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Martin Scorsese presents:

The Blues

Eine Reise zu den Wurzeln des Blues
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McOne GmbH

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The Blues
The Blues - Eine Reise zu den Wurzeln des Blues, McOne GmbH, 2004
Länge: ca. 13 Std Medium: 7 DVD-Box

Meinen ersten Kontakt zum Blues erfuhr ich durch Rory Gallagher, 1972, als kleiner Bub. In einer Fernsehsendung des Bayrischen Rundfunks verstrahlte er in jenem kurzen Live-Mitschnitt eine derartige Energie, dass mich sein Messin' with the kid quasi in die Knie zwang. Dass allerdings die Autorenrechte dieses Stückes ein gewisser Junior Wells innehatte, wusste ich damals nicht und interessierte mich überhaupt nicht.
Jedoch sprossen die ersten von Gallagher gesäten Keime meines Bluesinteresses mit dem Kauf des Fillmore Doppelalbums der ALLMAN BROTHERS ein knappes Jahr später allmählich in den Himmel. Stormy Monday und Statesboro Blues wiesen mir einmal mehr den Weg zu den alten Meistern der Blues-Historie und mir wurde mit meinen kindlichen dreizehn Jahren langsam klar, dass die Wurzeln des Blues irgendwo tief im Süden der U.S.A. bei den schwarzen Baumwollpflückern im Mississippi-Delta liegen mussten.

Als ich dann Weihnachten 1973 das Rocklexikon-Taschenbuch aus dem rororo-Verlag geschenkt bekam, las ich zum ersten Mal über Leute wie Muddy Waters, Robert Johnson und B.B. King, etc... Mein eher vages Interesse brannte nun lichterloh, denn ich erfuhr, dass die weissen Blues-Helden, deren Platten ich mir von meinem spärlichen Taschengeld leisten konnte, also Rory, Johnny Winter, Eric Clapton, The Free und Led Zeppelin ihre Inspirationen einzig und allein dem Vermächtnis ihrer eigenen Jugend-Idole zu verdanken hatten.
Nun, einunddreissig Jahre später und nach einer jahrzehntelangen Wanderschaft durch unterschiedlichste Musikstile, die meinen Musik-Horizont auf's Prächtigste illuminierten, falle ich plötzlich zurück in die alten Tage, sehe endlich wieder den schillernden Regenbogen des Blues über dem musikalischen Himmel der Neuzeit leuchten und besinne mich auf Willie Dixons Worte: "The Blues are the roots, everything else is the fruits". Wie wahr.

Das Aufflammen dieser alten Leidenschaft verdanke ich der ebenso liebevollen wie leidenschaftlichen, der gut recherchierten und durchkomponierten, höchst unterhaltsamen filmischen Blues-Werkschau des grossartigen amerikanischen Regisseurs Martin Scorcese ("Taxi driver", "The Band", "Wie ein wilder Stier" u.a.). Zuviel Superlative? Keineswegs. Scorcese gelingt es, unter Miteinbeziehung sechs weiterer namhafter Regisseure (u.a. Mike Figgis, Clint Eastwood und Wim Wenders) einen kollossalen, informellen Bogen einerseits und einen spannenden, fesselnden und auch anrührenden Reigen andererseits zu kreieren, ohne den Betrachter durch die enorme Wucht dieses epochalen Werkes zu erschlagen.
Hier werden sieben Mal 90 Minuten (plus Bonus-Material) nicht zum blassen und nüchternen Geschichtsunterricht aufgebläht, sondern die spannungsreiche und stets von noch lebenden Zeitzeugen und deren erhellenden Anekdoten bereicherte Historie des Blues von allen möglichen Seiten aufs Kurzweiligste beleuchtet. Mehr als zwölf Stunden, die wie im Fluge vergehen und den Betrachter tief in die Geheimnisse dieser afroamerikanischen Kultur blicken lassen.
Das hat mit Voyeurismus nun absolut nichts zu tun, wenn alte Blues-Hasen wie z.B. Little Milton, B.B. King oder Rosco Gordon bereitwillig ihre ganz persönliche Version des Erlebten mit ein wenig Wehmut, aber auch dem ihnen zustehenden Selbstbewusstsein, zum Besten geben. Dass der Blues letztendlich erst durch die vehemente Inbeschlagnahme der weissen englischen Adepten wie ROLLING STONES, John Mayall, Alexis Korner und deren Zöglinge Eric Clapton, Jeff Beck, Peter Green, Mick Fleetwood und Konsorten weltweit salonfähig wurde und den schwarzen Urhebern Mitte der sechziger Jahre endlich den verdienten Respekt und einen ansehnlich gefüllten Geldbeutel einbrachten, wird ebenso kritisch wie dankbar zur Kenntnis gebracht.

So entwickeln sich auch die beiden Streifen von Richard Pearce, "The road to Memphis" und Mike Figgis' "Red, White & Blues" zu den unterhaltsamsten Werken, weil sie einerseits die Inbrunst, das Herzblut aller Beteiligten (ob Weisse oder Farbige) deutlich zur Schau stellen und andererseits auch ganz unverhohlen die Bewunderung, die Dankbarkeit, das Fan-sein und den vibrierenden Entdeckergeist gerade der weissen Engländer ganz klipp und klar bescheinigen.
Durch meine in Teenagerjahren wurzelnde Affinität zur British Blues Invasion mag die Identifikation mit eben jenem Streifen von Mike Figgis bei mir einen höheren Stellenwert geniessen. Dennoch porträtieren sämtliche Filme den zielstrebigen, aber nie protzenden Erfolgsweg des Blues auf unprätenziöse und absolut nachvollziehbare Weise, so dass man sich nach dem Genuss dieser musikalischen Enzyklopädie fühlt, als sei man ein winzig kleines, aber unverzichtbares Teilchen, in diesem grossen Räderwerk des Blues. Keep on rollin'...

Nebenbei bemerkt, eignet sich diese DVD-Box hervorragend zur Auffrischung seiner englischen Sprachkenntnisse. Denn der besonnene Erzählton der jeweiligen Sprecher (z.B. Laurence Fishburne) entspricht ganz famos dem durchaus narrativen Stil der Bildabfolge.
Die zahlreichen Bonus-Features, zusammengestellt aus alten und neuen Sessions, uralten Archivaufnahmen, Konzertausschnitten, sowie Interviews mit den Regisseuren machen diese DVD-Sammlung zu einem Top-Ereignis in Sachen Musik-Dokumentation und zu einer sicherlich grandiosen Weihnachtsgeschenkempfehlung für jeden halbwegs passionierten Blues-und-Rock-Fan, dessen Horizont mit der alphabetischen Katalogisierung seiner CD-Sammlung lange nicht erschöpft ist.
Begeisterung mag das passende Adjektiv dafür sein.

Sprache: Englisch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dolby Digital 5.1 - PCM Stereo
Bild: 1,85:1 - 16:9 - PAL DVD 9

Frank Ipach (Craving Hands), (Impressum, Artikelliste), 19.10.2004

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