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Johnny Cash

American Recording III: Solitary Man

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American Recording III: Solitary Man
American Recording III: Solitary Man, American Recordings, 2000
Johnny Cash Vocals, Guitar
Tom Petty Vocals, Organ
Sheryl Crow Vocals, Accordion
Merle Haggard Vocals, Guitar
June Carter Cash Vocals
Norman Blake Guitar
Mike Campbell Guitar
Laura Cash Fiddle
Will Oldham Vocals
Randy Scruggs Guitar
Marty Stuart Guitar
Benmont Tench Piano, Organ, Harmonium
Produziert von: Rick Rubin Länge: 42 Min 15 Sek Medium: CD
1. I Won't Back Down8. Would You Lay With Me
2. Solitary Man9. Field Of Diamonds
3. That Lucky Old Sun10. Before My Time
4. One11. Country Trash
5. Nobody12. Mary Of The Wild Moor
6. I See A Darkness13. I'm Leavin' Now
7. The Mercy Seat14. Wayfairing Stranger

Eine neue Platte des alten Country & Western Haudegens Johnny Cash. Halt! Country? Dies hier ist kein Country mehr, Johnny Cash hat den Tellerrand hinter sich gebracht und legt eine herausragende Folk-Platte vor. Der geistige Verwandte des grossen, verstorbenen Gene Clark.

Neben eigenen Songs und ein paar Traditionals interpretiert Johnny Cash Lieder berühmter Kollegen, teilweise mit dem Songschreiber im Studio, so beginnt das Werk mit Tom Pettys I won't back down, im Duett mit Petty selbst, die akustischen Gitarren zeigen hier schon, wohin die Reise gehen wird. Der Song passt perfekt und man glaubt Johnny Cash, dass er sich nie und niemanden beugen wird, auch nicht seiner Krankheit.
Neil Diamonds Solitary Man erfährt eine Behandlung und Aussagekraft, dass man nur staunen kann, mit welcher Überzeugung Cash "covern" kann, er macht sich die fremden Songs zu Eigen, auch U2s One spielt und vor allem singt er mit einem Ernst und Verve, die dem Song eine Tiefe gibt, die er im Original nie hatte.

Johnny Cash, Ende 60, hat viele Höhen und Tiefen erlebt, Alkoholexzesse, Drogen, Krankheit, ein bewegtes Leben, seine gesamte Lebenserfahrung liegt in seinen Stimmbändern, wer sonst könnte Nick Caves The Mercy Seat, diesen Song eines Menschen, der über die gerade begonnene Prozedur seiner Hinrichtung erzählt, mit einer Schwere und gleichzeitig Schwerelosigkeit vortragen? Cash schafft es tatsächlich, den Charakter, die Seelenqualen, das Aufgeben und den Abschied vom Leben so erschütternd darzustellen, dass man sich in den Verurteilten hineinversetzen kann. Die sparsame Instrumentierung und die dezenten Orgel- und Piano-Tupfer tun ein übriges. "And the mercy seat is smoking and I think my head is melting... anyway I told the truth... but I'm afraid I told a lie...". Das ist schlichtweg ergreifend. Wer da keine Gänsehaut kriegt, ist wahrscheinlich selbst schon tot.

Die ganze Platte ist von einer Traurigkeit und Melancholie durchzogen, die zum Nachdenken anregt, irgendwie scheint Johnny Cash Abschied zu nehmen, kämpft gegen die tödliche Krankheit an, zeigt aber auch, dass er sich noch nicht aufgegeben hat, das Feuer brennt noch in ihm.
Hoffnung macht auch der Satz in den Linernotes: "...this Album has been a long time coming and I feel another in there somewhere".
Diese CD ist ein wie nebenbei skizzierter Geniestreich, eine der besten Platten des American Folk. Dieser welterfahrene Mann zeigt im Winter seines Lebens den jüngeren nochmal, was eine Harke ist und avanciert so ganz nebenbei zum Helden der alternativen Musikszene. Gross, ganz gross!

Manni Hüther, (Artikelliste), 18.02.2001

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