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Exit 31

Phonogenic

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Phonogenic
Phonogenic, YeaYeaYeah Records, 2006
Ivo Penders Lead Vocals, Bass
David Capel Guitars, Keyboards, Vocals
Garry Capel Guitars, Vocals
Florian Van Mulken Drums, Percussion, Vocals
Produziert von: Erwin Musper Länge: 50 Min 59 Sek Medium: CD
1. Bye Baby7. Frozen
2. Puzzles8. Mother Theresa
3. Here I Am9. Overslept
4. To Be With You10. On My Way
5. Bored Beyond Believe11. Any Time At All
6. Levity12. Desperately Forward

Fein, EXIT 31 haben also irgendwas beim Emergenza gewonnen. Wer es nicht weiß, das Emergenza hat sich in den letzten Jahren zur neu-rockenden Landplage entwickelt und keine Band unter 25 kann es sich heutzutage noch erlauben, dort nicht dabei gewesen zu sein. Auf grundsätzlich jeder Bandhomepage prangt ein Vermerk, bei welchem Emergenza-Wettbewerb gerade gespielt und was gewonnen wurde, überall fliegen Flyer und Ankündigungen herum, in nahezu jedem Club steigt demnächst die nächste Emergenza-Vorausscheidung, und wenn man dann tatsächlich mal hin geht, wird man oftmals mit einer erschütternden Schülerbandqualität konfrontiert und man fragt sich, ob DAS nun die Zukunft des Rock & Roll sein soll.
Ist böse und ungerecht, ich weiß. Im Grunde ist die weltweit stattfindende Competition eine feine Sache für junge Bands und vielerorts die einzige vernünftige Auftrittsmöglichkeit. Nur die inflationäre Handhabung nervt bisweilen.

Sollte sich jemand auf die Emergenza-Homepage verirren und dort nach der niederländischen Band EXIT 31 suchen, wird er sage und schreibe sieben Bands namens EXIT finden und zusätzlich noch die Hausnummern 13 (2x), 27, 42, 53 und 88 hinter dem Ausgang. Bloß 31 nicht, die haben wohl schon vor längerer Zeit dort gewonnen.
Die Band gibt es bereits ein paar Jährchen - in denen sie sich offensichtlich die Widerhaken abgeschmirgelt hat. Und deswegen klingt "Phonogenic" (= photogen in Tonform) auch wie ein großer, gut umgerührter Eintopf der etwa 5 bis 10 besten Emergenza-Gewinner der letzten Jahre. Glücklicherweise wirklich die BESTEN, sonst wär's schlecht ausgegangen, denn in Punkto Eigenständigkeit und Innovation sind EXIT 31 beileibe nicht marktführend.
Folgerichtig wurden die jungen Männer von Erwin Musper produziert, der auch schon Schoten von den SCORPIONS (inklusive Wind Of Change!), VAN HALEN, Elton John, Anouk oder gar WARRANT verköchelt hat. Merke: Man stelle den lernwilligen Wilden einen gestandenen Erfolgsproduzenten zur Seite und schon ist der Hit beinahe garantiert.

Für eines hat Musper gesorgt: "Phonogenic" klingt wirklich geil. Druckvoll, transparent und in fast jeder Lebenslage bestens konsumierbar. Da ist ein bisschen NuRock, ein Schuss Hüpfburg-Punk, ein Löffelchen Classic Rock und jede Menge Mainstream zu finden.
Mainstream ist schon okay, solang es nicht in krampfhafte Chart-Anbiederung ausartet, was hier, man muss es in aller Deutlichkeit sagen, auch vereinzelt vorkommt. Da werden dann die Arrangements mächtig opulent (On My Way) und gnadenlos auf Frühstücksradio gebürstet und man grinst unwillkürlich, weil es doch sehr an frühere Karrierefallstricke wie To Be With You von MR. BIG oder EXTREMEs More Than Words erinnert - und prompt haben EXIT 31 auch einen eigenen Schmusesong namens To Be With You am Start. Vorsicht! So ein Monsterhit kann tödlich für eine Band sein. Andererseits natürlich auch die perfekte Rentenversicherung.
Aber wenn die Jungs rocken, geht die Sause astrein ins Bein. Tiere und Menschen werden zwar zu keiner Zeit gefährdet, aber die schwungvolle Melange aus fettem Riffing, Power-Pop(p)en und der großteils gelungenen Gesangsperformance macht Jung und Alt Spaß. Levity oder Overslept sind beispielsweise solche tadellosen Abgehnummern, die jederzeit auch bei Festivals wie "Rock im Millionenpark" für klatschende Händchen sorgen können. Ebenso gut kommt Madonnas Frozen und eine ganze Latte weiterer Schlager, die sich durch ihre Mitsingkompatibilität in Windeseile festsetzen. Man weiß eigentlich immer was gleich kommt und das macht es dem Hörer leicht, die Burschen zu mögen.

"Alternative" sind EXIT 31 mitnichten, das Emergenza ist NICHT die Zukunft des Rock & Roll, aber "Phonogenic" ist eine hübsche CD. Wenn sich die Band nicht gänzlich verbiegen lässt, könnten da noch ein paar Hinhörer in den nächsten Jahren kommen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.05.2006

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