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Jupiter's Darling

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Jupiter's Darling
Jupiter's Darling, Eagle Rock, 2004
Ann Wilson Lead Vocals
Nancy Wilson Guitars, Vocals
Craig Bartock Guitars, Mellotron, Vocals
Darian Sahanaja Keyboards
Mike Inez Bass
Ben Smith Drums
Produziert von: Nancy Wilson & Craig Bartock Länge: 68 Min 57 Sek Medium: CD
1. Make Me10. No Other Love
2. Oldest Story In The World11. Led To One
3. Things12. Down The Nile
4. The Perfect Goodbye13. I'm Fine
5. Enough14. Fallen Ones
6. Move On15. Lost Angel
7. I Need The Rain16. Hello Moonglow
8. I Give It Up17. How Deep It Goes
9. Vainglorius18. Fallen Ones

Nachdem erst kürzlich ein Review von "Jupiter's Darling" im Home of Rock zu lesen war noch eins? Startet eine Werbekampagne und die Unabhängigkeit schmilzt dahin? No way! Kein Backstage-Pass, Meet'n'Greet mit den beiden Sweethearts oder ähnliches hat zum Schreiben dieser Zeilen den Ausschlag gegeben, sondern schlicht und einfach die Klasse besagten Albums. Im Prinzip befand sich der Artikel schon in den Startlöchern, als der Kollege ihm mit seinem zuvorkam. So lief der Player zwar bei mir täglich heiß, doch wie kaum anders zu erwarten, hat "Jupiter's Darling" außer bei Kennern der Szene keine Staubwolken aufgewirbelt. Und somit noch einmal ein paar ergänzende Zeilen zu diesem... ja, ich muss es schon beinahe sagen... Meister(innen)werk.

HEART ARE BACK!!! So und nicht anders lässt es sich sofort zum Anfang der Besprechung ihres neuen Longplayers sagen. Warum gleich das Fazit am Anfang? Nun, der erste Höreindruck ist überwältigend und bestätigt den vor wenigen Wochen beim Arrow Rock Festival gewonnenen Eindruck. Und bei jedem weiteren Durchlauf überzeugen die Wilsons stets ein bisserl mehr.
Jetzt aber zu den Einzelheiten... [Ja, ja, gib uns Einzelheiten! Wir wollen Details! Wie waren sie, diese Luder? Red., sensationslüstern]

Nach einer recht erfolgreichen Phase in der zweiten Siebzigerhälfte, die ihnen u.a. Hits wie Barracuda, Magic Man, Crazy On You oder Even It Up einbrachte (Tip: "Greatest Hits", da sind sie alle drauf), ging es ab Mitte der Achtziger noch einmal richtig los. Stilistisch hatte sich einiges geändert und die Damen (und Herren) präsentierten sich in ihren Videos und auf den Albencovern arg herausgeputzt. Live ging's zwar etwas rockiger als auf den teils arg pop-rockigen Veröffentlichungen zu, aber der Erfolg gab ihnen Recht. Singlehits wie Alone, These Dreams oder All I Wanna Do Is Make Love To You belegten hohe Chartpositionen und die Alben "Heart", "Bad Animals" und "Brigade" verkauften sich wie die immer wieder gerne zitierten warmen Semmeln.
Als man sich 1993 mit "Desire Walks On" verändern wollte ging das prompt daneben. Wer hätte gedacht, dass ein Song wie der straighte Rocker Black On Black II elf Jahre später prima aufs neue Album gepasst hätte. War er doch auch endlich wieder eine Ann & Nancy Wilson Komposition, die in den Jahren zuvor häufig Songwritern außerhalb der Band das Feld überließen.

2004 also "Jupiter's Darling". Auf einzelne Songs wurde bereits im kürzlich veröffentlichten Review eingegangen, und dieses hatte den Nagel trackbezüglich auf den Kopf getroffen. HEART haben ein gänzlich neues Kapitel begonnen, mit ihren früherem Veröffentlichungen bestehen kaum Gemeinsamkeiten. Wer jetzt abgeschreckt sein mag sollte es mit einem wohldosierten Einstieg probieren. Erinnert sich jemand an Crazy On You? Nun, dann mal ein Versuch mit akustischen Tracks wie Make Me, Things oder dem als Single geradezu prädestinierten The Perfect Goodbye. Auf letzterem beweist Ann Wilson erneut, dass sie aus einem an und für sich simplen Song ein kleines Juwel machen kann. Man beachte die Gesangslinien, da kommt zuweilen Gänsehautatmosphäre auf. Und stets Schwesterherz Nancy mit perfekten Harmonies... Leute, so muss anspruchsvolle Pop-/Rockmusik klingen.
Wer sich mit diesen Songs anfreunden kann, dem sei gesagt, erweitere Deinen Horizont, denn "Jupiter's Darling" hat noch viel viel mehr zu bieten. Und zwar keine zum Staubsaugen dienliche Hintergrundmucke, sondern Material mit dem man sich tatsächlich beschäftigen muss.

Die Vielfältigkeit dieses Albums ist wahrscheinlich seine größte Stärke, es birst förmlich vor Überraschungen. Da wechseln rockige Passagen unterschiedlicher Couleur (Hardrock, Independent) mit melodischen Momenten, dem Facettenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Ann Wilson's Stimme raspelt einen Moment lang Süßholz, um plötzlich wieder kraftvoll neue Akzente zu setzen. Man höre sich da Move On an. Dass aber auch Nancy Wilson mehr als passabel singen kann, wird spätestens auf dem folkig angehauchten I Need The Rain deutlich.
Bei der Betrachtung der Credits wird der große Anteil der jüngeren Schwester deutlich, die beim Songschreiben den Löwenanteil bestritt, die String Arrangements mitbestritt und am Cover Design maßgeblichen Anteil hatte. An dieser Stelle ein Sonderlob für das hervorragende Booklet, das alleine schon ein kleines Kunstwerk darstellt. Des weiteren ist auch der Gitarrist Craig Bartock ein enormer Gewinn für die Band. Seine songschreiberischen Aktivitäten haben der Band mehr als gut getan. Die unglaubliche Vielfältigkeit der einzelnen Songs zieht sich wie roter Faden durch "Jupiter's Darling". Da beginnt I Give Up wie ein einst typischer HEART-Track, um im Mittelteil vom Pop wieder in Rock umzuschlagen. Diese Gratwanderung beherrschen die Wilsons & Co. mittlerweile perfekt, sie passen im Grunde in keine Schublade mehr sondern haben sich mit dieser Veröffentlichung nicht nur in die erste Liga zurück katapultiert sondern im Prinzip ihre eigene Nische gefunden.

Akustische Passagen, knalliger Rock, Streicher, Mandolinen, wunderschöne Gesänge, hier findest Du alles. Wer also einen bunten Strauß hochwertigster Songs pflücken möchte, dem sei dieses Album nachdrücklichst empfohlen.

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 20.07.2004

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