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Noisepollution Vol.3

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Noisepollution Vol.3
Noisepollution Vol.3, Noisepollution, 2005
Länge: 75 Min 00 Sek Medium: CD

Manchmal gibt es doch richtig schöne Momente im Leben. Da ging ich mit dem Peter, der meinen Artikeln für gewöhnlich die Fotos beisteuert, zum Konzert der furiosen AMPLIFIER und dann waren wir zuallererst mal von der Support Band geplättet. Nicht nur, dass sie pünktlich anfingen (in Berlin ein Ereignis, das der Erscheinung eines Kometen gleichkommt), darüber hinaus rockten SOAPBOX dermassen den Mudd Club, dass wir nur so staunten und der Peter die Kamera gar nicht mehr runter kriegte.
Also im Nachklapp zum Konzert Kontakt aufgenommen mit Bassist Timo Kumpf, ob er nicht etwas zum Besprechen von SOAPBOX hätte. Zwar sind die Releases seiner Stammband schon etwas älteren Datums, aber Timo nennt ja auch das Noisepollution-Label sein eigen, so dass ich in kurzer Zeit ein umfangreiches Päckchen feinster Erzeugnisse dieses rührigen Alternative-Rock-Labels aus dem ansonsten eher beschaulichen Odenwald in Händen hielt.
Darunter auch die Noisepollution-Sampler, die regelmäßig einen umfassenden Überblick über die feinsten einheimischen Rockschaffenden bieten und für die man, neben dem alljährlichen Indie-Festival in Wald-Michelbach, dem Timo eigentlich schon ein Denkmal errichten müsste. Denn das hier ist höchste Qualität in kompakter Form und zu den allerbesten Konditionen. Aber dazu komme ich dann noch, jetzt hören wir uns den neuesten Streich erst einmal an.

Gleich springen mir ein paar wohlvertraute Namen ins Gesicht, die auch dem aufmerksamen Home-of-Rock-Leser nicht unbekannt sein sollten, als da wären: BITUNE, HARMFUL, SOAPBOX, KILLING GAME SHOW (im übrigen alle aus Hessen - das kann kein Zufall sein), KJU oder STUDIO 47b.

1) BITUNE: Still
Ein fabelhafter Einsteiger. Saft- und kraftvoll, melodiös und eingängig, ohne schwülstiger Mainstream zu sein. Der mehrstimmige Gesang ist einfach nur perfekt geraten.
2) LACUNA: Servant
Coole Vocals, schön abgehangener und dennoch packender Groove, luftig rockend mit Biss und Eleganz.
3) JONATHAN HARD: Trip Like We Do
Keiner der fünf Jungs heißt Jonathan (wäre ja auch ein Ding), die Erfurter haben sich tatsächlich nach der Hauptfigur der Achtziger-Jahre-Vorabendserie "Hart aber Herzlich" benannt. Stonerinfizierter, breitbeiniger, adrenalindurchsättigter, enorm treibender Kick-Ass-Rock, erinnert ein wenig an SMOKE BLOW (und das ist definitiv ein Kompliment).
4) SOULSTRIP: Kiss Reason
Ein schön schillernder Alternativerocker, rhythmisch angelegt, mit breiten Gitarrenflächen. Der Gesang ist etwas zurückhaltend, was ja aber nichts Negatives bedeuten muss.
5) HARMFUL: Art Of Rebellion
Dieser Song war der Opener, Ohrwurm und die Initialzündung für das grandiose neue HARMFUL-Album "Sis Masis", sicherlich das bisher mutigste Werk der Band, da man nicht nur einen deutlichen Schritt in Richtung Pop wagte, sondern auch die Wurzeln von Aren Emirzes Vergangenheit mit verarbeitete.
6) BIZIBOX: Sceneshift
Die fünf Jungs aus dem ehemaligen Regierungssitz Bonn überzeugen mit einem leicht psychedelischen Klang in ihrer stetig vorandrängelnden Klangperle.
7) VERLEN: In Hell
Na, wer weiß noch wofür die Abkürzung steht? Für die richtige Antwort gibt es 100 Punkte und den kleinen Elefanten in Gold. Na? Also gut, VERLEN bedeutet "very elegant rocking loud emotional noise". Tjaja, der Äbbelwoi, nicht jeder verträgt ihn. Aber im Ernst: die Frankfurter beherrschen die Balance zwischen goldenen Harmonien und Shredder-Gitarre und haben einfach Stil.
8) KJU: Transition
Die Hannoveraner mausern sich mehr und mehr zur unumschränkten Nummer 1 in deutschen Landen was herzhaften Emocore anbelangt. Auch Transition steht dem in nichts nach.
9) STALE: Audiation
Hübsch verquer, mit leicht jazzigem Touch, der Gesang ist allerdings auf die Dauer ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Sind noch ohne Homepage und ohne Plattenvertrag.
10) MINUSMEN: Setback
Wirkt ein bisschen wie eine Britpop-Band mit darübergestülptem Punksänger. Trotz emphatischer Gitarren berührt mich diese Nummer nicht so richtig.
11) IKARISCHES ENSEMBLE: Ewige Wiederkunft (Edit)
Jazziger Beginn, noisiger Mittelteil, dann zersägt eine Metalgitarre den dunkelblauen Gesang. Absolut großartig, die farbigste, spannendste Avantgarde seit der hier ebenfalls schon in den höchsten Tönen gepriesene JULIKAPELLE.
12) FOUR SIDED CUBE: Blinded
Verblasst etwas nach dem aufregenden Vorgänger, eher unspektakulär, aber trotzdem ganz netter Indierock.
13) SOAPBOX: T-Weed
Die Odenwälder zeigen sich hier von ihrer etwas softeren Seite als sonst. Sehr schöner Song zum Luftholen.
14) KILLING GAME SHOW: Trishelle
Endlich mal wieder etwas Neues von meinen Lieblings-Alterna-Proggern. Schließlich kommt es nicht aller Tage vor, dass sogar schon ungeduldige Leser in unserem Forum nach Neuem von einer Band nachfragen. Also: es darf ruhig noch ein bisschen mehr sein, als dieser Song. Und kommt endlich mal zu einem Gig nach Berlin!
15) REMINDER: Contraceptive Rebellion
Ein hübscher, angenehm ins Ohr gehender Indierocker mit blubberndem Bass und jeweils einem kräftigen Schuss Pop, Punk und Wave.
16) MILLSTONE: Turned To Stone
Ein bisschen Internationalität muss bei aller Pflege der heimischen Bands auch sein, deshalb sind die Holländer von MILLSTONE hier auch vertreten. Der Song wechselt ganz hübsch zwischen Lagerfeuersound und stampfendem Rockbeat und fügt sich gut in diesen Sampler ein.
17) STEREO PILOT: My Tomorrow
Jetzt wird es metallisch. Heftiger Kopfnicker-Song.
18) ABSENT FOR A WEEK: Made By Destiny
Melodiös und emotional aufrührend und bewegt, ist mir dieser Song vielleicht etwas kantenlos.
19) MILK ON SEVEN INCH: Praiah Aflame
Schön angeschrägter Schrammel-Screamo, irgendwie charmant.
20) STUDIO 47b: Regen über Dublin
Die Band und insbesondere auch dieser tolle Song wurde ja schon von mir gewürdigt. Ein intensiver und würdiger Abschluß durch die vier Stuttgarter.

Insgesamt ein absolut überzeugender Sampler, der einen tollen Ein- und Überblick hinsichtlich einheimischen Alternativerocks gibt. Meine Anspieltipps sind die Songs von BITUNE, LACUNA, JONATHAN HARD, HARMFUL, VERLEN, IKARISCHES ENSEMBLE, SOAPBOX, KILLING GAME SHOW und STUDIO 47b.

Ralf Stierlen, (Impressum, Artikelliste), 14.09.2005

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