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Goddess Shiva
Goddess Shiva, Metal Heaven, 2007
Mat Sinner Vocals & Bass
Armin Sabol Vocals & Guitar
Martin Schmidt Drums
Produziert von: Armin Sabol Länge: 45 Min 14 Sek Medium: CD
1. Heritage Of Shiva (Intro)8. Heat If The Night
2. Walking On Thorns9. Ali Baba
3. Mind Of A Killer10. Same Old City
4. This Ain't Love11. Hold On
5. Gone With The Dough (Blues Intro)12. Red
6. Barefoot And Naked13. Heritage Of Shiva (Outro)
7. Down On Luck

Man könnte auf dem Thema "Wie nötig braucht man Wiedervereinigungen" lange herumreiten. Polithistorisch ist bewiesen, dass die Wiedervereinigten in aller Regel am wenigsten vom Zwangskoitus profitieren, derweil sich die Spekulanten, Bilanzfälscher und Kriegsgewinnler schamlos bereichern. In der Kunst ist das manchmal anders und manchmal traurig ähnlich. Wenn zum Beispiel ein zahlungskräftiger Tycoon den Herren Paul Simon und Art Garfunkel ein Angebot macht, können die das unmöglich ausschlagen. Dass dem einen nichts mehr einfällt und der andere nicht mehr singen kann... Schwamm drüber, die Kundschaft kommt zuhauf, jubelt, und am Schluss sind alle glücklich und ein paar Menschen deutlich vermögender als vorher.
Dann gibt es die Reunions auf die eigentlich keiner gewartet hat - natürlich bis auf die noch lebenden Fans - und die dann mit einer guten 50/50-Chance in die Hose gehen können. Dicke alte Männer schwingen noch mal die Gitarren wie 1975, nur etwas behäbiger. Wer braucht neue Songs, wenn doch das Publikum den Hit von damals noch auswendig kann. Aber Achtung, es kann auch anders ausgehen, nämlich wenn die Musiker wirklich geil auf neue Taten sind.
Und es gibt Neuauflagen, die anders sind.

Erinnert sich irgend jemand an die Band SHIVA aus Baden-Württemberg? Etwa 1977 und ein paar Jahre danach war es, als zwei junge Menschen namens Mat Sinner und Armin Sabol diese Band betrieben. LP gab es keine, aber wohl Auftritte im Vorprogramm einiger seinerzeit angesagter Bands (Namen sind Schall und Rauch, wer kennt heute noch WHITESNAKE oder gar COLOSSEUM).
Der junge Herr Sinner machte sich danach auf in die große weite Welt des Rock & Roll und wurde zum (es folgt ein Zitat des wichtigsten Southern Rock Sängers Deutschlands) "einzigen echten Rockstar den wir in Baden-Württemberg haben". Ein großes Wort, aber richtig, denn die Bands SINNER und PRIMAL FEAR sind konkrete Hausnummern. Weltweit.
Armin Sabol wurde über die letzten gut 25 Jahre zu einem renommierten Produzenten und Studiogitarristen. Beileibe nicht nur Hard Rock und Metal, da waren so kuriose wie aufsehenerregende Sachen wie Peter Schillings "Major Tom" oder auch DIE FANTASTISCHEN 4 dabei. Oder RAGE, noch so eine Institution unter den echten Rockstars.
Dreißig Jahre nach SHIVAs Gründung heißt die Band aus rechtlichen Gründen GODDESS SHIVA und Sinner und Sabol (mit dabei ist der Drummer Martin Schmidt, einigen bekannt von LEAVES EYES und ATROCITY) legen nun also nun ein Debütalbum auf. 30 Jahre!

Natürlich sind wir alle heute wesentlich schöner als vor dreißig Jahren. Klüger sowieso. Aber macht denn ein Reunion-Erstlingsalbum nach so langer Zeit Sinn? Natürlich nicht. Es sei denn, man ist glühender Anhänger von harter Rockmusik. Can you hear me out there, Rockers?
Name dropping: THIN LIZZY und Frank Marino. Zuckt da was? Okay, dann lebt ihr noch.

Sprechen wir doch direkt über den Einfluss THIN LIZZY. Über 5 Monate haben wir im Home of Rock die (sicher beste deutschsprachige) History über diese Band veröffentlicht. Prompt kommen GODDESS SHIVA und setzen mit mindestens zwei Songs Maßstäbe für jeden weiteren LIZZY-Nachfolger. Down On Luck ist der potentielle Gänsehautrocker in der Tradition von Unsterblichkeiten wie, keine Übertreibung!, Jailbreak. Wie gut das tut, kann man "leider" erst nach den direkt nachfolgenden Gitarrengroßtaten bei Heat Of The Night würdigen. Denn hier gibt Sabol den Moore und Gorham gleichzeitig und wieder steht man jubelnd vor dem Stereo. Die potentielle Lynott/Moore-Ballade kommt kurz danach in Same Old City.
Es ist beinahe beängstigend, dass eine Band heute noch solche Töne zustande bringt, ohne die eigene Authentizität preiszugeben und einfach schamlos zu covern. Ja, es sind noch lange nicht alle Töne im Rock & Roll gespielt. "It's the same old city, it's the same old place", aber es klingt zum heulen gut.
Natürlich gibt es auch reine "straight edge" Rocker wie Red. Da wird nicht groß zitiert, da werden schlicht 35 Jahre Hard Rock zelebriert. Kraftvoll, saftig, erregend.

Damit waren wir schon am Ende der CD. Der Anfang ist ein wenig anders, zum großen Vergnügen aber nicht weniger spannend.
Seite 1, gäbe es noch Vinyl, hat unter anderem den Gnadenlos-Rocker Mind Of A Killer zu bieten. Ronnie James Dio wäre stolz auf sich. Irgendwann später kommt plötzlich ein tief bluesig "gegrowltes" 'Have mercy, I'm praise the Lord' und man ist vokalistisch und musikalisch ganz ganz nahe an dem Frank Marino, den man leider viel zu selten bekam: den rockenden, bluesenden, shoutenden, Boogie spielenden Marino ohne Mätzchen. Nehmt doch einfach GODDESS SHIVA.
Eines darf nicht unerwähnt bleiben. Der dreiste Klau von SWEETs Love Is Like Oxygene-Riff zum Anfang von Ali Baba. Der war ja aber auch der einundvierzigste Räuber...

Ein eindrucksvolles Hard-Rock-Statement. Und zwar eines, das man auch in 20 Jahren noch hören kann. Oder in 30. Lange Zeit? So lang sind diese Jungs schon dabei. Lange Zeit!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.01.2006

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