|
|
| Live At Wolf Trap, Sanctuary Records, 2004 |
| Michael Hossack |
Drums, Percussion |
| Tom Johnston |
Guitars, Vocals |
| Keith Knudsen |
Drums, Vocals |
| John McFee |
Guitars, Dobro, Pedal Steel, Slide Guitar, Violin, Vocals |
| Patrick Simmons |
Guitars, Vocals |
| Guy Allison |
Keyboards, Vocals |
| Marc Russo |
Alto, Tenor & Baritone Saxophones |
| M.B. Gordy |
Percussion |
| Skylark |
Bass, Vocals |
| Marvin McFadden |
Trumpet |
| Mick Gillette |
Trombone, Trumpet |
| Produziert von: Michael Drumm & Andrea Allen |
Länge: ca. 120 Min (Konzert) |
Medium: DVD |
|
 |
 |
| 1. Rockin' Down The Highway | 13. Clear As The Driven Snow |
| 2. Jesus Is Just Alright | 14. Neal's Fandango |
| 3. Dangerous | 15. Takin' It To The Streets |
| 4. Another Park, Another Sunday | 16. Don't Start Me Talkin' |
| 5. People Gotta Love Again | 17. Take Me In Your Arms |
| 6. Spirit | 18. Little Bitty Pretty One |
| 7. Steamer Lane | 19. Black Water |
| 8. South City Midnight Lady | 20. Long Train Runnin' |
| 9. Snake Man | 21. China Groove |
| 10. Nobody | 22. Without You |
| 11. Five Corners | 23. Listen To The Music |
| 12. Rainy Day Crossroad Blues | |
 |
Rentneralarm! Wieder eine Band mit 35 Jahren auf dem Buckel, und wenn die DOOBIE BROTHERS auch längst nicht mehr in Originalbesetzung - und auch nicht in der ab Mitte der siebziger Jahre kommerziell erfolgreichsten mit Michael McDonald - unterwegs sind, die Männer um Tom Johnston und Pat Simmons gehören allesamt zu den gesichtsälteren im Business. Kein Wunder, sind die beiden Schlagzeuger Michael Hossack und Keith Knudsen (der leider im Februar 2005 verstarb) mit Unterbrechungen auch schon seit 1972 bzw. 1974 dabei und Drittgitarrist John McVie seit 1981 (vorher bei CLOVER).
Grund für Skepsis also, vor allem unter dem Aspekt, dass die Doobies als eine der ersten Bands der Westküste bereits spätestens ab ihrem fünften Album "Stampede" der unerträglichen Seichtigkeit des Popradios verfielen und fürderhin fast nur noch steriles Mainstreamgedudel produzierten. Folgerichtig war 1982 erst mal Schluß mit der völlig verweichlichten Kapelle.
Seit ihrer Wiederkehr in den Neunzigern avancierten die Brüder zu einer der erfolgreichsten Bands im Classic-Rock-Zirkus und touren beständig und mit großem Erfolg durch die Vorhöfe amerikanischer Pensionärsparadiese - den Light-Beer-, Jukeboxmusic- & Non-Smoking-BBQ-Festivals.
Dass es ihnen gut geht, auch ohne selbst gedrehten Doobie, sieht man auf dieser DVD an den 30 Minuten in flüssiger Rede vorgetragenen Interviews. Auch die finanzielle Seite muß stimmen, ansonsten könnten wohl kaum insgesamt 11 Musiker auf der Bühne stehen, darunter der Extraklassebassist Skylark und De-Luxe-Bläser Marc Russo. Die machen diesen Job sicher nicht nur für ein warmes Abendessen.
Zu guter Letzt kann man den hervorragenden Zustand der Veteranen gottlob auch noch hören und das ist der schönste Teil dieser vergleichsweise aufwendig gestalteten DVD, deren verschiedene Features man sich in einer ruhigen Stunde genüßlich antun sollte. Besonders gelungen ist eine Gesangseinlage einer Zuschauerin...
Rockin' down the highway ist geil - wenn man das richtige Auto und eine gute Anlage darin hat. Drei tiefergelegte Gitarren, zwei Drummer plus Bass im Getriebe, drei verschärfte Bläser anstatt Auspuffrohre und oh dieser Gesang... schon geraten Rockin' Down The Highway, Jesus Is Just Alright und Dangerous zu einer atemberaubenden Schußfahrt, wie man sie von ähnlich betagten Combos selten hört. Johnston, Simmons und McFee rocken sich gitarrentechnisch den Arsch ab und insgesamt sechs (!) Leute singen abwechselnd oder gleichzeitig derart begeisternd, dass man meint, für Jahre keinen kreischenden Heavy Metal Schreihals mehr ertragen zu können. Keine Ahnung, wie viel von diesen sensationellen Vocals nachträglich im Studio hinzugefügt oder ausgebessert wurde. Sollten nur 50% tatsächlich live sein (und es sieht nach deutlich mehr aus), haben die DOOBIE BROTHERS ihren Platz im Gesangs-Walhall für immer sicher.
Nach dieser Highspeed-Viertelstunde schalten die Männer naturgemäß einen Gang herunter, bleiben aber im bequemen Groove-Trab und zeigen weiterhin, dass die Band tight, lässig und gut gelaunt auch im Jahr 2004 mühelos in der ersten Liga brillieren kann.
John McFee wechselt zwanglos von elektrischer Gitarre zu Fiddle, Dobro oder Pedal Steel, Tom Johnston singt wie der Allmächtige höchstselbst, wenn er nicht gerade von Simmons oder einem der anderen abgelöst wird, Hossack, Knudsen und Percussionist M.B. Gordy swingen, trommeln und treiben das Publikum selbst im - etwas zu lang geratenen - Akustikset zu staunenden Begeisterungsstürmen. Wenn dann noch Marc Russo in South City Midnight Lady - einem ansonsten vom Kritiker gefürchteten Schleicher - zu seinem Sax-Solo anhebt, bleibt kein Auge mehr trocken.
Die Ära um STEELY DAN-Ziehkind Michael McDonald wird, bis auf Takin' It To The Streets, relativ großräumig umfahren und das ist gut so. Dirigierte McDonald die Band seinerzeit doch in die mainstreamige Belanglosigkeit und sorgte mit seinem Gesang für den von jeder Ecke und Kante befreiten Niedergang ins Kommerznirwana. Schöner Gesang ist eine Sache, Schönsingerei eine ganz andere und das hat die Band inzwischen längst begriffen und kleistert nicht mehr jeden Tonmillimeter mit Harmonys zu, sondern gibt der Musik Luft zum Atmen und Raum zum entspannten Schweben inklusive gepflegtem Abrocken.
Im dritten Drittel wird Tempo und "Härte" wieder kontinuierlich angezogen und über den Sonny-Boy-Williamson-Blues Don't Start Me Talkin' (mit einer Gitarrenperformance ohne Gleichen), die schier endlos swingenden Zirkusnummern Take Me In Your Arms und Little Bitty Pretty One und den Countryheuler Black Water gelangt man ins große finale furioso. Long Train Runnin', China Groove, Without You und Listen To The Music ziehen auch dem allerletzten Nörgler die Zweiflerhosen stramm über die Waden und lassen nicht nur die amerikanischen Mitvierziger die Bierbäuche schwenken.
Natürlich waren die Doobie Brothers bereits vor mehr als dreißig Jahren keine wild rockende Jungspundkapelle, natürlich richteten sie ihr Hauptaugenmerk auf die (in den Siebzigern) mittlerweile situierte und kaufkräftige Althippie-Kundschaft und natürlich haben wir es heute mit einer Band zu tun, die überdeutlich ein Publikum jenseits der Fünfundvierzig anspricht. Ähnlichkeiten mit zum Beispiel LITTLE FEAT oder den ALLMAN BROTHERS sind nicht zu verleugnen, aber im Gegensatz zu denen zelebrieren die Doobies ihre alten Hits nicht zu Tode, sondern geben ihnen eine überwältigende Frische mit auf den Weg. Wenig verändert zwar, aber in begeisternder Weise über die Jahrzehnte getragen.
Hätten wir es nicht mit "alten Säcken" zu tun, die Industrie würde diese Band pushen bis zum Erbrechen und als 'next big thing' abfeiern. So kann man nur hoffen, dass auch der eine oder andere jugendliche Musikfan sich an den zwei- oder dreistimmigen Gitarren- und Gesangsorgien leicht ältlicher Herren begeistern kann und diese Art von Musik (vielleicht sogar mit seiner eigenen Band) für die Zukunft rettet.
Eine in allen Belangen grandiose Band mit entsprechender DVD.
Region: Codefree
Bild: 19:9
Audio: 2.0 Dolby Stereo, 5.1 Dolby Surround, 5.1 DTS Surround
Sprache: Englisch
Laufzeit: ca. 120 Min plus Bonus Features
|