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| Live II, Locomotive Records, 2007 |
| Roger Earl |
Drums, Background Vocals |
| Craig MacGregor |
Bass, Background Vocals |
| Bryan Bassett |
Lead & Slide Guitar, Background Vocals |
| Charlie Huhn |
Lead Vocals, Guitar |
| Gast: |
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| Carl Davino |
Background Vocals (I'm A Rock n' Roller & Self-Medicated) |
| Produziert von: Bryan Bassett (Live Recording) |
Länge: 111 Min 31 Sek |
Medium: Do-CD |
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| CD 1: | |
| 1. Night Shift | 6. Mumbo Jumbo |
| 2. Take Me To The River | 7. Terraplane Blues |
| 3. Stone Blue | 8. Bang, Bang (Drum Solo) |
| 4. Slippin' & Slidin' (Guitar Solo) | 9. Fool For The City |
| 5. Drivin' Wheel | |
| CD 2: | |
| 1. California Blues | 6. Chevrolet |
| 2. I Just Want To Make Love To You | 7. I'm A Rock 'N Roller |
| 3. Chateau Lafitte '59 Boogie | 8. I Feel Fine |
| 4. Slow Ride | 9. My Babe |
| Studio Bonus Track: | 10. Self-Medicated |
| 5. Trouble, Trouble | 11. Road Fever |
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Es gibt nur eine Band, die in drei Jahrzehnten drei gleichwertige Liveplatten veröffentlicht hat: FOGHAT.
Es gibt drei Leute, die im Home of Rock über FOGHAT schreiben dürfen: Joachim Domrath, Jürgen Ruland, dessen phänomenale Story "If you don't sweat, it ain't Rock'n'Roll" aus dem Jahr 2005 an dieser Stelle nochmals empfohlen ist, und eben mich (FOGHAT und andere in den konventionellen Medien ignorierte Großmeister waren 2001 Anlass für die Gründung des Home of Rock - wo sollten wir sonst hin mit unseren Artikeln, wenn nicht selbst veröffentlichen).
FOGHAT, Domrath, Ruland und ich sind Opfer des gefährlichen Boogie-Syndroms. Es macht dich zum Fool For The City, trägt dich mit seinem Drivin' Wheel zu einem Slow Ride und führt zum finalen Road Fever. Tja, wir sind junge Menschen und trotzdem schon dem Chateau Lafitte '59 Boogie verfallen (welcher im Gegensatz zur 2004er-Veröffentlichung "Decades Live" hier wieder richtig geschrieben wird). Doch nun zu den wichtigen Dingen: "When I was stone blue, Rock & Roll sure helped me through".
"Family Joules" war 2003 für viele, auch für Herrn Ruland, nicht mehr FOGHAT, obgleich die CD wundervoll rockt. Natürlich war es eine "neue" Band, aber der Groove war da, die Songs passten großteils ebenfalls, nur die klassische FOGHAT-Härte wich einem etwas entspannteren Sound. Kurz, es war moderner Classic Rock. Aber was die Herren um den letzten verbliebenen Gründer Roger Earl im Juli vor zwei Jahren irgendwo in Kalifornien aufgenommen haben, ist mehr FOGHAT als man jemals hätte erwarten können. Watch out:
An der Lead- und Slide Guitar: Bryan Bassett. Bei MOLLY HATCHET notorisch unterfordert, nun endlich in der Führungsposition. Eine durchgehend phantastische Vorstellung.
Am Bass: Craig MacGregor. Bekanntlich ab 1975 schon Ersatz für den ausgestiegenen Tony Stevens, seit 2005 wieder in der Band - und ein Volltreffer. Glanzvoller kann man Bass kaum spielen.
Dahinter natürlich Roger Earl, the man himself. Schon immer einer der besten Rock-Schlagzeuger, inzwischen unumstrittener Chef und unermüdlicher Antreiber. Earl ist 61 Jahre alt und wuchtet nach wie vor wie kein zweiter den FOGHAT-Rhythmus ins Publikum. Zusammen mit MacGregor ein gewaltiges Spektakel.
Schließlich und endlich Charlie Huhn. Er sang in den Siebzigern etliche LPs von Ted Nugent zur Meisterschaft, hievte die deutschen VICTORY auf internationales Niveau, musste als Marriott-Nachfolger bei HUMBLE PIE zwangsläufig scheitern und hat sich seit 2001 die vermeintlich übergroßen "Tight Shoes" von "Lonesome" Dave Peverett angezogen. Und was soll man sagen, Charlie Huhn ist nach Peverett der denkbar beste Shouter für FOGHAT. "Live II" ist quasi die Geburt eines neuen Supersängers. Egal ob Slow Ride, immerhin Peveretts Meisterstück, oder neue Songs wie Mumbo Jumbo, Charlie macht sie zu seinen eigenen Vorzeigestücken. Dave wird die Sache mit Wohlwollen betrachten.
Dass Charlie ganz nebenbei noch eine famose Rhythmusgitarre spielt, ist Zugabe, lässt "Live II" gitarrentechnisch allerdings zum besten Werk der langen Bandgeschichte werden. Übertrieben? Nein, denn was Bassett und Huhn veranstalten, lässt den Hörer vor Begeisterung kreischen. Man höre nur den Terraplane Blues, bei dem Huhn hinter Bassetts Slide einen nie zuvor gehörten Rhythmus spielt. Oder die zweistimmigen Riff- und Solokolosse in Fool For The City; wahnsinnig im reinen Wortsinn.
Rod Price tendierte in den letzten Jahren vor seinem Ausstieg 1999 mehr und mehr in Richtung Blues, was FOGHAT manchmal zu einer etwas behäbigen Maschine machte, mit Bryan Bassett hat sich seither wieder ein klassischer (Southern) Rocker etabliert und das lässt zum Beispiel I Just Want To Make Love To You wie in den frühen Tagen zur Orgie werden. Fast 10 Minuten Gitarrenboogie, mit einem über sich hinauswachsenden Charlie Huhn und der Lichtgestalt Bassett am Bühnenrand. Fast ein Wunder, dass er nicht von MacGregors Donnersound in den Abgrund geschubst wird.
Nicht genug damit, gleich anschließend folgen neuneinhalb Minuten des wohl besten FOGHAT-Songs aller Zeiten, dem unerreichten Chateau Lafitte '59 Boogie. Nach dem locker swingenden Einstieg folgt etwas, das man mit Worten nur ungenügend beschreiben kann. Zwei Gitarren ohne Bremsen, etwa 280 Kilometer schnell und das in einer Steilkurve. Wem es danach noch nicht reicht, wird von weiteren neun Minuten Slow Ride platt gewalzt. Für Ungeübte sind derlei Brecher mörderisch.
Knapp 80 Minuten FOGHAT live, was für ein Fest. Doch damit nicht genug, es gibt Nachschlag. Ein gutes halbes Stündchen mit Studiotracks. >
2005 nahmen die Herren eine ganz alte Kamelle noch mal auf: Trouble, Trouble vom 72er Debutalbum. War schon damals ein Bringer, heute ist es aufgrund des notorischen Boogies, des Presslufthammer-Basses und Huhns expressionistischen Gesangs ein Killer. Mensch, wer hätte gedacht, dass man so einen Song noch besser spielen könnte?
Viel jünger, nämlich von 1978, ist Chevrolet von "Stone Blue". Mensch, wer hätte gedacht. "Stone Blue" war ein "Übergangsalbum" und gegen "Live", nur ein gutes halbes Jahr vorher erschienen, konnte die Studio-LP nicht anstinken, außerdem hatte sich der Zeitgeist deutlich gewandelt und die Band hatte zudem nicht ihre besten Songs am Start. "Stone Blue" ging irgendwie unter. Gute Idee, diese Nummer im vergangenen Januar in heutiger Besetzung und jetzigem Sound nochmals aufzunehmen.
I'm A Rock N' Roller und Self-Medicated stammen von "Family Joules", und es liegt der Verdacht nahe, dass die Band mit dem Sound dieser CD dann doch nicht ganz zufrieden war, anders sind diese extrem krachenden Neuauflagen nicht zu deuten. Was von I Feel Fine vom gleichen Album nicht zu sagen ist, außer der hier vertretenen tollen Slide ist dieser Blues nach wie vor nicht unbedingt ein Vorzeigestück.
My Babe ist seit "Fool For The City", also 1975, ein Juwel. Und es ist der einzige dieser sieben Songs, der nicht ans Original herankommt. Es geht natürlich gut ab, aber die damalige Leistung Lonesome Daves ist nicht zu toppen. Trotzdem, das soll eine junge Band erst hinbekommen.
Zum Schluss dann das lange vermisste Road Fever. Im Live-Set ist dieser All-Time-Superhit offenbar nicht mehr vertreten, also gibt es nun eine neue Studioversion. Und was für eine! Bitte, wer Road Fever nur von der ersten Live-Platte kennt, soll nicht vergleichen. Peverett wird für immer unkopierbar bleiben, aber wie sich FOGHAT hier durch dieses Monster kämpfen, inklusive sensationeller Bassett-Huhn-Schlachten, wird das Original von 1973 bei weitem übertroffen.
Das dritte Live-Album von FOGHAT, der dritte Geniestreich. Wir gehen auf die Knie und huldigen den Göttern des Boogie all night long. Besser geht nicht.
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