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El Guapo Stuntteam

Battles Across The Stereo Spectrum

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Suburban Records

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Battles Across The Stereo Spectrum
Battles Across The Stereo Spectrum, Suburban Records, 2005
Cedric Maes (Fuzzy Cedroc) Guitar, Main Vox
Christophe Dexters (Chuck Digs Beef) Guitar, Vox
Jethro Volders (Blind J. Beef) Guitar
Micha Volders (Magic Mitch Thundersticks) Drums
Michel Truyens (Fiddy The Trooper) Bass
Christiaan Maes (Captain Catastrophy) Fire & Mayhem (gefährliche Körperverletzung)
Gäste:
Beatman Vocals
Kristof Vaes Bluesharp
Produziert von: Mitch, Pete Snakeboot Länge: 41 Min 32 Sek Medium: CD
1. Battles Across The Stereo Spectrum7. Eating Mud
2. Hey Misery8. Holy Lightning
3. Black Cloud9. Nasty Woman
4. The Hearse10. My Baby
5. No Such Animal11. Cheatin Heart Blues
6. I Never Will

Als Weitgehörter gerät man ab und an in die Niederungen des echten Underground, also abseits des üblichen Glamours und der First Class Produkte, wie wir Rock & Roller sie eben gewöhnt sind. Ist ja auch mal ganz witzig, wenn man statt Kaviarhäppchen Stehpizza diniert. Hauptsache die Krawatte sitzt und die Bügelfalte hängt gerade.
Diesmal sind wir in Belgien angekommen - das Land, über das man ganz grundsätzlich nichts wissen muss, weil es furzlangweilig ist. Die Belgier haben nicht mal Berge. Gut, die Pommes sind lecker, aber sonst?

Seit 10 Jahren treibt eine Horde Typen dort ihr Unwesen, die, wenn sie nur halb so schlimm sind wie im Info dargestellt, eine potentielle Gefahr für das heimische Silberbesteck darstellen. Also so was aber auch, angeblich saufen die Bier nur im Hektoliter, rauchen verbotene Pflanzen, penetrieren unschuldige Mädchen mit großen Sekundärextremitäten und weigern sich konsequent einer ordentlichen Arbeit nachzugehen. Als neokonservativer Moralhüter muss man sich fragen, ob dieses asoziale Verhalten nicht ein Auswuchs unserer mitteleuropäischen Wohlfahrtsdekadenz ist. Abscheulich. Außerdem machen sie höllenlauten Krach auf ihren strombetriebenen Musikinstrumenten. Typisch, gegen alles sein, aber dann importierte Atomenergie verbrauchen.
1999 und 2001 haben die sogar schon zwei Platten aufgenommen, mit anderen Subjekten wie DANKO JONES, PETER PAN SPEEDROCK oder NASHVILLE PUSSY waren sie auf Konzertreise und MTV Holland hat sie im Fernsehen gezeigt. Für die singende Schauspielerin Juliette Lewis (ihr erinnert Euch, unschuldige Mädchen mit dicken Dingern...) haben sie dieses Jahr die Vorband gegeben. Oh Gott, die Werte unserer christlichen Erziehung sind heute nichts mehr wert.

Wohlan, als toleranter Bildungsbürger hört man sich auch solchen Abschaum an. Und - Überraschung! - am Anfang hört sich das an wie URIAH HEEP auf Speed (und was sich reimt ist gut). Aber dann naht das Ende mit Riesenschritten. "Battles Across The Stereo Spectrum" heißt die Platte und das erste Lied, und ganz genau so kracht es auch aus den Speakern: Hier wird Musik gekämpft und nicht gespielt.
Es sei in aller Deutlichkeit gesagt, dass diese Kapelle fürwahr nichts für betuliche, weintrinkende Pfeifenraucher im Rollkragenpullover ist. Das EL GUAPO STUNTTEAM ist ein Haufen unzivilisierter Punks, die ausschließlich maximalen Spaß haben wollen - und den auch verbreiten! Für das Geschrei eines Fuzzy Cedroc braucht man absolut intakte Nerven und für die Attacken der drei (!) Gitarren einen Magen wie ein Nilkrokodil. Weia, was für ein Gerumpel und Gepolter.

Witzig, dass die Burschen ausgerechnet All-Time-Heroes wie Hendrix, Captain Beefheart, IRON MAIDEN (ausdrücklich nur die alten Jungfrauen sind gemeint) oder LYNYRD SKYNYRD als Vorbilder nennen. Grade Skynyrd tauchen in letzter Zeit immer wieder als Inspirationsquelle junger Haudraufs auf. Man sollte sich mal Gedanken darüber machen, denn möglicherweise haben sich viele längst sesshaft gewordene Rockfans über die Jahre eine leicht verklärte Wahrnehmungsstrategie zurechtgelegt? Waren die netten Familienväter von heute nicht in ihren Anfangstagen auch arschtretende Kannibalen, die Angst und Schrecken mit ihrem Krawall verbreiteten? Auch wenn Sweet Home Alabama inzwischen im Kaufhaus zur Berieselung gespielt wird, vor Jahrzehnten gab es deswegen Familienkriege. Heute wird oftmals lieber philosophiert, wie Hendrix' neue Platte klingen würde, so er noch lebte. Albern ist das, denn Hendrix ist tot, und auch wenn das nicht gut ist, es ist nicht zu ändern. Oder findet irgendwer die neue CD von SANTANA in irgend einer Weise spannend? Der lebt nämlich noch und tritt bei Gottschalk auf. Tot sein ist manchmal nicht das schlechteste.

Das Stuntteam hat sich also diverse "Classic Rocker" als Vorlage genommen. So weit so gut. Man kann dann hergehen und deren alte Songs mehr oder weniger 1 zu 1 kopieren - dann ist man eine Classic Rock Band - oder man zerhackt die Urväter und setzt sie im Rahmen seiner Möglichkeiten und mit eigenem Gefühl und Gedankengut wieder zusammen. WHITE COWBELL OKLAHOMA sind solche Kandidaten. Oder eben EL GUAPO STUNTTEAM.
Schön, im Sinne eines Michelangelo, ist "Battles Across The Stereo Spectrum" nicht. Aber effektiv, brachial und aufrüttelnd. R-O-C-K im Sinne von Rock! Um genauer zu sein, es ist Heavyrock der ganz dreckigen Sorte, speedig, bösartig, wild und hemmungslos. Zwei- und dreistimmige Gitarren, Mundharmonika und Blues-Riffs gegen White-Trash-Boy Aggression. Tja, meine Damen und Herren Traditionsbewahrer, so klingt es eben heute, wenn das Erbe der Gründerväter "verwaltet" wird. Vielen wird das nicht behagen, wenn es aber eine Zukunft für diese Art von Musik geben soll, muss es wohl so sein. Ansonsten dürfen wir bald ins Museum gehen zum abrocken. Sucht es Euch selber aus!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.11.2005

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