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World Gone Crazy

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World Gone Crazy
World Gone Crazy, HRO Records, 2010
Tom Johnston Lead & Background Vocals, Acoustic & Electric Guitars
John McFee Acoustic & Electric Guitars, Resonator Guitar, Vocals, Banjo, Mandolin, Percussion, Violin, Drums
Pat Simmons Acoustic & Electric Guitars, Lead & Background Vocals
Michael Hossack Drums & Percussion
Gäste:
Michael McDonald Vocals (Don't Say Goodbye)
Willie Nelson Vocals (I Know We Won)
Guy Allison Piano, Strings, Keyboards, Wurlitzer, Hammond B3
Bill Payne Piano, Hammond B3
Gregg Bissonette, Joey Waronker Drums
Norton Buffalo Harmonica
Kim Bullard Synthesizer, Piano, Keyboards
Bob Glaub, James "Hutch" Hutchinson Bass
Ross Hogarth Guitar, Percussion, Drums
Tim Pierce Guitar
Ted Templeman Tambourine
Karl Perazzo Percussion
Cameron Stone Cello
Mark Russo, Mic Gillette Horn
Amy Holland-McDonald, Siedah Garrett, Dorian Holley, Nayanna Holley, Tim James, Darryl Phinnessee, Gail Swanson Vocals
Produziert von: Ted Templeman & The Doobie Brothers Länge: 55 Min 21 Sek Medium: CD
1. A Brighter Day7. Don't Say Goodbye (feat. Michael McDonald)
2. Chateau8. My Baby
3. Nobody9. Old Juarez
4. World Gone Crazy10. I Know We Won (feat. Willie Nelson)
5. Far From Home11. Law Dogs
6. Young Man's Game

DOOBIE BROTHERS 2010. So richtig darauf gewartet haben nicht mehr viele Altfans, außer den Opas der amerikanischen Mittel- und Oberschicht, die auch mal viel Geld für eine Kreuzfahrt mit den Helden ihrer lange zurückliegenden Jugend ausgeben, neue Fans gibt es sowieso nicht. Ja, die Doobies sind schon lange im bestsituierten AOR-Oldie-Zirkus angekommen - so ungefähr seit Mitte der Siebziger, als sich Hit an Hit reihte und Michael McDonald die songwriterische Hoheit über die Band erlangte. Zehn Jahre nach "Sibling Rivalry" kommt nun mit "World Gone Crazy" ein neues Studioalbum auf den Markt; das insgesamt dreizehnte.
Volle fünf Jahre wollen die alten Herren daran gearbeitet haben, davon drei ernsthaft. Und einen Aufwand haben sie betrieben, als ob die millionenschweren Siebziger und Achtziger nie geendet hätten. Ted Templeman als Produzent und eine Liste von hochkarätigen Gästen, die heutzutage bizarr erscheint. Geld spielt also keine Rolle, das freut den an verarmte Exstars gewöhnten Szenebeobachter. Aber was kommt am Schluss dabei heraus? Nur mal als Beispiel: Mainz 05, der lustige Narrenverein, steht mit Stand heute (03.10.2010) 13 Punkte vor dem großen FC Bayern an erster Stelle der Bundesligatabelle - und von den ganzen im Home of Rock in den letzten Wochen besprochenen Superstars hat es keiner zum uneingeschränkt ausgesprochenen Tipp gebracht. Warum? Weil manche Großvereine zwischendurch schwächeln, was die kleinen pfiffig ausnützen, und die allermeisten Altrocker ihre beste Zeit lange hinter sich haben.

Nehmen wir als Exempel für kreativen Stillstand den flotten Honky Tonk Young Man's Game. Geschrieben von Gründungsmitglied Tom Johnston, der auch die meisten Nummern singt (überragend übrigens), und so hemmungslos zusammengeklaut, dass sich u. a. Bob Seger dringend ein paar Tantiemen sichern sollte. Hat der aber gar nicht nötig, was bei der letzten Tour verdient wurde, reicht für mehrere Generationen. Ist Young Man's Game deswegen ein schlechtes Lied? Im Gegenteil, ein tolles sogar. Aber eben auch ein für heute komplett irrelevantes. Guter Rock & Roll, aber in genau dieser Form 40 Jahre lang immer wieder gern genommen. Wie wäre es zwischendurch mit einer n-e-u-e-n Idee?
Oder Don't Say Goodbye, gesungen von Michael McDonald. Das ist exakt so pappsüß wie vor 35 Jahren, da klebt dir wieder der alte Gummibär am Gaumen. Und dazu eine Harmonika von Norton Buffalo, die geradezu penetrant nach Michael Hirte schmeckt. Dabei ist Norton einst mit der STEVE MILLER BAND groß geworden. Jener Steve Miller hat mit "Bingo!" zuletzt ein großartiges Album gemacht, ebenfalls mit großem Aufwand, aber er hat irgendwie die Kurve gekriegt. Die Doobies bei weitem nicht immer. Old Juarez ist eine dröge Latino-Einlage, die trotz SANTANAs Percussionsten Karl Perazzo und einem perfekt nachempfundenen Gitarrensolo etwa so aufregend ist wie eine Talkshow mit Kerner.
Der Tiefpunkt wird schließlich mit I Know We Won von und mit Willie Nelson erreicht. Sorry, Männer, aber welche Zielgruppe soll mit so einem Jammerlappen-Gruselschmus-Country angesprochen werden?

Wesentlich angenehmer wird "World Gone Crazy" bei Nummern wie dem Eingangssong A Brighter Day, der trotz - auch noch künstlichen - Steel Drums und ziemlich schmierigen Keyboards einen Hauch von Westcoast-Groove verbreitet. Pop zwar, aber schmissiger. Mochte man nicht auch Sunshine Reggae von LAID BACK?
Richtig rockig wird's bei Chateau, sogar mit Originalgroove und (beinahe) bösen Gitarren. Einer der wenigen Songs auf dem Album, der relativ "pur" eingespielt wurde. Nobody gehört halbwegs ebenfalls dazu, überzeugt mit seinem "Down-to-Earth-Sound", der schönen Lead- und den stimmigen Akustikgitarren und natürlich dem einzigartigen Gesang. Das wahre Highlight dieses Albums ist neben dem beschwingten My Baby jedoch der Titelsong. World Gone Crazy hat ihn, diesen DOOBIE-BROTHERS-Groove, für den die Band einst berühmt wurde. DAS sind Gesangsstimmen, DAS sind Bläsersätze. Nur der Text erscheint irgendwie reaktionär.

Das Fazit ist ähnlich wie das von vor 10 Jahren bei "Sibling Rivalry". Licht und Schatten wechseln sich ab, manches ist schön, manches ist toll, manches aber auch schlicht komplett unnötig. Die technische Qualität steht außer jeder Frage, Ted Templeman und die DOOBIE BROTHERS sind Großmeister der Produktion. Am Schluss muss jeder Konsument und Saunagänger selbst entscheiden, ob er einen Aufguss oder eine frische Dusche haben möchte.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.10.2010


 
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