kommenden Instrumenten wird schon eine Spannung aufgebaut die ahnen lässt, dass man die Ohren weit öffnen sollte. Was sich schon mit der Bob Dylan-Nummer From A Buick 6 (Aus dem Album "Highway 61 Revisited", 1965) verdeutlicht, die einem zwar auch nicht direkt ins Gesicht springt, jedoch voller kleiner musikalischer Feinheiten steckt und sowohl Band als auch Mitch in bester Form präsentiert.
Letzterer ist überhaupt in bestechender Form und versteckt nichts von der Pein die er wohl noch manchmal verspürt und die sich in markerschütternden Schreien wie in I Guess I'm Feeling Blue bahnbricht.
Da ist es gut, dass es auch so "lockere Good-Time"-Songs wie Detroit (by the river) und Just One More Beautiful Day (welches noch am ehesten an die 60er R&B-Songs des Herrn Ryder verweist) hier zu finden sind, die einen auch wieder aufmuntern können...
Eigenartig mutet natürlich zunächst mal Maikäfer fliege an, noch dazu von einem Amerikaner in gebrochenem Deutsch gesungen... Viel eigenartiger eigentlich, wie sehr das als Kinderlied abgetan, ja von vielen selbst als Kind gesungen, wurde ohne sich Gedanken über den Hintergrund zu machen. Mitch Ryder hat es gemacht und das nachfolgende The New Mother ist (dadurch?) vielleicht der beste Song auf dem Album.
Den Ärger den Mr. Ryder verspürte, als er in den letzten Jahren ein Viertel seines Einkommens wegen diverser Rechtsstreitigkeiten an Anwälte zahlen musste, hat er sehr gut in Another Bout With Justice einfliesen lassen.
Die "Beethoven"-Nummer Decidedly British Blues fällt natürlich etwas aus dem Rahmen, aber demonstriert zu welchen stimmlichen Leistungen sowohl Sänger als auch Band (immer noch) fähig sind. Die "Begleitband" ENGERLING agiert hier wieder mit einer Meisterlichkeit die ihres gleichen sucht. Ich will da gar keinen rausgreifen, da jeder seinen Job hervorragend macht. Da ist einfach eine Einheit sowohl innerhalb der Band als auch bei Band und Sänger zu spüren, dass man diesen Unterschied eigentlich schon gar nicht mehr machen kann. "Ostzungen" behaupten ja, Engerling hätten schon vor ihrer Zusammenarbeit mit Mitch Ryder existiert, aber ich halte das für pure Propaganda. Wie, bitteschön, sollte jemand so Orgel/Keyboard oder auch Gitarre oder Bass hinter dem "Eisernen Vorhang" gelernt haben? Wie sollte das überhaupt einer gelernt haben, der es nicht mit der berühmten Muttermilch aufgesogen hat? Hä? Die hat der Mitch aus Amerika heimlich eingeschleust und die "Ossis" haben ihnen eine neue Identität und Aussehen verpasst (und z.T. sogar eine neue Hautfarbe!). So war das nämlich!
Oder???
Für mich eine erstklassige Scheibe die mit jedem Hören noch an "Gewicht" zulegt.
Note: 1

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 01.02.2004

Eigentlich müsste diese CD "An old-fashioned Rock Song" oder so ähnlich heißen. Ich hatte den Mitch schon immer auf der Rechnung, aber das hier ist mir dann doch zu langweilig. Altbackener Rock, mit Blues abgeschmeckt, mal Soli, die nicht weh tun, austauschbar. Klar, der Gesang ist natürlich unverwechselbar (gut), aber sonst? Nicht wirklich schlecht, aber auch nichts was mich mitreißt. Einen klasse Song hab ich immerhin gefunden UND die CD hat mich inspiriert, mal wieder Mitch Ryders Meisterwerk "Naked but not dead" aufzulegen. Wenn jeder, der die nicht hat den Geldbeutel aufmacht und sie sich kauft, hat der Wiederbelebungsversuch ja auch sein Gutes.
Note 4

Manni Hüther, (Artikelliste), 01.02.2004

Der gute alte Mitch kann's noch immer. Diese raue, ungeschliffen wirkende Monsterstimme schafft es mal wieder, mich in ihren Bann zu ziehen.
Begleitet von den Engerlingen zeigt er auf dieser CD, dass er einen riesigen musikalischen Horizont besitzt: Blues, Gospel, Rock, Barmusik... alles auf einer CD.

Denke ich an Mitch, gehen mir immer zwei Songs durch den Kopf: Freezin' In Hell und Poster. Die gleiche Intensität finde ich auch bei I Guess I'm Feeling Blue. Gänsehaut wenn ich diese Stimme und dann den Backgroundchor höre.
Mit dem Maikäferlied kann ich weniger anfangen. Das mag live zum mitsingen animieren, obwohl dieses "Kinderlied" ja alles andere als ein Grölsong ist. Auch nicht ganz mein Ding ist Decidedly British Blues, aber alles andere passt und trifft.
Da gebe ich doch gerne eine 2 Minus

Ulli Heiser, (Artikelliste), 01.02.2004

Auf dem Album "A Dark Caucasian Blue" huldigt Mitch Ryder dem Blues und vermischt diesen mit Gospel- und Rock-Facetten, aber genau das macht das Teil meiner Meinung nach so interessant.
Ganz besonders hervorzuheben ist dabei seine Stimme, die nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Ebenfalls herausragend ist natürlich auch seine musikalische Begleitband, die Ostberliner Bluesband ENGERLING, welche er bei einem Auftritt in der damaligen DDR kennen lernte und von der er sofort begeistert war. Dass diese Leute ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben, und demzufolge natürlich auch verstehen, weiß jeder, der sich mit der Musikszene in der damaligen DDR befasst hat. In allen Songs bereitet die Band den zu jedem Song passenden Soundteppich und zeigt dabei selbstbewusst ihr internationales Profil, jedoch stets darauf bedacht, Herrn Ryder's Songs in angemessener Weise zu unterstützen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.
Und dass die Texte kein belangloses Blablabla sind, versteht sich von selbst. Mitch bezieht z.B. bei The New Mother sehr offen Position gegen den Krieg. Untermauert wird dies auch noch mit dem deutschen Kinderlied Maikäfer flieg, welches er natürlich in deutscher Sprache darbietet. Mit dem geldgesteuerten Justizsystem Amerikas geht er aus eigenen Erleben heraus hart ins Gericht und sogar seinem Idol Bob Dylan erweist er mit dem Song From a Buick 6 seine Referenz.
Ich finde, mit dieser Platte hat Mitch einen stilistisch sehr vielfältigen, wunderschönen Rundling eingetütet, dessen Schönheit und Details sich nicht sofort, sondern erst nach mehrmaligen Hördurchgängen erschließen. Lediglich Decidedly British Blues fällt mir etwas zu sehr aus dem Rahmen, deshalb für mich auch "nur" die Note 2.

Ilka Czernohorsky, (Artikelliste), 01.02.2004

X-Check mit Mitch Ryder kann nicht schwer sein, man mag ihn ja. Die Platte gefällt mir. Irgendwie ruhiger als bei den Konzerten. Ist es das Alter oder andere Besinnung bei Mitch? Aber es ist angenehm.
Manch einem wird es vielleicht zu ruhig oder langweilig vorkommen, aber zum Glück sind die Geschmäcker verschieden.
Bei Maikäfer fliege habe ich mich gefragt, was das soll, vielleicht verstehe ich die Absicht nicht. The new Mother erinnert an Achim Reichel, warum auch immer... Sehr angenehm auch Decidedly British Blues. Werd ich alt?
Sogar How how how how mit seiner Länge nervt nicht.
Fazit: Eine angenehme, ruhige, aber druckvolle CD, bei der man sehr gut entspannen kann. Von mir eine 2 (auf der Richterskala).

Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.02.2004

"I can't sing and I can't dance" stammelt der gute Mitch in einem der Songs. Recht hat er. Die Platte ist fürchterlich geworden, und ob er sich mit der Veröffentlichung einen Gefallen getan hat, ich glaube nicht. Meinem Geschmack nach trifft der Gute die Töne zu wenig, und ein bisschen Blues und Honky Tonk Piano im Hintergrund macht noch keinen guten Blues aus.
Wärste mal da geblieben wo du bist Mitch, in der Versenkung. So schadest Du nur Deiner eigenen Legende. Man kann nur hoffen das er bei seiner laufenden Tour eine bessere Tagesform an den Tag legt wie bei den Aufnahmen des Longplayers.
Note 5

Jörg Litges, (Impressum, Artikelliste), 01.02.2004

Mist, Ryder heißt jetzt Twix! Na und? Eben!
Mitch Ryder hat eine neue CD! Na und? Eben!
Jede Menge Altherrenblues aus dem Altenheim, einzig die leicht psychedelisch angehauchte Ballade The New Mother sticht ein wenig aus dem Einheitsbrei heraus, der Rest ist Schweigen.
Twix, it's all in the Mix! Schön wär's.
Note 6

Ralf Frank, (Impressum, Artikelliste), 01.02.2004

Ein alter Mann spielt altbackene Musik... Blues... Pfui Deibel!
How, how, how... wie originell. Damit lockt man heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Saft- und kraftlos plätschert die Chose eine dreiviertel Stunde aus den Boxen, und abgesehen von den ersten dreißig Sekunden von I guess I'm feeling blue, die kurz Hoffnung auf eine groovende Südstaatennummer machen, enthält die CD keine einzige Note, die es auch nur ansatzweise wert wäre, der Nachwelt erhalten zu bleiben. Genau solche Alben sind letztendlich für meine inzwischen vorherrschende Blues-Aversion verantwortlich. Wird Zeit, dass der alte Mann die Gitarre an den Nagel hängt und in Rente geht.
Note 6

Martin Schneider, ( Impressum, Artikelliste), 01.02.2004

Ich hab' einen Kumpel aus England, der amüsiert sich immer gewaltig über den Musikgeschmack von uns Deutschen - jeder Sänger, der seine besten Zeiten weit, weit hinter sich hat, sagt er, reüssiert in Deutschland.
Jetzt hat er mich gefragt, was ich im Augenblick so höre. "Jack Russell's Soloalbum", hab' ich gesagt - und was hat er gelacht. Dann habe ich "Chris Farlowes 'Farlowe That'" gesagt, und er lag auf dem Boden vor Lachen. Und zuletzt habe ich "Mitch Ryders Neue" gesagt. Nachdem man ihn im Krankenhaus wiederbelebt hat, hat mir die Freundschaft gekündigt. Nun überlege ich, ob ich Mitch Ryder wegen seinem neuen Werk auch die Freundschaft kündigen sollte.
Auf der neuen CD sind wir back to basics - mit jeder Menge Verbeugungen vor den Herren JJ Cale, Willy de Ville und John Lee Hooker. Das heißt eine Reise in die musikalische Vergangenheit, zum Blues, hier und da ein bisschen Rock'n'Roll, etwas unterschwelliger Cajun, und sparsame - SPARSAME - Instrumentierung. Das ganze ist zugeschnitten auf Ryder - seine Stimme, eigenwillige Phrasierungen und inhaltsschwangere Texte stehen im Vordergrund, und ab und zu kommt mal eine Slide, Piano, ein Backgroundchor schwelgt.
Allen Ernstes - wer braucht denn sowas? Ein weiterer dieser Sänger, der seine wahre Bestimmung entdeckt: Das reine Liedgut. Und dass es an der Zeit ist, seine Stimme ins richtige Licht zu rücken, und keine Rücksicht auf irgendeinen Guitarhero zu nehmen, der jetzt nach 2'30" mit einem 1'45" Solo an der Reihe ist. Jack, Chris , Willy, aber auch Coverdale, Cocker sowieso, Chappo - es nimmt kein Ende. Und dann dieses spartanisches Songwriting - Ryder hat die Songs - naja, man muss wohl Lieder sagen - wahrscheinlich seit den 60' irgendwo im Schubfach.
Nee, Mitch, so nich'. Meinen Kumpel will ich nicht verlieren.

Aber der lieben Vollständigkeit halber - Track by track:
'Bang' eröffnet das Schlagzeug, Du denkst es geht die Post ab - und dann Bluesriff Marke 1917, Ryder nölt im Background rum, und erzählt dann die gar greuliche Mär von einem, der Hunde und Kinder quält und wie sowas immer auf einem selbst zurückfällt. Pianosolo (nett!), Bluesriff, und wieder diese Stimme - Mann, der kann wirklich singen! Aber eben 'nur' Blues!
Blues, eine Nummer schneller, die Story vom Junkyard Angel, die ein Blanket auf sein Bett legt, wenn er stirbt. Wenigstens redet sie nicht viel, und walks like Bo Diddeley. Nette Story, Pianosolo, zwei Gitarren riffen im Hintergrund, break, Gitarrengänsehautsolo. Ende.
Mittempo Rocker auf Heavyriff, sparsames Slideintro - und da ist wieder dieser Gesang ... Sad days ... bring you closer to the end ... crys of help turn into screams, those who hear turn away - und dann dieser geradezu gigantische Schrei nach Hilfe, unterlegt von Background. God, please show me love - I am so tired and I can't go on. Der das hier singt - also die Figur, die Ryder kreiert - steht wirklich am Rand, und der Refrain wird bei jeder Wiederholung intensiver. Und als Du Dich für die nächste halbe Stunde Zuhören einrichtest - vorbei.
Was cajunmäßiges - Ode an Detroits Musikszene - Willy guckt um die Ecke. Geschickt - ein Break in schnellerem Tempo in der Mitte, der die Unannehmlichkeiten der täglichen Arbeitsroutine beleuchtet, und dann zurück zum Cajun, fun and games.
Akustischer Shuffle. Die Geschichte vom Nackten, der Nachts die Strasse runterrennt, in Omas Vorgarten landet, und Willy sitzt auf der Porch, und die Story erinnert Nutbush City Limits - nix los hier - eines Tages wird er von hier abhauen, und irgendwo anders seine Harp spielen, unser Johnny B Good. Ein Harpsolo am Ende beweist's.
Maikäfer flieg - direkter kann man eine Sache nicht kommentieren - Er ist nicht mein Präsident - immer noch nicht.
Midtemporocker, der von der Frau verlassene. Warum klingt die Stimme plötzlich so leise? Wieder der Backgroundchor - Sharon, please come home, promise not to die. Ist der am Ende gar nicht verlassen?
Uptempo, wieder dieser Haken im Song, lasst uns alle freundlich sein, aber warum sind da einige, die Spaß daran haben, unfreundlich zu sein?
Barroomschleicher... bis zum Refrain. Ode an Mama, die ihr Leben für dich gibt. Skynyrd sollte hier mal zuhören, so kann man einen unpeinlichen Song über die Familienbande und -probleme singen.
Rocker.
Ein Klagesong mit klassischen Motiven. Kann man nicht beschreiben, muss man hören. Ryders Bohemian Rhapsody.
Blues, der längste Song, mit ausschweifenden Solos. Der Song, der die Erwartungen am ehesten erfüllt.

Nee, Mitch, so nich': Du kannst nicht einfach 12 wirklich herausragende Emotionalraketen zünden, und bevor man sich's versieht, ist das Erlebnis jedes mal vorbei. Jeder Song ist mindestens 5 Minuten zu kurz, und weil sie so sehr das Zuhören verlangen, kann man sie auch nur schlecht im Auto hören, so nebenbei. Man kann ja nicht ständig mit dem Kopfhörer rumrennen, so sehr man auch möchte. Nee, nee.
Schade um meinen Kumpel.
Note 2.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 01.02.2004

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