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Live At The Cow Palace

New Year's Eve 1976
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Live At The Cow Palace - New Year's Eve 1976
Live At The Cow Palace - New Year's Eve 1976, Rhino Records, 2007
Jerry Garcia Guitars, Vocals
Bob Weir Guitars, Vocals
Phil Lesh Bass, Vocals
Bill Kreuzman Drums, Percussion
Mickey Hart Drums, Percussions
Keith Godchaux Keyboards, Vocals
Donna Godchaux Vocals
Produziert von: David Lemieux & James Austin Länge: 190 Min 19 Sek Medium: 3-CD-Box
CD 1:
1. Promised Land5. Looks Like Rain
2. Bertha6. Deal
3. Mama Tried7. Playing In The Band
4. They Love Each Other
CD 2:
1. Sugar Magnolia4. Good Lovin'
2. Eyes Of The World5. Samson & Delilah
3. Wharf Rat6. Scarlet Begonias
CD 3:
1. Around And Around6. Morning Dew
2. Help On The Way7. One More Saturday Night
3. Slipknot!8. Uncle John's Band
4. Drums9. We Bid You Goodnight
5. Not Fade Away

Was wurde um diese Aufnahme für ein Zirkus gemacht. DER legendäre erste Silvester-Auftritt (damals im Radio übertragen und dementsprechend den Sammlern längst in meistenteils ordentlicher Qualität bekannt), dem 15 weitere folgen sollten: GRATEFUL DEAD am 31.12.1976, live aus dem "Kuh Palast" zu Daly, Kalifornien. Ein mieses kleines Kaff im weiteren Einzugsgebiet von San Francisco.
So, was würden die Fundamentalisten unter den Deadheads mit einem Kritiker wohl machen, wenn der die Band unbekannterweise und angehörs dieser 3-CD-Box genau dorthin wünschen bzw. generell als dahin gehörige Kleinstadtcombo einschätzen würde? Das Auge schweift suchend nach einem Ast. Aber so weit ist es noch nicht ganz. Zuerst bis zum Ende lesen, dann kann immer noch zum beliebten Fanmittel der Lynchjustiz gegriffen werden.

"Live At The Cow Palace - New Year's Eve 1976" ist optisch und klanglich einmal mehr ein Schmankerl. Rhino Records lassen wirklich keine Chance für wertige Releases aus. Wunderschön gestaltet, wissende Liner Notes, grandioser HDCD-Sound. Die Lust und Freude an solchen Veröffentlichungen kennt im Grunde keine Grenzen, wenn, ja, wenn. nicht eine Band am Werke wäre, die in der ersten Stunde ihres Auftritts ein Festival liefert. Ein Festival an kaputten Tönen. Die Setlist der Vorband (!) SANTANA ist leider nicht recherchierbar, möglicherweise spielte Devadip Carlos S. an diesem Abend sogar einige Songs der Anfang 1976 veröffentlichten LP "Festival", auf jeden Fall dürften ihm backstage die Gesichtszüge bei Jerry Garcias Soli gehörig entgleist sein. Bei aller Zuneigung zu dieser Band, wie sich vor allem Garcia und Bob Weir durch den Set stolperten ist phasenweise grausam. In Deal verliefen sich Garcia und Donna Godchaux heillos, und am Ende noch ein vollkommen orientierungsloses Playing In The Band mitsamt zwanzigminütigem "Soundcheck aus dem Weltall" und das Entsetzen ist perfekt. Sogar das ansonsten fast immer perfekte Rhythmusduo Hart & Kreutzmann verstieg sich mitsamt Phil Lesh am Bass zu kuriosen Verrenkungen. Und der Gesang. ja, Schwamm drüber. Immerhin They Love Each Other und die Bertha kamen halbwegs genießbar daher, auch wenn Garcias Solo nach 4 Minuten gelinde gesagt verbesserungswürdig ist.
Ganz eindeutig waren GRATEFUL DEAD bei diesem ersten Teil des Konzerts überhaupt noch nicht auf dem richtigen Trip und auf vollkommen unterschiedlichen Bühnen/Ebenen tätig. Da half auch die lauwarme Ausrede, dass "a part of the equipment isn't working correctly" nichts.

Pause, ein paar Schnittchen und "Erfrischungsmittelchen", Impressario Bill Graham zögerte den zweiten Auftritt ein wenig hinaus, dann zum Silvesterläuten eine laut Booklet hübsche Einlage mit Luftballons und mit Sugar Magnolia stand unvermittelt eine andere Band auf der Bühne. Dies ist eines der Mysterien von GRATEFUL DEAD, nämlich dass sie praktisch nahtlos zwischen völlig indisponiert und glanzvoll wechseln konnten. Für den neutralen Zuhörer ist das verblüffend, mancher Hardcorefan wird solche Aussagen natürlich nicht akzeptieren - Götter sind schließlich ohne jeden Fehl und Tadel.
Doch in den ersten Minuten des Jahres 1977 swingte und groovte eine wie ausgewechselt aufspielende Band. Nur im Mittelteil von Sugar Magnolia gab es einen Aussetzer, der aber mühelos von zwei harmonierenden Gitarristen und dem beeindruckenden Lesh überspielt wurde. Plötzlich waren G.D. zusammen und eine Einheit. Sogar Donna hielt sich zurück und traf die meisten Töne. Im übergangslos folgenden Eyes Of The World brillierte Garcia, Lesh hielt dahinter die Fäden fest in der Hand und wenn man sich einen Kopfhörer überstülpt, bekommt man eine Lehrstunde in Schlagzeugtechnik. Nein, zwei. Eine rechts und eine links. Jawohl, ganz eindeutig war die Band nun auf dem genau richtigen Drogenlevel, der Mittelweg zwischen Jam und Groove war gefunden und man goutiert auch den dudelnden Ausklang von Eyes. nach gut 10 Minuten Tour de Force und das generell schwer verdauliche Wharf Rat danach.
Bob Weir durfte Good Lovin' singen, was gemäß Covertext nur dreimal passierte, gab der sattsam bekannten Nummer damit einen herzhaften Drive und führte straight ins wundervolle Samson & Delilah. Selbst Scarlet Begonias wurde von Donna G. nicht totgequäkt.
Ohne quantifizierende Wertung ist dieses Set eines der beeindruckendsten aus der Schaffensperiode Mitte der Siebziger überhaupt.

CD 3 bringt schlussendlich eine entspannt vor sich hin rockende Band, die ohne Leistungsdruck eigene und adaptierte Klassiker locker zockte. Garcia verpasste Berrys Immergrün Around And Around einen schönen Rhythmuswechsel und ließ in der gesamten dritten Stunde den Langeweile erweckenden Eindruck der konservativen Setlist hinter der offensichtlichen Spielfreude verblassen. Not Fade Away (mit wahrlich schwerfälligem Beginn), Morning Dew, Weirs One More Saturday Night, Uncle John's Band und das abschließende We Bid You Goodnight zeugen nicht wirklich von Progressivität, Help On The Way und Slipknot von "Blues For Allah" waren Pflicht, nur Franklin's Tower, das schönste Stück auf der LP, fehlte.

Auch wenn das Kollektiv GRATEFUL DEAD 1976/77 nur bedingt funktionierte, die Band kämpfte immerhin mit beträchtlichen inner- und außerbetrieblichen Dämonen, dieses CD-Paket vermittelt einen weiteren Eindruck und ist nicht nur für Neueinsteiger ein 100%iges optisches und wenigstens zu 60% auch akustisches Vergnügen.
Schade übrigens, dass die alte DEAD-Website inzwischen von einer reichlich nichtssagenden Verkaufsplattform ersetzt wurde. Anstatt in einer bemerkenswert detaillierten History zu lernen, kann man nun Garcia-Badges erwerben.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.02.2007

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