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Eric Andersen:Memory Of The Future |
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Das deutsche Label Normal Record und Glitterhouse machen es möglich, Eric Andersens neueste Alben zu akzeptablem Preis zu bekommen. Die USA-Preise sind bei der derzeitigen Dollar-Euro-Parität indiskutabel - es gibt schlicht und einfach kein Album, für das ich 40 Mark und mehr bezahlen würde, die je 28.90 bei Glitterhouse sind Balsam auf meine Seele. Sie bescheren mir über zwei Stunden der Musik, die meine ruhige, melodische Seite anspricht. "Here comes 1914, 1932, those cattle cars and yellow stars, it's right back to the roots, it's moving in the open, with
a snarl and a growl, the cages have been broken and the beast is on the prowl".
"Rain falls down in Amsterdam" entspricht absolut nicht meiner obigen Aussage der ruhigen, melodischen Musik - ein
verstörender Song über das weltweite Wachsen von Neonazis und Nationalisten. Für manche mag der
Text zu pathetisch sein, was ich durchaus verstehen kann. Aber bei den Worten des Refrains (s.o.) bleibt bei mir doch
ein sehr ungutes Gefühl, wehret den Anfängen kommt mir da in den Sinn.
Ein zweites Lied, "Chinatown", ist in etwa auf einer Linie mit "Rain .....". "There was a murder down in Chinatown ..."
beginnt die erste Strophe. "Teenage killer pulls a gun ....".
Die/der LeserIn, die/der das Werk Eric Andersens kennt, hat sicher erkannt, dass "Memory" mehr zu bieten hat, als
altbackene Folk-Musik, die man dann mit viel gutem Willen als Folk-Rock bezeichnen kann, weil mal Drums etc
zu hören sind.
Bei sieben von elf Liedern tragen Frauenstimmen einiges bei:
Auch die (relativ) vielen Sopranstimmen, sind sicher nicht jedermanns Sache. Mir gefallen sie durchaus, auch wenn
ich mich schon etwas daran gewöhnen musste.
"Sudden Love" läßt von den o.g. Songs noch nichts ahnen, es ist ein wunderschönes Lied, wie wir es von Eric Andersen gewohnt; Akustik, Mundharmonika, später volle Besetzung mit Drums, E-Gitarre und Hammond. Im ersten Refrain kommt Sari Andersens Sopran dazu, teils unisono, teils zweite Stimme. Ab dem Zweiten singt Eleanor Mills "answer vocals", dann alle Drei gegeneinander. Klasse. Mit ähnlicher Stimmung höre ich "Foghorn", Blue Heart", "Goin' Gone", "Sex with You" und "Hills of Tuscany". Melodienreiche, gut arrangierte und produzierte Lieder, niemals langweilig, immer mit Akzenten, die es lohnen, entdeckt zu werden. Im Booklet ist eine ausführliche Einführung von David Fricke, Senior Editor des Rolling Stone, zu lesen. Jeder Song hat seine Geschichte, manche sind, wie "Hills of Tuscany" 1985, vor vielen Jahren komponiert worden, Phil Ochs' "When I'm gone" als einzige Fremdkomposition stammt aus dem Jahr 1966. Da mir beide CDs gleichzeitig ins Haus geflattert sind, bietet es sich an, sie in einem Artikel zu besprechen, obwohl sie stilistisch ein ganzes Stück auseinander liegen. "You can't relive the Past" ist hauptsächlich in Mississippi mit altgedienten Bluesmusikern aufgenommen, wie im Folgenden noch zu lesen ist. Beim Lesen der CD-Daten sind zwei berühmte Namen nicht zu übersehen: Lou Reed und Townes van Zandt.
Wie es zu dieser Zusammenarbeit gekommen ist, wird im Booklet beschrieben und braucht nicht wiederholt zu werden.
"Gonna go crazy", "Every once in a pale blue Moon", "Stand me up easy" und "Night Train" verdeutlichen die Zusammenarbeit mit den Bluesmen. Über sie weiß das Booklet einiges zu erzälen. Die Songs, die EA und TvZ zusammen in den 80'ern geschrieben haben, sind unterschiedlichen Stilen zuzuordnen. "Meadowlark" gefällt mir am Besten. Von TvZ stammt wohl der Text, denn die Musik ist die von EA, eine wunderschöne, traurige Ballade. Aber auch die anderen fallen nicht ab. Der einzige Titel, der mir nicht so gut gefällt, ist "Magdalena". Zu weinerlich. Beinahe hätte ich "Eyes of the Immigrant" vergessen. Eric singt eine Melodie, die ich mir als Teil einer Gesangsausbildung vorstellen kann. Zwar keine Koloraturarie alla Rossini, aber im Kleinen vergleichbar. Das muss man erstmal nachsingen. Und das Thema ist brisant, wird die Erde noch lange Jahre beschäftigen. Wie meinen Worten deutlich zu entnehmen ist, bin ich von diesen beiden CDs begeistert. Ich habe mich fest am Zügel genommen und versucht, so neutrale Worte zu finden, wie es mir möglich ist. Eric Andersen ist auch nach etwa 30 Jahren des musikalischen Schaffens weit von einem Ende entfernt. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, die fehlenden Alben zwischen "Ghost ..." und "Memories ..." zu einem vernünftigen Preis zu bekommen. Dann werden die Freunde der leiseren Töne meine Meinung lesen können.
Eric Andersen lebt seit einigen Jahren in Norwegen und kennt, ich vermute, alle Staaten Europas. Er ist bei Festivals, wie Fruttigen in der Schweiz dabei, und ich hoffe, ihn irgendwann live zu erleben. Werner Saumweber (Impressum, Artikelliste), 16.02.2001 |
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