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Start From The Dark

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Start From The Dark
Start From The Dark, Sanctuary Records, 2004
Joey Tempest Vocals
John Norum Guitars
John Levin Bass
Mic Michaeli Keyboards
Ian Haugland Drums
Produziert von: Kevin Elson Länge: 48 Min 41 Sek Medium: CD
1. Got To Have Faith7. Song No. 12
2. Start From The Dark8. Roll With You
3. Flames9. Sucker
4. Hero10. Spririt Of The Underdog
5. Wake Up Call11. America
6. Reason12. Settle For Love

Im tiefsten Inneren wussten wir es immer, irgendwann musste es passieren. Und jetzt ist es soweit. Pudel, bringt Eure Herrchen in Sicherheit! Fleischfachverkäuferinnen, holt den alten Stretchmini aus dem Schrank und blondiert Euch neu! 19 Jahre nach The Final Countdown sind EUROPE wieder da!
Die Erfinder des toupierten Schweden-Pop-Trallala-Rock ließen es sich nicht nehmen, auf ihre alten Tage ein Comeback zu versuchen - und wir hatten doch alle gedacht, der Spuk wäre 1992 vorbei gewesen. Denkste, die Herrschaften waren ihre kommerziellen Solo-Flops offensichtlich leid und treten nun in der klassischen Besetzung Tempest, Norum, Leven, Michaeli, Haugland noch mal an. Spott und Häme warten schon, erst neulich ließ ein bekannter Southern Rock Sänger eine so brüllend lustige Final Countdown Persiflage mitsamt "sexy sexy Stripshow" seines Bassisten vom Stapel, dass man meinte den Doc Holliday holen zu müssen.

Es ist unfair, eine Band immer nur nach einer einzigen Peinlichkeit zu beurteilen. Und vor allem, diese Peinlichkeit gehört sicher zu den 50 bestverkauftesten Peinlichkeiten der letzten 30 Jahre Popgeschichte. Ist es nicht so, dass die meisten Songschreiber dieser Welt ihren linken Arm für einen solchen Erfolg geben würden? Dass die Band letztendlich am Druck dieser Vorgabe scheitern würde war natürlich klar. So ein Ding rutscht einem nicht alle Tage raus. Für "Start From The Dark" ist ihnen ganz sicher kein Hit aus der Feder geflossen. Schlechte Songs also? Mitnichten. Keinen Hit zu haben ist im Jahr 2004 keine Schande mehr.

Zählen wir mal die positiven Aspekte dieser CD auf. "Start From The Dark" ist keine Popmusik. Die beiden Songwriter Joey Tempest und John Norum haben bewusst Ähnlichkeiten mit ihren alten Schlagern vermieden. EUROPE biedern sich nicht dem Mainstreampublikum an (wer ist eigentlich heutzutage das Mainstreampublikum?). Produktion und Sound sind natürlich bestens. In weiten Teilen ist dieses Album leicht sperrig, kantig, angeschrägt und heavy. Ihren Sinn für eingängige Melodien haben die Schweden dennoch nicht verloren.

Licht bedingt Schatten. "Start From The Dark" ist kein Monumentalwerk zeitgenössischer Rockmusik. Die Grundstimmung der CD ist düster, deswegen verbietet sich unangebrachte Fröhlichkeit von selbst. Leider schließt das auch eine gewisse positive Ausstrahlung aus. Irgendwie tönt die gesamte Platte wie "warum tun wir das eigentlich, es wird sich eh kein Schwein dafür interessieren". Selbst die einzige "Hymne", Hero, klingt nicht gerade nach ungezügelter Freude. Schade, denn endlich schauen die Protagonisten nicht mehr wie frisch aus dem Haarstudio aus, sind - nicht nur äußerlich - merklich gereift und könnten eigentlich problemlos den Soundtrack eines erfolgreichen Musikerlebens entwerfen. Stattdessen gibt es hervorragende Gitarrenarbeit von Norum zu bewundern, die aber fast durchgehend im tiefergelegten Bereich angesiedelt ist. Kein happy go lucky, vielmehr nachdenkliche Töne zu nachdenklichen Texten mit eingängigen, aber Tristesse verbreitenden Vocals. "Start From The Dark" erinnert an einen langen Polarwinter.

Beileibe keine üble CD. Aber eben auf keinen Fall zur Party geeignet. Wäre es ein Lebensmittel, Biolek würde sagen: Hmmm, ja, interessant.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.09.2004

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