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Eric Steckel

Feels Like Home

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Feels Like Home
Feels Like Home, Rounder Europe, 2008
Eric Steckel Guitar, Vocals, Hammond B3
Mike Esposito Bass
Duane Trucks Drums
Gast:
Craig Thatcher Guitar (Don't Look Behind)
Produziert von: Robert Sands Länge: 58 Min 15 Sek Medium: CD
1. Just Walk Away7. Something Better
2. Feels Like Home8. From Time To Time
3. Southern Skyline9. When Ignorance Turns To Bliss
4. Don't Look Behind10. The Ghetto
5. Smiling Liar11. Tuscany
6. C'mon In My Kitchen

Kinderstars sind ungefähr das grauenerregendste Phänomen der Medienbranche, und leider auch oft genug Musterbeispiel für völlig verkorkste Kreaturen, die im späteren Leben kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Es überkam einen also großer Schauder, als vor einigen Jahren ein kleiner Junge namens Eric Steckel mit einer großen Fender Gitarre sehr erstaunliche Töne zuwege brachte. Noch größer war der Grusel, als man gewahr wurde, dass das Kind Musik spielt, die einem selbst als Kind zur Lebenseinstellung wurde. Das ist deutlich über 30 Jahre her und selbst dazumal war Blues alles andere als neu. Bitte, was will ein Bub im dritten Jahrtausend mit hoffnungslos archaischer Musik? So wie man heutzutage im Fußball keinen "Ausputzer" mehr braucht (Entschuldigung, "Katsche" Schwarzenbeck), ist diese Art von Musik längst ein völliger Anachronismus, auch wenn eine zünftige Katsche-Grätsche immer noch ihren Reiz hat. Da steckt doch ein gnadenlos ehrgeiziger Vater dahinter, denkt man.
Ob Eric Steckel ferngesteuert ist weiß man nicht. Auf jeden Fall ist er nach deutschem Recht jetzt ungefähr volljährig, über den Stimmbruch hinweg, und veröffentlicht bereits seine fünfte CD. Aus dem Kind ist ein netter junger Bursche geworden, der zwar eher an Philip Lahm als an einen Rocker erinnert, aber eine ähnlich verblüffende Leistung auf der Außenbahn (hier: Außenbahn des Blues) vollbringt wie der freundliche Verteidiger aus München. Ist Eric Steckel mit seinen wenigen Jahren nun der Verteidiger/Bewahrer/Erneuerer des Blues?

Zuvorderst muss allen Blues-Gelehrten gesagt werden, dass "Feels Like Home" nur wenige Zwölftaktgelüste befriedigt, auch wenn Steckel zwölftaktige Altenpflege betreiben könnte. Er ist sozusagen im "Sozialen Jahr für Orientierung suchende Jungrocker" und reicht den alten Zauseln bei Bedarf auch mal die Blues-Bettpfanne.
Die Vielfältigkeit seiner historischen Einflüsse ist fast beängstigend. Sämtliche Kings, Claptons, Allmans, Betts' und Vaughans scheint er im Schlaf gelernt zu haben. Woher kann er das alles kennen und wie hat er es so tief verinnerlicht? Und vor allem: Warum klingt es nicht nach Coverversion? Steckel singt, spielt Gitarre und Orgel und ist nie die menschliche Jukebox, wie es so viele der "modernen" Blueser sind. Das muss doch für ein Kid zu viel sein. Selbst Aynsley Lister war schon deutlich über 20, als er sich halbwegs von den Zwängen der Musikgeschichte freischwimmen konnte, Klein-Eric ist viel früher dran.
Die nächste Gefahr, nämlich die "Bonamassafikation", umschifft Steckel ebenfalls. Er wird kaum einmal aufdringlich und spielt dem Hörer nie die Ohren blutig. Natürlich steht die Gitarre im Vordergrund, aber eben nicht als Selbstzweck und Ersatzbefriedigung, sondern als Instrument im Gesamtkontext. Will sagen: "Feels Like Home" besteht aus Songs und nicht aus aneinander gereihten Angebersoli.
Seine beiden Begleiter agieren passend zu diesem Understatement, obwohl sie reichlich bekannte Namen tragen: Mike Esposito am Bass und Duane Trucks am Schlagzeug. Esposito ist als Multiinstrumentalist seit Jahrzehnten eine Marke und Trucks ist der neunzehnjährige Bruder von Derek Trucks, den viele Fans als legitimen Gitarristen der heutigen ALLMAN BROTHERS BAND sehen. Das ist erstens Ansichtssache und zweitens falsch, denn wenn diese Band überhaupt noch eine Berechtigung hat, sollte sie es mit einem Gitarristen wie Eric Steckel versuchen.

Steckel scheut sich nicht vor den "primitiven" Riffs, also den vermeintlich einfachen Dingern, die den Leuten die Gänsehaut über den Rücken jagen. Da wird gleich zum Einstieg mächtig geholzt und beim zweiten Song das Melodiebedürfnis des Rockers so ausreichend befriedigt, dass eigentlich im Anschluss nicht mehr viel schief gehen kann. Feels Like Home hat diesen süffigen Southern Spirit, der einfach glücklich macht. Es ist lange Jahre her, als Dickey Betts solche Songs intonierte. Was ist nur passiert in der Musikindustrie, dass diese Art von Musik so vor die Hunde gegangen ist?
Noch viel "allmanesker" kommt das Instrumental Southern Skyline. Mensch, ist das schön. Da macht es auch nichts, dass der Gesang in Don't Look Behind natürlich nicht mit Gregg Allman konkurrieren kann, die Jahre werden das von selbst bringen, und außerdem ist ein junger und gesunder Eric Steckel zukunftsträchtiger als die verbrauchten Brüder.
C'mon In My Kitchen (Robert Johnson schrieb es als Come On…) spielt mit den rudimentärsten Blues- und Boogie-Instinkten - und geht entsprechend ins Bein. From Time To Time funktioniert ähnlich, wenn auch deutlich banaler, dafür entschädigt das beinahe experimentelle When Ignorance Turns To Bliss mit präzisen akustischen und turmhohen elektrischen Gitarren alle Anspruchsdenker. Das hat deutlich mehr Reife als man dem jungen Mann eigentlich zugestehen möchte.
Gleiches gilt für den Latin-Jam The Ghetto, der sich so herrlich steigert, dass man über die achteinhalb Minuten in einen wundervollen Rausch gerät.

Eric Steckel aus Jacksonville, Florida ist jetzt fast ein großer Junge und hat mit "Feels Like Home" sein erstes erwachsenes Album gemacht. Wenn dieses Talent nicht von den falschen Leuten zugrunde gerichtet wird, werden wir alte Säcke mit diesem Kerl noch viel Freude haben. Und außerdem sollte er vielleicht darauf achten, nicht zu oft als Zirkuspferd bei Tourneen abgehalfterter Altstars zu gastieren. Ein John Mayall hat sich schon lange genug mit jungen begabten Musikern geschmückt und über den bemitleidenswerten Johnny Winter muss man eigentlich kein Wort mehr verlieren. Steckel kann das jetzt alleine und viel besser.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 30.06.2008

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