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| Not The Same Old Blues Crap 3, Fat Possum Records, 2004 |
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Länge: 65 Min 33 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Hadn't I Been Good To You - Charles Caldwell | 10. Vampires And Failures - Grandpaboy |
| 2. Set You Free - The Black Keys | 11. Bad Man - T-Model Ford |
| 3. I Found Out - Nathaniel Mayer | 12. Pushin' My Luck - Robert Belfour |
| 4. You Better Run - Iggy And The Stooges | 13. Frankie And Albert - Joe Callicot |
| 5. Crack Head Joe - Little Freddie King | 14. Just Like A Bird Without A Feather - R.L. Burnside |
| 6. Goin' Down South - R.L. Burnside feat. Lyrics Born | 15. Mama Says I'm Crazy - Fred McDowell |
| 7. You Want It - Thee Shams | 16. Good Morning Judge - Furry Lewis |
| 8. Cocaine Bill - Kenny Brown | 17. Hoot Your Belly - Jimmy lee Williams |
| 9. Boob Scotch - Bob Log III | 18. Goodbye Slim Harpo - Robert Pete Williams |
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Thomas Gottschalk präsentiert: "My Baby Left Me Blues - 1 Klassiker in 18 Versionen feat. Gary Moore, Eric Clapton, Chris Rea, Joe Cocker u.v.a., mit Special Guests Ian Anderson, Steven Tyler, John Miles & Les Humphries".
WÄÄÄÄÄÄH! Mama, ich hab Angst! Bitte bitte bitte, lass mich nicht über so was schreiben müssen. Das Bett ist durchgeschwitzt, mein Kissen angebissen und die Farbe mit den Nägeln von der Wand gekratzt. Eine schnarrende, todesbleiche Stimme sagt "nimm deine Stiefel, Blind Fred, und folge der einsamen Straße". Ich versuche mich aufzurappeln, sehe auch schon nicht mehr gut, neben mir steht plötzlich eine leere Flasche Whiskey und dieser scheußliche Geschmack im Mund...
Doch nun zu etwas völlig anderem.
In Oxford, Mississippi leben 11.700 Menschen. Einer von denen heißt Matthew Johnson und ist Chef der Plattenfirma Fat Possum Records. Fat Possum Records ist sozusagen die Keimzelle des Alternative-Nu-Blues, auch wenn sie Veteranen wie Solomon Burke oder R.L. Burnside unter Vertrag haben.
Alternative Blues klingt natürlich paradox, aaaber..., passt mal auf, ich erklär es Euch.
Stellt Euch vor, Ihr seid ein 18-jähriger Jungrocker, der in seinem Leben noch keinen Blues gehört hat und plötzlich mit der neuen CD von beispielsweise Clapton konfrontiert wird. Was passiert? Ihr wollt danach nie mehr wieder das Wort Blues auch nur in den Mund nehmen. Ihr werdet Euch auch sicher nicht Layla von Clapton und Allman kaufen, das Thema ist ein für alle mal durch, allerhöchstens Eure Mutter wird sich für das Zeug begeistern.
Und jetzt stellt Euch vor, Ihr seid der gleiche neugierige junge Mensch und kriegt plötzlich eine Packung Bastard-Blues von beispielsweise Bob Log III um die Ohren gehauen. Das ist ein Typ mit einem Helm und mit Maske, niemand hat je sein wahres Gesicht gesehen und er reduziert den Blues auf ein paar röhrende Riffs (weil er seine rechte Hand nämlich mit drei Jahren verloren hat und seitdem eine Affenkralle stattdessen hat...), Fußgestampfe und ziemlich krankes Gebrüll. Ihr werdet Euch mit diesem Weirdo auseinandersetzen, werdet lernen, dass seine Gitarre 22 Jahre alt ist und in Amerika selbstständig Alkohol kaufen darf, Ihr werdet lernen, dass Bob Log III von AC/DC und Screamin' Jay Hawkins beeinflusst ist und Ihr werdet Euch nach und nach seine CDs und die seiner Vorbilder kaufen. Auf Plattenbörsen, im Internet, im Second Hand Laden um die Ecke.
Wisst Ihr jetzt, was Alternative-Nu-Blues ist?
Wir müssen Mr. Matthew Johnson und seiner kleinen Plattenfirma dankbar sein für die Veröffentlichung einer Compilation wie "Not The Same Old Blues Crap 3". Denn die meisten Menschen wissen heute nicht mehr, wie Blues einmal klang und wie er heute klingen könnte, wenn ihn nicht der Mainstream fürs Hausfrauenradio entdeckt hätte. Es spielt keine Rolle, dass sich auf dieser CD Aufnahmen von längst verstorbenen Blues-Malochern wie Furry Lewis oder Fred McDowell (1904-1972) befinden. Diese Männer waren und sind der Blues, so wie er vor vielen vielen Jahrzehnten "erfunden" und von Robert Johnson und Kollegen zu beängstigender Perfektion gebracht wurde. Furry Lewis starb 1981 und er war nach einer Beinamputation froh, dass er aus seinem Krankenzimmer eine Eiscremefabrik sehen konnte...
R.L. Burnside wird bald 80 Jahre alt und er lebt [Nachtrag: R.L. Burnside verstarb am 01. September 2005 in Memphis. R.I.P.]. In den Jahrzehnten, die zwischen den Aufnahmen von Just A Bird Without A Feather und dem neuen Goin' Down South liegen, kann man die Entwicklung eines Menschen sehen, der alberne Millionärskrankheiten wie "kreative Blockade" oder "fliegende Langeweile" nicht kennt und heute sogar mit einem Hip-Hopper wie Tom Shimura, bekannt als Lyrics Born, kollaboriert. R.L. Burnside ist ein wilder alter Mann.
Fat Possum Records dealen aber beileibe nicht nur mit Senioren. THE BLACK KEYS aus Akron, Ohio sind eine Zwei-Mann-Band und lassen gehypte Möchtegernkrawallos wie THE WHITE STRIPES einfach verblassen. Trashiger Rock & Roll mit Melodie und Hook klingt von Leuten mit Gefühl für Musik einfach besser. Genau wie der Newcomer Nathaniel Mayer mit seinem knochentrockenen Rhythm & Blues-Funkrocksoul aus Detroit. Es macht nichts, dass Mayer schon 1962 seine ersten und einzigen Hit mit Village Of Love hatte. Sein LP-Debut erscheint nämlich erst dieser Tage. Man, this song rocks!
Auch einen großen Namen gibt es: IGGY AND THE STOOGES zerreißen den alten Junior Kimbrough Song You Better Run bis sich die Garagentür verbiegt.
Lightnin' Hopkins ist ein Begriff. Aber kennt jemand seinen Cousin Little Freddie King? Ein Mann, der erst wieder lacht, seitdem er sich 2002 dritte Zähne leisten konnte und der so singt und Gitarre spielt wie sein Leben verlief: Schmutzig und abseits der Futtertröge. Die Band THEE SHAMS aus Cincinnati ist zwar bedeutend jünger als Little Freddie, aber sie wissen was King meint. Auch wenn ihr Blues völlig anders klingt, nämlich nach den ROLLING STONES in den frühen Siebzigern, als man sich noch minutenlang über einem einfachen Riff eingroovte und die Schweinorgel dazu psychedelische Töne produzierte. Vielleicht wird You Want It mein Lieblingssong dieser CD. Oder doch Vampires And Failures von Grandpaboy? Auch sehr "steinig". Grandpaboy ist eigentlich Paul Westerberg von den REPLACEMENTS. Ob er noch weiß, wer er eigentlich ist? Oder geht es ihm so wie T-Model Ford, der nicht sicher ist, ob er 75 ist oder doch schon älter?
Robert Belfour ist seit knapp 40 Jahren Straßenbauarbeiter und singt Pushin' My Luck. Ich glaube, jetzt weiß ich, dass Blues gar nichts mit meinem fürchterlichen Traum von oben zu tun hat.
"Not The Same Old Blues Crap 3" erscheint erst im Januar 2005, aber man kann dieses Edelteil bereits jetzt vorbestellen. Tut das mal, damit auch Ihr wisst, was Blues eigentlich ist.
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