HoR Logo kl CD-Review:

Logo Frost*

Experiments In Mass Appeal

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Frost* > Experiments In Mass Appeal

Link Homepage:
Offizielle Frost* Homepage
Link Homepage:
Frost* @ MySpace.com
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Kaufen & Plattenfirma:
InsideOut Music
Link Vertrieb:
SPV
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Experiments In Mass Appeal
Experiments In Mass Appeal, InsideOut Music/SPV, 2008
Jem Godfrey Keyboards
Declan Burke Vocals, Guitars
John Mitchell Guitars
John Jowitt Bass
Andy Edwards Drums
Produziert von: Jem Godfrey Länge: 56 Min 51 Sek Medium: CD
1. Experiments In Mass Appeal6. Falling Down
2. Welcome To Nowhere7. You/I
3. Pocket Sun8. Toys
4. Saline9. Wonderland
5. Dear Dead Days

Kaum ist der Sommer vorbei, kommt FROST*...
... okay, ich gebe zu, diese Einleitung ist weder ein Schenkelklopfer noch drängt sie sich für den Pulitzer-Preis auf. Sei's drum.
FROST* ist die All-Star-Kombo um Jem Godfrey, die mit ihrem Debüt "Milliontown" (das mit der roten Telefonzelle) 2006 für Aufhorchen sorgte. Dann munkelte man, die Truppe hätte sich aufgelöst, was sich dann aber in diesem Jahr als Irrtum herausstellte, weil mit "Experiments In Mass Appeal" ein neuer Silberling auf die Ladentheke gewuchtet wird.
Wir blenden noch mal kurz zurück: Jem Godfrey war es satt, immer nur der Knöpfchendreher für glattpolierte, chartkompatible Acts wie ATOMIC KITTEN, Ronan Keating oder BLUE zu sein. Aus dem Frust heraus, dass sich "heart" auf "start" zu reimen hat, schrieb Godfrey Songs, die länger als 3 Minuten waren, kaufte sich 40 CDs der damals führenden Prog-Bands und stellte daraus seine Band zusammen. Man veröffentlichte "Milliontown", trat ein paar Mal live auf, bevor sich die Mitstreiter von Jem wieder ihren Hauptbands widmeten und dadurch das Auflösungsgericht auslösten.
Umso erstaunlicher, dass nun nicht nur Jem Godfrey wieder am Start ist, sondern auch alle, die beim Debütalbum ihre Dienste zur Verfügung gestellt hatten. So haben sich John Mitchell (u. a. ARENA, IT BITES oder KINO an der Gitarre), Andy Edwards (seines Zeichens Drummer bei IQ) und John Jowitt (als Tieftonbediener bei ARENA, IQ, JADIS in Diensten) zusammen mit ihrem Mastermind ins Studio verkrümelt und FROST* ein weiteres Lebenszeichen verpasst.

Damals wie heute war es Jems Bestreben, fortschrittlich und wirklich progressiv zu sein und sich auch den Kritikern zu stellen und aus deren Worten zu lernen. So kommt es auch, dass aus dem Quartett ein Quintett geworden ist. Nach der ersten CD warf man nämlich Mr. Godfrey vor, dass er nicht singen könne und so hat er mit Declan Burke den Sänger verpflichtet, der genau dem entspricht, was sich Jem unter einem Sänger für FROST* vorstellte und der darüber hinaus noch mehr zu bieten hat, indem er auch Gitarre spielt.
So verstärkt wurden dann die Ideen von Godfrey im Studio in die Tat umgesetzt. Auch wenn er nun behauptet, dass FROST* nicht mehr nach FROST* klingen würden, weil er die ständige Veränderung will, hat dieses Album doch die Markenzeichen, die das Debüt so einzigartig machten. Da sind zum einen diese wuchtigen und komplexen Songs, die so kompakt aus den Boxen schallen, als wollte man mit Gewalt Mauern niederreißen, und zum anderen die überraschenden und teilweise nicht vorhersehbaren Wendungen in den Songs. Da kann es sein, dass in einem Lied mit zartem Intro plötzlich das infernale Gitarrengewitter über einen herfällt, wie der Wolf über das vereinsamte Schäfchen. Da stehen Industrialanleihen und Stampfrhythmen neben schwebenden Vocals, und in Pocket Sun darf der Schlagzeuger mal zeigen, was er a) alles an seinen Drums montiert hat und b) wie toll er das alles in seine Einzelteile zerlegen kann. Das hat schon was. Dann tauchen Piano-Klänge auf, die dem Ohr schmeicheln, um kurze Zeit später von Highspeed-Gitarrensoli pulverisiert zu werden. Alles in allem ist das spannend und in den Augen von Mr. Godfrey wirklich progressiv.
Nicht der übermäßige Einsatz von Mellotrons, Moogs und anderen Tasteninstrumenten, sondern die Verbindung aus traditionellen Spielweisen mit frischen, innovativen Ideen. Dass man mit nicht ganz ausgereiften Ideen trotz aller Modernisierung auch schnell langweilen kann, zeigt Wonderland, das als Schlussstück in 15 Minuten dermaßen viele überflüssige und extrem leise (und ich meine wirklich EXTREM LEISE) Parts scheinbar grundlos in das Gesamtsonggefüge schiebt, dass es mitunter echt gehörschädigend wird. Das passiert dann, wenn man mit voller Lautstärke versucht, die leisen Parts noch zu erahnen und unvorbereitet mit der normalen Lautstärke wieder auf den Boden zurückgeholt wird. Dafür gibt's Punktabzüge.

Herausgekommen ist damit ein Album, das von "Oldschool-Proggies" wahrscheinlich mit der gerümpften Nase gehört wird, denn es zeigt auf, wohin der progressive Hase in Zukunft vielleicht hüpfen wird. Auf alle Fälle ist und bleibt es eine Scheibe, die hoffentlich nicht die letzte dieser Band ist, denn in den Herren steckt noch jede Menge Potential und die Messlatte wird immer weiter nach oben geschoben.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 10.11.2008

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > Frost* > Experiments In Mass Appeal

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum