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| Rockpalast: 30 Years Of Southern Rock (1978-2008), SPV, 2010 |
| Dickey Betts |
Guitar & Vocals |
| Dan Toler |
Guitar (1978) |
| Michael Workman |
Keyboards (1978) |
| David Godflies |
Bass (1978) |
| David Toler |
Drums & Percussion (1978) |
| Dani Sharbono |
Drums & Percussion (1978) |
| Duane Betts |
Guitar (2008) |
| Michael Kach |
Organ & Vocals (2008) |
| Pedro Arevalo |
Bass (2008) |
| Frankie Lombardi |
Drums & Backing Vocals (2008) |
| James Vanardo |
Drums (2008) |
| Andy Aledort |
Guitar (2008) |
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Länge: 149 Min 48 Sek |
Medium: Do-CD |
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| CD 1: Grugahalle Essen, 1978: | |
| 1. Rockpalast-Intro | 5. Dealin' With The Devil |
| 2. Run Gypsy Run | 6. Jessica |
| 3. In Memory Of Elizabeth Reed | 7. High Falls |
| 4. Good Time Feelin' | 8. Ramblin' Man |
| CD 2: Museumsplatz Bonn, 2008: | |
| 1. Statesboro Blues | 6. Havin' A Good Time |
| 2. Nothing You Can Do | 7. In Memory Of Elizabeth Reed |
| 3. Blue Sky | 8. No One To Run With |
| 4. Get Away | 9. Ramblin' Man |
| 5. One Way Out | |
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Die Doppel-DVD dieser beiden Rockpalast-Konzerte erschien schon vor gut einem Jahr, nun endlich gibt es die zugehörigen CDs. Und prompt prangt der falsche Sticker auf dem Cover: "Contains two complete Rockpalast-Shows" ist gelogen, denn die zwei CDs sind nur ein Extrakt der Jahre 1978 (Grugahalle, Essen) und 2008 (Museumsplatz, Bonn). Es fehlen aus Kapazitätsgründen insgesamt vier Songs, drei davon aus dem Jahr 1978. Mal ehrlich, wenn man schon solche puren Sammlerstücke veröffentlicht, dürfte es doch auch gerne eine dritte CD sein, um dem, nomen est omen, Sammler wirklich den Genuss der kompletten Konzerte zu gönnen. Zufallskäufer oder neue Fans wird man mit Dickey Betts ohnehin kaum anlocken können, "halbe" Sachen mag sich der Fachmann höchstens fürs Autoradio antun. Dabei hätten beide Auftritte die komplette Würdigung auch auf der reinen Tonkonserve durchaus verdient, man hat schließlich nicht immer Lust auf Konzertfilme - speziell wenn sie alte TV-Wackelbilder aus den Siebzigern oder Männer weit jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums zeigen.
Nichtsdestotrotz war Dickey Betts in jener Nacht vom 4. auf 5. März 1978 zusammen mit seiner Band GREAT SOUTHERN in der Form seines Nicht-ABB-Lebens und lieferte fraglos das beste jemals von deutschen Fernsehkameras aufgezeichnete Southern-Rock-Konzert ab. Zugegeben, es gibt nicht besonders viele, aber der damals knapp 35jährige Betts hatte nach dem 76er Split der ALLMAN BROTHERS nicht nur soeben seine zwei bis heute besten Soloalben veröffentlicht ("Dickey Betts & Great Southern" 1977 und "Atlanta's Burning Down" 1978), er war auch als Songwriter und vor allem als Gitarrist auf dem Höhepunkt seines Schaffens.
Zwei Gitarren, Keyboards, Bass und zwei Schlagzeuger waren die Waffen von GREAT SOUTHERN, und die Band machte sich damit und mit ihrem ganz eigenen Sound unvergleichlich.
Der Auftritt war ein Mix aus Nummern der beiden Solo-LPs und den bereits damals zu Klassikern gewordenen Trademark-Songs der Allmans, wobei die allesamt deutlich rockiger dargebracht wurden als im Original. Vielleicht waren Betts und seine Mannen auch von MOTHER'S FINEST unter Druck gesetzt worden, denn die zündeten nur eine Stunde vorher mit ihrer gnadenlos heizenden Funk'n'Roll-Show das Publikum in der Grugahalle an wie trockenes Stroh. Obwohl Betts mit dem maximal eisgekühlten Gesichtsausdruck eines gelangweilten und mit allen Giften gewaschenen Superstars auftrat, zog er musikalisch alle Register eines echten Südstaaten-Gitarrengottes, niemals danach konnte man ihn in Europa so kompromisslos rockend erleben. Dazu die federleichte Attitüde der Songs, seiner Slidegitarre und der grandios percussionierenden David Toler und Dani Sharbono - in dieser Nacht standen wir mit einer zentimeterdicken Gänsehaut vor dem Fernseher und hatten die Stereoanlage wegen dem Radiosound in Stereo auf Ruhestörung gestellt. Es war eine historische Nacht, denn danach kam noch der hypnotisierende Auftritt von SPIRIT.
Der Sound ist identisch mit der DVD, also richtig gut, die vereinzelten Spielfehler fallen heute so wenig ins Gewicht wie vor 32 Jahren. Viel wichtiger sind die mächtigen Riffs in Rockern wie Back On The Road Again [liebe Plattenfirma und Schreiberkollegen: der Song hat wirklich ein ‚Again' im Titel, guckt doch mal auf das Plattencover von 1978], die unbändigen Grooves in Good Time Feelin', das mit höchster Konzentration und Präzision dargebrachte In Memory Of Elizabeth Reed (man hat es beileibe schon in schludrigeren Versionen gehört), oder die von Keyboarder Michael Workman bis zu Dickeys Abflug in den Gitarrenwahnsinn zärtlich betreute Jessica.
Es gab nach diesem triumphalen Konzert nur zwei Lieder als Zugabe. Das erste, High Falls, dauert 30 Minuten. Und es zeigt exakt auf, was sich Betts dachte, als er es für die ALLMAN BROTHERS schrieb. Die waren aber 1975 bei der Aufnahme von "Win, Lose Or Draw" eine ausgebrannte Hülse und konnten Geniestreiche wie High Falls nicht mehr adäquat umsetzen. GREAT SOUTHERN war das kompetente Vehikel dafür, der Rockpalast war das perfekte Medium. David Godflies spielte ein Basssolo, das garantiert von Jerry 'Wizzard' Seay, dem Ungetüm von MOTHER'S FINEST inspiriert war - niemals hieb dieser brave Bassist so auf sein Instrument ein wie am frühen Morgen des 5. März 1978, Toler und Sharbono trommelten wie besessen und kulminierten in einem Solo, das als eines der ganz wenigen Schlagzeugsolos der Musikgeschichte als "Drumsolo mit Soul" bezeichnet werden darf. Und Betts? Der ließ sich von seiner Kreativität, Keyboarder Workman und seinem Rhythmusgitarristen "Dangerous" Dan Toler zu unglaublichen Gitarrenflügen inspirieren. Es gibt keine bessere Aufnahme von High Falls als diese.
Das abschließende Ramblin' Man steht natürlich für sich selbst. Betts hatte Ramblin' Man für das 73er-Album "Brothers And Sisters" geschrieben und wusste damals sicher nicht, dass er eine DER Hymnen nicht nur eines Genres sondern einer Zeit erschaffen hat (für Jessica und Elizabeth Reed gilt das natürlich ebenso). Sechs Jahre nach seiner Geburt hatte der Ramblin' Man trotz längst erworbener Routine noch einen ungeheuren Drive - und Dank der neuen Konstellation mit GREAT SOUTHERN auch wieder deutlich mehr Biss als mit den Brothers zuletzt, beispielsweise auf "Wipe The Windows, Check The Oil, Dollar Gas", dem 1976 von der Plattenfirma als Alibi eingeschobenen Live-Album.
Der Auftritt in der Grugahalle war und ist Pflicht und Genuss gleichermaßen, 30 Jahre später kam Betts mit seiner neuen GREAT SOUTHERN Formation wieder zum WDR und ließ einen Auftritt in Bonn aufzeichnen. Nach seinem endgültigen Rausschmiss bei der ALLMAN BROTHERS BAND im Jahr 2000 kam nichts erwähnenswertes außer ziemlich gruseligen Suchtgeschichten mehr von dem schwierigen Ausnahmemusiker aus Florida, die DVD "Back Where It All Begins" war unterm Strich ein trauriges Ereignis und die CDs "Let's Get Together" und "The Collectors #1" bestenfalls für Alleskäufer geeignet. Bei GREAT SOUTHERN wechselten die Musiker schneller als man sie sich merken konnten und die vereinzelt zu hörenden Livemitschnitte machten keine große Hoffnung auf eine Wiederkehr der "guten alten Zeit". Auf eine neue Phase gesteigerter Kreativität schon gar nicht. Und doch kann man das vom Rockpalast aufgezeichnete Konzert in Bonn vom 19. Juli 2008 nur als gelungen bezeichnen (zwei Tage vorher gab es dagegen einen langweiligen Auftritt in München - Betts ist also immer noch ein Event-Tier, das auf Knopfdruck Inspiration heucheln kann).
Was sollte man gegen den zweiten Teil von "30 Years Of Southern Rock" sagen? Dass Dickey längst nicht mehr alle Soli selbst spielt und die Slide beinahe gänzlich dem dritten Gitarristen Andy Aledort überlässt? Dass sein Sohn zwar Duane heißt, dies aber womöglich mehr Bürde als Freude für den jungen Mann darstellt? Dass manche Keyboardsounds von Michael Kach scheußlich nach Plastik klingen? Dass das derzeitige Schlagzeugduo Frankie Lombardi und James Vanardo klinischer spielt als Toler und Sharbono? Dass In Memory Of Elizabeth Reed nur noch knapp 20 Minuten dauert? Dass die beiden halbwegs neuen Songs Get Away und Havin' A Good Time zu den eher schwächeren der Setlist zählen? Dass Betts' Stimme weit entfernt von früherer Brillanz ist? Dass man den Statesboro Blues egal von wem nicht mehr hören mag? Selbst wenn das alles stimmt, ist es reine Beckmesserei, denn erstens gibt es wahrhaft wunderschöne Versionen von Blue Sky und One Way Out, zweitens ist diese bis heute bestehende Ausgabe von GREAT SOUTHERN merklich agiler als beispielsweise die heutigen LITTLE FEAT (und auch die heutigen ALLMAN BROTHERS, aber das darf man nur heimlich sagen), und drittens groovt beinahe das gesamte Konzert inklusive der neu arrangierten Elizabeth Reed ganz vorzüglich.
In dieser Form ist Dickey Betts mit GREAT SOUTHERN immer noch ziemlich groß. Ein Fall für den Nachwuchspreis und Zukunftshoffnungen ist er deswegen nicht, aber das weiß er selbst wohl am besten. Die kleinen Gitarrenschlachten zwischen Duane und ihm darf man dennoch mit gesteigerter Wollust genießen.
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