|
|
| Giri, RoastingHouse Records, 2006 |
| Andreas Lindbergh |
Lead & Backing Vocals, Electric & Acoustic Guitar, Keyboards, Sitar |
| Hasse Sjölander |
Drums, Bass, Electric Guitar, Keyboards |
| Maria Nelson |
Vocals (Shadow Of A Doubt) |
| Produziert von: Andreas Lindbergh & Hasse Sjölander |
Länge: 41 Min 37 Sek |
Medium: CD |
|
 |  |
| 1. Do It | 7. Stuck In Between |
| 2. Back To Square One | 8. Cannonball |
| 3. Hurricane | 9. Save Me |
| 4. Shadow Of A Doubt | 10. Wannabe |
| 5. Clean | 11. Million Miles |
| 6. Roots | 12. Gone |
 |
Da hat aber einer Pop im Blut. Andreas Lindbergh ist Giri, stammt aus Sri Lanka, lebt in Schweden und verzichtet auf seiner ersten Platte auf eine Band. Sein Album "Giri" ist weitgehend selbst eingespielt, lediglich einen Kollegen und Co-Produzenten hat er an seine 12 kleinen Oden an die Freude gelassen. Das macht immer dann Sinn, wenn einer selbstbewusst (und natürlich talentiert) genug ist und sich nicht vom pseudodemokratischen Anspruchsdenken einer wenig bis nichts konstruktives beitragenden Band ins Konzept fallen lassen will. Funktioniert aber oftmals wegen Egotrip in der Ausführung überhaupt nicht und verkommt zur puren Selbstbefriedigung. "Giri" ist anders und das macht den jungen Mann aus dem Stand zu einer dicken Nummer. Ohne Gejammer und Geseiere, mit stolz erhobenem Kopf und dem Händchen für die perfekte Melodie stellt er sich hin und erinnert in seinen allerbesten Momenten an einstige Großmeister der Populärmusik.
Da steht ganz bewusst "einstige Großmeister", denn Giri wandelt natürlich auf den Spuren längst vergangener Tage, belassen wir es bei den Namen Bowie (der manchmal ähnlich arrogant im positiven Sinne daherkam) und BEATLES, macht sich aber in keinem Moment des Plagiats verdächtig und unterscheidet sich damit wohltuend von all den gehypten Briten und Amis der Neunziger und bedient sich nur an deren kurzzeitiger Frische und Aufbruchsstimmung - die bekanntlich in Windeseile in einer Welle von Großkotzigkeit, Alkohol und Koks verschwunden ist.
Nun wird Giri sicher nicht das Mainstreamradio Europas retten, dafür ist seine Musik trotz aller Eingängigkeit zu sperrig und Club-bezogen, aber für ein paar handfeste Independent-Hits sollte es allemal reichen. Die Single Do It sowieso, das maximal tanzbare Shadow Of A Doubt mit simplen Computer-Mensch-Beats und einer wundervoll lasziven Sängerin ebenfalls, und ein Track wie Clean aus folgendem Grund: DEPECHE MODE verkauften Millionen mit einer unsäglichen Mischung aus Style und schwülem Pathos, ohne jemals auch nur annähernd etwas wie Charisma verbreiten zu können. Giri nimmt dem Pathos die maschinenhaft-asexuelle Anzüglichkeit und bringt Stil und eigenen Charakter in die Musik. Kapiert?
Es wird auch nicht gezögert, zwischendurch eine schöne Slide-Guitar zu spielen, oder ein paar Töne auf der Sitar einzustreuen. Das alles aber nicht aus der verkopften Idee heraus, dass ein bisschen Weltmusik unbedingt auch noch auf die Platte muss, sondern weil Giri und Hasse Sjölander es eben können.
Genau wie sie auch flockig, punkig abrocken können, ohne aber den Möchtegern-Proll raushängen zu lassen.
"Giri" klingt nie elitär, hat Klarheit und Transparenz wie sie manchen Glam-Rock Produktionen der Siebziger anhaftete und geht ins Bein. Was kann man sonst noch von Popmusik verlangen?
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|