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Babez For Breakfast

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Babez For Breakfast
Babez For Breakfast, Sony Music/RCA, 2010
Lordi Vocals, Backing Vocals
Amen Guitars, Backing Vocals
Awa Keyboards
Ox Bass
Kita Drums, Backing Vocals
Gäste:
Bruce Kulick Guitar Solo (Call Off The Wedding)
Jeremy Rubolino String Arrangements (Call Off The Wedding)
Mark Slaughter, Ainsley Billings & Gracyn Billings Voices (Granny's Gone Crazy)
Clay Vann Officer (The Rock Police), Backing Vocals
Goldy Locks, Ralph Ruiz, Tracy Lipp, Julie Westlake, Marija S. Voices (SCG5 & Give Your Life For Rock'n'Roll), Backing Vocals
Sarge, Bryan "Lionman" Blumer Backing Vocals
Produziert von: Michael Wagener Länge: 48 Min 35 Sek Medium: CD
1. SCG5: It's A Boy!9. Midnite Lover
2. Babez For Breakfast10. Give Your Life For Rock'n'Roll
3. This Is Heavy Metal11. Non Stop Nite
4. Rock Police12. Amen's Lament To Ra
5. Discoevil13. Loud And Loaded
6. Call Off The Wedding14. Granny's Gone Crazy
7. I Am Bigger Than You15. Devil's Lullaby
8. Zombie Rawk Machine

Also gut, die Einschätzung von vor 22 Monaten war falsch. Es ging weiter für LORDI, sogar so weit, dass das neue Album "Babez For Breakfast" bei Sony erschien und von Michael Wagener produziert wurde. Clever ist er schon, der Mr. Lordi, Tomi Putaansuu. Aber es gibt Zeichen, die kaum zu übersehen sind: "Babez For Breakfast" und die zugehörige Single This Is Heavy Metal kamen selbst zuhause in Finnland nur mit Müh und Not in die Top 10 der Hitparaden, bei uns sah das Ergebnis noch viel lausiger aus. Jetzt, drei Monate nach der Veröffentlichung und einem zwischenzeitlichen Schlagzeugerwechsel von "Kita" zu "Otus" sowie einer mittelmäßig besuchten Tournee mitsamt abgesagten Konzerten in Frankreich und Spanien stellen sich natürlich wieder einige Fragen ob der Zukunft von LORDI. Aber zuerst nehmen wir uns "Babez For Breakfast" vor.

Die erste Frage ist natürlich, was haben LORDI falsch gemacht, dass sich die CD so unterdurchschnittlich verkauft. Antwort: Handwerklich wenig bis nichts, "Babez…" hat grundsätzlich die gleichen Qualitäten wie alles andere bisher auch. Im Grunde sind die fünf Alben der Band so austauschbar wie die Menschen unter den Kostümen. Problem eins dürfte sein, dass der Eurovision-Song-Contest-Hype nach vier Jahren endgültig verblasst ist, die Trend-Fans sind weg und vielen Metallern wurde das Konzept einfach langweilig. Damit war natürlich zu rechnen, umso überraschender der Wechsel zum Majorlabel Sony, aber die Trägheit der großen Firmen kennt man seit Jahrzehnten. Egal, es ist nicht unser Geld, das da verbraten wird.
Das Hauptproblem dürfte sein, dass LORDI plötzlich viel mehr nach LORDI klingt als jemals zuvor, und genau das nehmen vermutlich sehr viele Fans der Band nicht ab. Klingt paradox, lässt sich aber erklären.
Für Mr. Lordi ist sicher ein feuchter Monstertraum in Erfüllung gegangen, als er erstmals in Amerika aufnehmen durfte, und das auch noch in Michael Wageners Megastudio WireWorld, das nach der Modernisierung vor einiger Zeit noch aufwändiger als vorher ausgestattet ist und idyllisch in der Nähe von Nashville, Tennessee auf einem annähernd 50.000 m² großen Grundstück beheimatet ist. Doch der Preis für so viel Superstarluxus ist hoch, LORDI ist nur noch optisch eine Comic-Band, akustisch ist "Babez For Breakfast" - bis auf den nach wie vor ungehobelten Gesang - ein von Michael Wagener gezüchteter Klon aller ursprünglichen Einflüsse und Vorbilder der lustigen Finnen, und damit endgültig vergleichbar mit KISS, TWISTED SISTER, ALICE COOPER und wie sie alle heißen mögen. "Babez For Breakfast" strotzt vor Chören, Keyboards, Streichern und alles erschlagenden Refrains, die keine fiesen kleinen Storys mehr zulassen, es dreht sich alles um Loud And Loaded, This Is Heavy Metal, Rock Police etc., für "weiterführende" Texte ist kaum mehr Platz (Granny's Gone Crazy ist ausdrücklich ausgenommen - das ist prima gemein). Dabei war all das mit Hard Rock Hallelujah abgearbeitet, banaler ging eigentlich nicht mehr. Freilich gibt es erfreuliche Ausnahmen wie den Titelsong, der trotz dem tumben Refrain und dem sturen Haudrauf-und-vorwärts-Metal Laune macht, aber viel zu oft fragt man sich, ob nicht der Griff zum Original aus den Achtzigerjahren sinnvoller wäre, wenn man schon solchen Kram hören möchte.

Bei "Zombilation - The Greatest Cuts" sagte ich, dass LORDI weniger opulent als die Kollegen aus dem Metal-Karnevalsverein produziert wären, jetzt sind sie genauso aufgeblasen wie die Kandidaten vor 20 oder 30 Jahren, der trashige Touch ist weg, das ist schlecht. Noch schlechter sind quälende Balladen wie Call Off The Wedding, für das auch noch Bruce Kulick bemüht wurde.
Um es deutlich zu sagen: Der Weg nach Nashville zu Michael Wagener hat sich nicht gelohnt. Der hat aus dem bisherigen Horror-C-Movie einen FSK12-C-Movie gemacht. Wer Hymnen und Ohrwürmer hören will, sollte bei Mr. Lordis Helden bleiben, wer Monster-Metal braucht, muss sich an den alten Alben von LORDI delektieren, oder gleich zu Sascha Gutzeits ernsthaft unernst gemeinten Grusical "Monster Of Rock" greifen. Da kann man zu geiler Musik ablachen, bei LORDI ist der Spaßfaktor leider reichlich abgeschliffen.

Ach ja, die Zukunft von LORDI. Wenn es der Deal mit Sony hergibt, kommt noch ein weiteres Album, gut möglich, dass es ein Live-Album wird, dann ist Schicht beim Major und LORDI geht wieder in den Untergrund. Wetten?

PS: In den Credits taucht bei den Backing Vocals ein gewisser Sarge auf. Wenn das mal nicht der Sarge von WHITE COWBELL OKLAHOMA ist.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.12.2010

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