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| Platte, Sulatron Records, 2007 (2003) |
| Sylvio Franolic |
Schlagzeug |
| Josef Ahns |
Gitarre |
| Dirk Bittner |
Gitarre, Bass, Altes Schlagzeug, Petrcussion, Harmonium |
| Dirk Jan Müller |
Hammond, Synthesizer, Leslie, Rhodes, Tonband, Elka, Flügel |
| Produziert von: Double D (Dirk Bittner & Dirk Jan Müller) |
Länge: 61 Min 46 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Kwack | Bonus Track: |
| 2. Holzbock | 4. Dedicated to MK |
| 3. Columb | 5. Flurstück |
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So, dann nehmen wir uns mal gaaanz viel Zeit, ne. Es geht um ELECTRIC ORANGE, dieses eigenartige Psychedelic-Gespenst aus Aachen, die Band, die viele namentlich kennen, aber nie gehört und schon gar nicht gesehen haben. Aaalso, diese ELECTRIC ORANGE haben im Jahr 2003 eine Vinyl-LP aufgenommen und sie sinnig "Platte" genannt. Darauf hat Projektgründer Dirk Jan Müller zusammen mit Dirk Bittner, seinem Kumpan über ein Jahrzehnt, und zwei weiteren Musikern drei Stücke mit einer Laufzeit von etwa 38 Minuten in vermutlich atemberaubender Stückzahl unters Volk geworfen. Mindestens ein Dutzend Konzerte und die nächste LP "Fleischwerk" (Auflage: 300 Stück!) folgten in den nächsten drei Jahren und der weltweite Erfolg war kaum mehr aufzuhalten.
An dieser Stelle tritt nun Dave Schmidt, auch gut bekannt als Sula Bassana, mit seinem Label Sulatron Records auf den Plan und veröffentlicht (im ersten Schritt) "Platte" mit zwei so genannten Bonus Tracks endlich auf CD. David Schmidt ist bekanntlich Berliner, nach wie vor Mitglied bei den wundervoll versponnenen LIQUID VISIONS, und lebt inzwischen in, logisch, Österreich. Von dort betreibt er sein Label mitsamt Mailorder und nimmt sich solcher Perlen wie eben ELECTRIC ORANGE an. Die psychedelische Welt ist eine verworrene, oder?
"Platte" ist jetzt 61 Minuten lang. Oder 610? Oder 39 Jahre? Vor 39 Jahren erschien PINK FLOYDs "A Saucerful Of Secrets". Und im gleichen Jahr wurde der verwirrte Syd Barrett in sein langes Delirium entlassen. Ja, "Platte" erinnert irgendwie an diese Zeit. Und an deutschen Krautrock der Siebziger. Abgefahren ist das.
Zuallererst muss der Sound dieses Werks begutachtet werden. Egal wie digital es letztendlich aufgenommen wurde, eingespielt sind die fünf Tracks ganz offensichtlich mit Equipment aus dem Rock-Museum. Da schwirrt der Leslie, da miept der Synthesizer, das Rhodes-Piano artikuliert seine urtypischen Klänge, da brabbeln und blubbern längst vergessene Töne wieder daher - und was für ein warmer Gitarrensound. Ein ganz eigenartiger Trip, an dessen Ende man aber erkennt, dass man genau darauf seit Ewigkeiten gewartet hat.
[Grade gestern habe ich höchstselbst das Fehlen Angst machender Musik anhand der Garagen-Rocker THE DEFECTORS bemängelt. ELECTRIC ORANGE machen zwar nicht unbedingt Angst, gehen aber mit ihrem hypnotischen Sound ans innere Musiknervenzentrum.]
Keine Frage, diese "Platte" ist psychedelisch, krautik, beschränkt sich nicht auf Andeutungen, sondern lebt das gesamte Spektrum des Machbaren aus. Trance für Fortgeschrittene. Und jetzt kommt's: "Platte" ist von vorne bis hinten anhörbar! Ihr versteht? Trotz aller Experimente und furioser Avantgarde (das Piano in Flurstück ist wirklich nahe an der Behandlungscouch) hat die gesamte CD einen traumhaften Flow, nie einen Bruch. Experimentelle Musik um der Musik willen, nicht wegen des Experiments. In den allermeisten Momenten kann man sogar von Schönheit sprechen. Größe der Musik und Gänsehaut des Hör-Gastes vereinen sich, man wünscht sich die Hör-Seh-Fühl-CD.
Was immer die beiden Dirks im wirklichen Leben tun, Verwaltungsfachangestellter wäre der Hit, mit "Platte" haben sie sich selbst ein Denkmal gesetzt. Bitte, lieber Leser, relax und freu dich auf die kommenden Wieder- und Neuveröffentlichungen von ELECTRIC ORANGE. Die Zeit bis dahin kannst du dir problemlos mit der "Platte" vertreiben.
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